Ver­trot­telt, ver­liebt und schwanger

tz - - PLUS - KAT­JA KRAFT

Sie ist wie­der da! Die Frau, die al­len kom­plex­be­las­te­ten Da­men die­ser Welt Mut ma­chen soll. Bridget Jo­nes – die von Män­nern be­gehrt wird, ob­wohl sie nicht ein vom Mo­de­be­trieb ver­ord­ne­tes Ide­al­maß hat, auf Par­tys noch die be­nutz­ten Glä­ser leert, wenn kein fri­scher Wein ver­füg­bar ist, und ga­ran­tiert je­den Fett­napf fin­det, um sich hin­ein­zu­schmei­ßen wie ein tro­cke­nes Ba­guette.

Ken­nen wir doch al­les schon? Im Prin­zip ja. In Ein­stel­lung eins se­hen wir Jo­nes genau da, wo sie in den Tei­len eins und zwei be­reits her­um­ge­lun­gert hat: Wein­glas in der Hand, Muf­fin im Mund, zer­zaus­tes Haar, al­lein auf ih­rem So­fa. Doch et­was ist an­ders. Re­née Zell­we­ger darf für ih­ren drit­ten Auf­tritt als lie­bens­wer­ter Toll­patsch ih­re Fi­gur be­hal­ten. An­ders als in den ers­ten bei­den Fil­men hat sie sich nicht ein Fett­pols­ter an­ge­fut­tert. Das hat frei­lich ei­nen tie­fe­ren Sinn: Re­gis­seu­rin Sharon Ma­gui­re woll­te nach ei­ge­ner Aus­sa­ge zei­gen, dass Bridget jetzt zwar al­les hat, wo­nach sie sich im­mer ge­sehnt hat – tol­le Fi­gur, tol­ler Job –, sich das da­von er­hoff­te gro­ße Glück aber trotz­dem nicht ein­ge­stellt hat.

Und so darf die fröh­li­che Su­che nach der Ver­voll­komm­nung ih­res Glücks be­gin­nen. Mo­der­nes Mär­chen ab: Kom­met her, all ihr Prin­zen! Ei­ner da­von ist na­tür­lich Mr. Mark Dar­cy (Co­lin Firth). Der darf dies­mal nicht ge­gen Lieb­lings­kon­kur­rent Da­ni­el Clea­ver (zwei­mal herr­lich ge­spielt von Hugh Grant) an­tre­ten, son­dern ge­gen den Mann, der ei­nem un­wei­ger­lich in den Sinn kommt, wenn man an den Traum­prin­zen 2.0 denkt: „Mc Drea­my“Patrick Demp­sey, rea­ler Ken mit Perl­weiß­lä­cheln. Bridget ist schwanger, ei­ner von den bei­den Her­ren kommt als Va­ter in- fra­ge, und schon sind wir wie­der mit­ten drin im Kampf der Schwä­ne um das häss­li­che Ent­lein.

Un­ter­legt ist das wie im­mer mit ei­nem per­fekt pas­sen­den Sound­track, Pop­songs, die von Lie­be er­zäh­len, wie sie in die­ser Romanze Wirk­lich­keit wird. Denn genau das sind ja die Bridget-Jo­nes-Fil­me: köst­li­che Am­men- mär­chen für Er­wach­se­ne, ge­spickt mit zo­ti­gen Sprü­chen und wit­zi­gen An­spie­lun­gen, um­man­telt von wär­men­der Ro­man­tik.

Teil eins und zwei be­han­del­ten ein paar der Pro­ble­me, mit de­nen sich mo­der­ne Frau­en der west­li­chen Welt in ih­ren End­zwan­zi­gern heu­te so her­um­schla­gen. Nun, 15 Jah­re nach Scho­ko­la­de zum Früh­stück, ist Bridget 43 Jah­re alt, im „Herbst mei­nes Le­bens“. Ih­re Freun­din­nen nen­nen’s „Cou­gar“und „Milf“(bit­te nach­schla­gen, wenn un­be­kannt ...).

Tat­sa­che, Re­gis­seu­rin Sharon Ma­gui­re ge­lingt, was ihr An­spruch war: die­se im Ju­gend­wahn oft ver­nach­läs­sig­te Le­bens­pha­se fil­misch zu fei­ern. Mit (der­bem) Witz, lie­bens­wer­ten De­tails, viel, viel, viel Lie­bes­zau­ber und Ein­blen­dun­gen aus den ers­ten bei­den Tei­len. Das Herz mit Nost­al­gie er­füllt, las­sen wir uns auch die­ses fil­mi­sche Scho­kostück auf der Zun­ge zer­ge­hen. Denn sei­en wir ehr­lich: Sü­ßes geht im­mer.

Be­wer­tung:

Fo­tos: Studiocanal

Trotz tol­lem Job und ei­ner Su­per­fi­gur tapst Bridget von ei­nem Fett­näpf­chen ins nächs­te. Zur Schwan­ger­schafts­gym­nas­tik (un­ten) nimmt sie bei­de po­ten­zi­el­len Pa­pis mit – Mark (links) und Jack (Patrick Demp­sey)

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