Lie­ber Brie­fe als Smart­pho­ne

Mo­de­ra­to­rin An­ke En­gel­ke (50) über die Schreib­kul­tur

tz - - MENSCHEN -

An­ke En­gel­ke (50) ist ei­ne über­zeug­te Brief­schrei­be­rin. Sie schreibt mit der Hand und auf ei­ner al­ten Schreib­ma­schi­ne. Als Pa­pier nutzt sie Land­kar­ten und Dreh­bü­cher. Wo­her sie die Zeit nimmt? Sie ver­zich­tet auf ei­ni­ge an­de­re Din­ge, zum Bei­spiel ein Smart­pho­ne. Im tz- In­ter­view er­klärt die Schau­spie­le­rin und Mo­de­ra­to­rin ih­re Lei­den­schaft.

Heu­te gibt es das so nicht mehr, es wer­den kaum noch Brie­fe ge­schrie­ben ...

An­ke En­gel­ke: Ich kau­fe nach wie vor oft Brief­mar­ken in der lus­ti­gen Post­stel­le bei uns im Ort, und wenn da ei­ne Schlan­ge ist, hof­fe ich im­mer, dass nicht nur Pa­ke­te zu­rück­ge­ge­ben wer­den.

Es schrei­ben viel we­ni­ger Men­schen Brie­fe auf Pa­pier als frü­her.

En­gel­ke: Al­so, ich ha­be heu­te schon ei­nen Brief und ei­ne Post­kar­te ge­schrie­ben. Mir kommt das gar nicht un­ge­wöhn­lich vor. Hat es nicht auch et­was da­mit zu tun, wie man sei­nen All­tag ein­rich­tet? Wenn man in sei­nem Sicht­feld im­mer ein Han­dy hat, dann simst oder mailt man eben stän­dig. Mei­nen Lap­top pa­cke ich zu Hau­se erst abends zum Ar­bei­ten aus. Ich ha­be auch kein Smart­pho­ne.

Da ge­hö­ren Sie zu ei­ner ganz klei­nen Min­der­heit.

En­gel­ke: Ja, ich bin da sehr gest­rig. Ich ha­be zu­hau­se ei­ne Rie­sen­box mit Post­kar­ten und lat­sche zwan­zig Mal am Tag dar­an vor­bei, da schreibt man au­to­ma­tisch.

Wo­bei man die E-Mail ja als Nach­fol­ger des Brie­fes be­trach­ten kann. Oder gibt man sich da beim For­mu­lie­ren zu we­nig Mü­he?

En­gel­ke: Man kann auch E-Mails

Mon­ty-Py­thon- Darstel­ler John Clee­se (76) liebt deut­sches Es­sen. „Welt­weit gibt es ei­nen weit ver­brei­te­ten Sno­bis­mus ge­gen­über der deut­schen Kü­che, dass sie so schwer wä­re. Aber sie ist toll, be­son­ders der Spar­gel“, sag­te der Ko­mi­ker. Er lie­be auch Würst­chen und stell­te treff­si­cher fest: „Würst­chen und Spar­gel – sel­be Form, mit Be­dacht und mit Ver­gnü­gen for­mu­lie­ren, ich ma­che das ger­ne. Aber ich se­he den Un­ter­schied. Ich schaf­fe vi­el­leicht 20 EMails an ei­nem Abend oder in ei­ner Nacht – aber Brie­fe?

Gibt es Brie­fe, für die Sie sich be­son­ders viel Zeit neh­men? En­gel­ke: Ja, das sind sol­che, die in mir ar­bei­ten. Ich ha­be ein paar Freun­din­nen und Freun­de, da in­for­mie­ren wir uns al­le paar Mo­na­te über das, was so läuft. Das sind län­ge­re Brie­fe. Wo­her neh­men Sie die Zeit? En­gel­ke: Die neh­me ich mir ein­fach. Da­für ha­be ich kein Face­book, Twit­ter, Ins­ta­gram. Da wür­de ich dann näm­lich den­ken: „Oh nein, wie scha­de um die Zeit!“Schrei­ben Sie per Hand? En­gel­ke: Ja. Frü­her hab ich im­mer mit Tin­te ge­schrie­ben, aber seit ei­ni­gen Jah­ren schrei­be ich mit ei­nem ganz tol­len, dün­nen Stift, der hat ei­ne Ele­ganz, aber auch so ei­ne Graf­fi­tiRot­zig­keit, weil der manch­mal un­ver­hofft kleckst. Manch­mal tip­pe ich die an­de­re Far­be!“Er kön­ne auch ein paar Bro­cken Deutsch spre­chen, zum Bei­spiel: „Ich möch­te jetzt et­was zu es­sen, bit­te.“Wenn er et­was län­ger in Deutsch­land sei, kä­men im­mer mehr Wör­ter zu­rück. Brie­fe aber auch auf ei­ner al­ten Schreib­ma­schi­ne, vor al­lem, wenn es ein biss­chen ko­misch wer­den soll. Ko­misch? En­gel­ke: Ja, die­ses Schrift­bild hat et­was Ko­mi­sches. Zum Bei­spiel, wenn man drei Punk­te hin­ter­ein­an­der macht, im hand­ge­schrie­be­nen Brief wür­de ich das nie tun, aber so ge­tippt ... Oder wenn man et­was kor­ri­giert. Sie kor­ri­gie­ren, Sie fan­gen al­so nicht noch mal neu an?

En­gel­ke: Nein, man soll se­hen, dass ich Graf­fi­ti zu­erst falsch ge­schrie­ben ha­be. Ich bin für Trans­pa­renz.

Wie wich­tig ist das Brief­pa­pier? En­gel­ke: Brief­pa­pier ist ganz, ganz wich­tig. Ich un­ter­stüt­ze seit ei­ni­ger Zeit ein tol­les Un­ter­neh­men, das al­te Land­kar­ten re­cy­celt. Da be­stel­le ich im­mer ei­nen fet­ten Pa­cken, hab’ da­von auch die Um­schlä­ge, und da hat man dann Land­kar­ten auf der Rück­sei­te. Und ich ver­wer­te al­te Dreh­bü­cher, al­te La­dy­kra­cher- Sket­che zum Bei­spiel.

Er­war­ten Sie, dass Ih­re Brie­fe be­ant­wor­tet wer­den?

En­gel­ke: Nein. Das ist ja nur mei­ne Art, und die Men­schen um mich her­um ha­ben eben ih­re Art. Aber na­tür­lich gibt es dar­un­ter wel­che, die mir schrei­ben – auch mehr schrei­ben als ich, viel mehr. Be­wah­ren Sie die Brie­fe auf? En­gel­ke: Ja, ich bin ge­ne­rell ein Auf­be­wah­rer und ha­be ei­ne spe­zi­el­le Brief­sam­mel­wut. He­ben Sie auch Fan­post auf? En­gel­ke: Oh ja, viel so­gar. Da sind wun­der­ba­re Brie­fe da­bei, von de­nen kann ich mich un­mög­lich tren­nen.

F: dpa

Im Sep­tem­ber war John Clee­se in Ber­lin und ge­noss die Kü­che

Fo­to: dpa

Mo­de­ra­to­rin und Schau­spie­le­rin An­ke En­gel­ke

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