Bun­des­ge­richts­hof ent­schei­det zu­guns­ten kla­gen­der Müt­ter Kein Ki­ta-Platz: Die Stadt haf­tet

tz - - GELD+MARKT -

El­tern, die zum Wunsch­ter­min kei­nen Be­treu­ungs­platz für ihr Klein­kind be­kom­men und des­halb erst spä­ter ar­bei­ten ge­hen kön­nen, ha­ben grund­sätz­lich An­spruch auf Scha­den­er­satz. Das hat der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) in Karls­ru­he am Don­ners­tag ent­schie­den. Die ver­ant­wort­li­che Kom­mu­ne muss dem Ur­teil zu­fol­ge aber nur dann zah­len, wenn sie den Man­gel mit­ver­schul­det hat.

Ge­klagt hat­ten drei Frau­en aus Leip­zig. Sie hat­ten je­weils kurz nach der Ge­burt ih­rer Kin­der bei der Stadt Be­darf an ei­nem Ki­ta-Platz nach ei­nem Jahr El­tern­zeit an­ge­mel­det. Trotz­dem gin­gen sie zu­nächst leer aus und konn­ten erst Mo­na­te spä­ter zu­rück in den Job. Ih­rer An- sicht nach muss die Stadt da­für ge­ra­de­ste­hen und ih­nen den ent­gan­ge­nen Ver­dienst aus­glei­chen – knapp 2200, rund 4500 und et­wa 7300 Eu­ro.

Das BGH-Ur­teil ist für die Müt­ter ein wich­ti­ger Etap­pen­sieg. Die Ge­rich­te der Vor­in­stan­zen hat­ten al­ler­dings nicht ge­klärt, ob die Stadt Leip­zig auch schuld an den Ver­zö­ge­run­gen war. Un­ver­schul­det wä­ren der Karls­ru­her Ent­schei­dung zu­fol­ge zum Bei- spiel der Man­gel an qua­li­fi­zier­tem Per­so­nal oder Ver­spä­tun­gen durch die In­sol­venz ei­ner Bau­fir­ma – nicht aber fi­nan­zi­el­le Eng­päs­se. Das Ober­lan­des­ge­richt Dres­den muss die Fäl­le des­halb noch ein­mal ver­han­deln. Erst dann wird es das end­gül­ti­ge Ur­teil ge­ben (Az. III ZR 278/15 u.a.).

Grund­sätz­lich er­öff­net die BGH-Ent­schei­dung aber auch an­de­ren El­tern die Mög­lich­keit ei­ner Scha­den­er­satz-Kla­ge. Denn Ur­tei­le der obers­ten Zi­vil­rich­ter in Karls­ru­he sind für die Recht­spre­chung in ganz Deutsch­land maß­geb­lich.

Seit 1. Au­gust 2013 gibt es für al­le Kin­der ab dem ers­ten Ge­burts­tag ei­nen Rechts­an­spruch auf Be­treu­ung in ei­ner Ki­ta oder bei ei­ner Ta­ges­mut­ter. Aber nicht über­all stan­den aus­rei­chend Plät­ze be­reit.

In­zwi­schen wer­den 32,7 Pro­zent al­ler Kin­der un­ter drei Jah­ren au­ßer Haus be­treut (Stich­tag 1. März). 2008 lag die Quo­te noch bei 17,6 Pro­zent. Im Os­ten Deutsch­lands ist der An­teil deut­lich hö­her als im Wes­ten (51,8 und 28,1 Pro­zent). Ei­nen Be­treu­ungs­platz wün­schen sich laut Fa­mi­li­en­mi­nis­te­ri­um aber 44 Pro­zent der El­tern.

F.: dpa

Clau­dia Men­schel, ei­ne der Klä­ge­rin­nen, mit Mann Sven und Söh­nen To­bi­as (3) und Ben­ja­min (1)

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.