Die 10 gol­de­nen Re­geln!

-Ex­per­te St­ei­ner hilft beim Re­geln der letz­ten Din­ge

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Wäh­rend der Dis­kus­si­on über die Re­form der Erb­schafts­steu­er, die für Fir­men­ei­gen­tü­mer und ih­re Nach­kom­men in­ter­es­sant ist, ha­ben sich si­cher auch vie­le Le­ser ge­fragt: Wä­re es nicht an der Zeit, end­lich den ei­ge­nen Nach­lass zu re­geln? An­ton St­ei­ner, Fach­an­walt für Er­brecht, sagt da­zu un­miss­ver­ständ­lich: Ja! Tipps zur Tes­ta­ments­ge­stal­tung gibt St­ei­ner, Prä­si­dent des Deut­schen Fo­rums bei den ak­tu­ell lau­fen­den 17. Münch­ner Er­brechts­ta­gen, am 27. Ok­to­ber ab 18 Uhr im Künst­ler­haus am Len­bach­platz – und schon heu­te hier in der tz.

1. Ma­chen Sie ein Tes­ta­ment! Oh­ne Tes­ta­ment kommt es zur ge­setz­li­chen Erb­fol­ge. Das be­deu­tet: Die nächs­ten Ver­wand­ten er­ben ge­mein­sam – es ent­steht ei­ne Er­ben­ge­mein­schaft. Meist ent­spricht dies nicht dem Ge­woll­ten. Hin­ter­lässt der Ver­stor­be­ne zum Bei­spiel sei­nen Ehe­gat­ten und Kin­der, er­ben die­se ge­mein­sam und nicht der Ehe­gat­te al­lein, wie das im Nor­mal­fall ge­wünscht wird. Auch kin­der­lo­se Ehe­part­ner be­er­ben sich nicht ge­gen­sei­tig al­lein, son­dern der Über­le­ben­de erbt in al­ler Re­gel zu­sam­men mit an­de­ren Ver­wand­ten, bei­spiels­wei­se ei­nem Sch­wa­ger.

2. War­ten Sie nicht!

Den­ken Sie dar­an, dass Ge­vat­ter Tod je­der­zeit zu­schla­gen kann – eben­so ein Er­eig­nis, das zu Tes­tier­un­fä­hig­keit führt. So kön­nen die Fol­gen ei­nes Un­falls oder ei­nes Schlag­an­falls al­le Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten zu­nich­te ma­chen. Gr­ü­beln Sie al­so nicht zu lan­ge, um am En­de ei­ne ver­meint­lich per­fek­te Lö­sung zu ha­ben! Schrei­ben Sie zu­min­dest ein pro­vi­so­ri­sches Tes­ta­ment, än­dern kön­nen Sie es je­der­zeit. Mer­ke: Auch das pro­vi­so­ri­sche Tes­ta­ment muss aber von A bis Z von Ih­nen selbst hand­schrift­lich ge­schrie­ben und un­ter­schrie­ben wer­den. Sie soll­ten auch das Da­tum an­ge­ben.

3. Be­wah­ren Sie sich Ih­re Frei­heit!

Ein Tes­ta­ment, egal ob pri­vat­schrift­lich oder no­ta­ri­ell er­rich­tet, kön­nen Sie je­der­zeit än­dern. Beim Erb­ver­trag hin­ge­gen sind Sie ge­bun­den. Ein Erb­ver­trag soll­te da­her nur in Aus­nah­me­fäl­len ab­ge­schlos­sen wer­den, bei­spiels­wei­se wenn ein Tes­ta­ment nicht mög­lich ist. Wol­len Sie et­wa mit Ih­rem nicht­ehe­li­chen Part­ner ei­ne für bei­de bin­den­de letzt­wil­li­ge Ver­fü­gung er­rich­ten, ist an­ders als bei Ehe­gat­ten ein Erb­ver­trag nö­tig. Las­sen Sie sich da­zu gut be­ra­ten und bau­en Sie ei­ne Aus­stiegs­klau­sel ein, et­wa für den Fall, dass die Part­ner­schaft aus­ein­an­der­geht.

4. Den­ken Sie an den Pflicht­teil!

Der Pflicht­teil ist ein Geld­an­spruch, der den Er­ben in größ­te Li­qui­di­täts­nö­te stür­zen kann, wenn der Nach­lass zum Bei­spiel im We­sent­li­chen aus ei­ner wert­vol­len Im­mo­bi­lie be­steht. Oft kann durch ei­nen Pflicht­teils­ver­zicht Ab­hil­fe ge­schaf­fen wer­den. Da­bei ver­zich­tet der Pflicht­teils­be­rech­tig­te (nur Kin­der oder bei de­ren Vor­ver­ster­ben de­ren Kin­der, Ehe­gat­ten und ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner so­wie El­tern, so­fern der Erb­las­ser kei­ne Ab­kömm­lin­ge hin­ter­lässt, sind pflicht­teils­be­rech­tigt) in ei­nem no­ta­ri­el­len Ver­trag mit dem spä­te­ren Erb­las­ser auf sei­ne Pflicht­teils­an­sprü­che. Will der Pflicht­teils­be­rech­tig­te nicht ver­zich­ten, kön­nen Pflicht­teils­straf­klau­seln hel­fen. Mit die­sen le­gen El­tern im Tes­ta­ment bei­spiels­wei­se fest, dass ein Kind, das beim Ab­le­ben des ers­ten El­tern­teils sei­nen Pflicht­teils­an­spruch gel­tend macht, auch beim Ab­le­ben des zwei­ten El­tern­teils nur den Pflicht­teil er­hält.

5. Vor­sicht bei Ber­li­ner Tes­ta­ment Vie­le Ehe­gat­ten set­zen sich in ei­nem „Ber­li­ner Tes­ta­ment“ge­gen­sei­tig zu Al­lein­er­ben ein und die Kin­der (oder an­de­re Ver­wand­te) zu Schlus­s­er­ben beim Tod des Zwei­ten. Ein wich­ti­ger Punkt wird da­bei oft nicht ge­re­gelt: Soll der Über­le­ben­de die­se Schlus­s­er­ben­re­ge­lung, al­so die Ver­fü­gun­gen für sei­nen ei­ge­nen Tod, wie­der än­dern kön­nen oder nicht? Dies muss un­be­dingt in der ei­nen oder an­de­ren Rich­tung klar­ge­stellt wer­den.

6. Ei­nen Ehe­ver­trag an­pas­sen!

Ehe­ver­trä­ge ha­ben in der Re­gel auch Ein­fluss auf das Er­brecht, z. B. auf die ge­setz­li­che Erb­quo­te des Ehe­gat­ten. So be­trägt die Erb­quo­te des Ehe­gat­ten, wenn der Erb­las­ser zwei Kin­der hat­te, bei der Zu­ge­winn­ge­mein­schaft die Hälf­te, bei Gü­ter­tren­nung nur ein Drit­tel. Zu­dem ha­ben Ehe­ver­trä­ge oft er­heb­li­che erb­schafts­steu­er­li­che Aus­wir­kun­gen, so ist die Zu­ge­winn­ge­mein­schaft in der Re­gel güns­ti­ger als die Gü­ter­tren­nung. Ein be­ste­hen­der Ehe­ver­trag soll­te da­her an das Tes­ta­ment an­ge­passt wer­den.

7. Den­ken Sie an Son­der­fäl­le! Sie ha­ben Ih­ren Sohn zum Er­ben ein­ge­setzt. Was aber ist, wenn er zu­sam­men mit Ih­nen bei ei­nem Au­to­un­fall ver­stirbt? Für sol­che Fäl­le soll­ten Sie stets auch ei­nen Er­sat­z­er­ben ein­set­zen.

8. Las­sen Sie die Steu­er­fol­gen Ih­res Tes­ta­ments über­prü­fen!

Vie­le Tes­ta­men­te klin­gen ver- nünf­tig, stel­len sich steu­er­lich aber als ka­ta­stro­phal her­aus. Das „Ber­li­ner Tes­ta­ment“führt et­wa da­zu, dass die Frei­be­trä­ge der Kin­der nach­dem erstv erster­ben­den El­tern­teil ver­lo­ren ge­hen. Beim Ab­le­ben­des län­ger le­ben­den Ehe­gat­ten kön­nen da­durch für die Kin­der er­heb­li­che Steu­er be­las­tun­gen ent­ste­hen. Die­se kön­nen in vie­len Fäl­len leicht ver­mie­den wer­den, et­wa durch Ver­mächt­nis an­ord­nun­gen für den ers­ten Erb­fall. Nicht nur die Erb­schafts­steu­er ist zu be­rück­sich­ti­gen, son­dern auch die Ein­kom­men­steu­er, vor al­lem, wenn Be­triebs­ver­mö­gen be­trof­fen ist.

9. Tes­ta­ment nicht ver­ste­cken!

Das bes­te Tes­ta­ment nutzt nichts, wenn es im Erb­fall nicht ge­fun­den wird. Auch weiß nie­mand, wie vie­le Tes­ta­men­te jähr­lich ver­schwin­den, weil ihr In­halt dem Fin­der nicht ge­fällt. Am bes­ten ge­ben Sie das Tes­ta­ment in die amt­li­che Ver­wah­rung des Nach­lass­ge­richts, dies kos­tet nur ein­ma­lig 90 Eu­ro.

10. Las­sen Sie sich be­ra­ten!

Ein Tes­ta­ment zu schrei­ben, das scheint ganz ein­fach zu sein. Oft trügt aber der Schein: Das Er­brecht und das Erb­schafts­steu­er recht sind voll von Fall­stri­cken. Auch kann der Laie das um­fang­rei­che In­stru­men­ta­ri­um zur Ver­wirk­li­chung sei­nes Wil­lens gar nicht ken­nen. Sie soll­ten sich da­her von ei­nem Fach­an­walt für Er­brecht be­ra­ten las­sen. In­fo: www.erbrechts­fo­rum.de.

Ein Tes­ta­ment (oh­ne No­tar) muss hand­schrift­lich nie­der­ge­legt sein

Fach­an­walt Dr. An­ton St­ei­ner

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