Karls­platz/St­a­chus

Feh­ler­teu­fel am Werk

tz - - POLITIK - MAR­TI­NA WIL­LI­AMS

Ins­ge­samt hat­te die Bahn 24 Mil­lio­nen Eu­ro für die Sa­nie­rung aus­ge­ge­ben – für neue Brüs­tun­gen, Glasele­men­te, Tech­nik und eben den Bo­den. Hier han­delt es sich nicht um Mar­mor oder Gra­nit, son­dern um Be­ton­werk­stein. Gleich nach der Fer­tig­stel­lung ent­deck­te die Bahn die Haar­ris­se, in die Dreck und Feuch­tig­keit drin­gen kön­nen.

Zu sol­chen Ris­sen kann es laut Ex­per­ten kom­men, wenn am Be­ton­werk­stein Zug ent­steht. Be­wegt sich der Un­ter­grund, auf dem der Be­ton­werk­stein liegt, et­wa weil er ab­kühlt, zieht sich das Bau­teil zu­sam­men. Hal­ten Wän­de links und rechts das Gan­ze fest, ent­steht ein Zug – und da­mit die Ris­se.

„Die zu­stän­di­ge Bau­fir­ma hat uns zwar er­klärt, sol­che Ris­se kön­nen lei­der pas­sie­ren“, sagt ein Bahn­spre­cher. „Die Bahn will den Bo­den samt der Ris­se aber so nicht ak­zep­tie­ren. Wir ha­ben dar­auf­hin ei­ne Män­gel­be­sei­ti­gung ge­for­dert.“

Üb­ri­gens: Auch am neu sa­nier­ten St­a­chus-Zwi­schen­ge­schoss wa­ren im Jahr 2012 Ris­se auf­ge­tre­ten – im beige­far­be­nen Ter­raz­zo, ei­nem Kunst­stein, der of­fen­bar zu schnell ge­trock­net ist. Stück für Stück wur­de da­ort ei­ne neue Ter­raz­zo-Schicht auf­ge­tra­gen.

Im Fall des Haupt­bahn­hofs hat die Bau­fir­ma eben­falls die schwar­zen Krat­zer an ei­ner Pro­be­flä­che neu ver­füllt. Lang ge­hal­ten hat’s nicht, bald wa­ren die Ris­se wie­der sicht­bar. Die Bahn hat mitt­ler­wei­le sämt­li­che Män­gel do­ku­men­tiert, ein Gut­ach­ter ist ein­ge­schal­tet. „Jetzt war­ten wir auf Vor­schlä­ge der Bau­fir­ma, wie nach­ge­bes­sert wird“, so ein Spre­cher. Da­mit die 160 000 Men­schen, die täg­lich im Zwi­schen­ge­schoss un­ter­wegs sind, auch wirk­lich ein­wand­frei­en Bo­den un­ter den Fü­ßen ha­ben … Nein, man kann nicht nur mit dem Bo­den Pro­ble­me ha­ben, son­dern auch mit den Wän­den … Schau­en Sie mal, was da bei den neu­en Weg­wei­sern im St­a­chus-Un­ter­ge­schoss pas­siert ist. Da geht’s auf ein­mal zur „Bay­ern­stra­ße“– rich­tig wä­re Bay­er­stra­ße oh­ne „n“. Frü­her war al­les kor­rekt, aber in die­sem Som­mer wur­den die Wand-Ele­men­te aus­ge­tauscht, par­al­lel zu den Tram-Bau­ar­bei­ten an der Ober­flä­che. Und da­bei muss das „n“rein­ge­rutscht sein. Pro­blem: So ein­fach aus­bes­sern lässt sich das nicht, denn die Wän­de be­ste­hen aus be­son­de­ren Glas­plat­ten mit Sieb­druckOber­flä­che. In­ge Vogt, Cen­ter-Ma­na­ge­rin der St­a­chus-Pas­sa­gen, sagt: „Es gibt nur ei­ne Fir­ma, die sol­che Plat­ten her­stellt – das wird jetzt min­des­tens acht Wo­chen dau­ern, bis die kor­rek­te Ver­si­on hier ist.“Wer schuld am Feh­ler ist, dar­auf woll­te sie sich nicht fest­le­gen. Nur: „Sie­ben Leu­te ha­ben drü­ber­ge­schaut, kei­ner hat’s ge­se­hen …“

Fo­tos: Phil­ipp Gül­land, Rein­hard Kur­zen­dör­fer, Uli Hei­che­le

Deut­lich sicht­bar: die Ris­se im Bahn­hofs-Bo­den

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