„Der Schmerz lässt nie nach“

tz - - MENSCHEN - MA­RIA ZSOLNAY

Er ist sei­nem Pa­pa wie aus dem Ge­sicht ge­schnit­ten: Ju­li­en Fuchs­ber­ger, der 28-jäh­ri­ge Sohn von Tho­mas Fuchs­ber­ger, der vor sechs Jah­ren tra­gisch ums Le­ben kam: weil er in Un­ter­zu­cker ge­riet, er­trank der da­mals 53-Jäh­ri­ge in ei­nem Bach. Er war Dia­be­ti­ker – und sprach of­fen dar­über. Dass die tü­cki­sche Krank­heit in Zu­kunft bes­ser be­han­delt wer­den kann, da­für wird seit sei­nem Tod der Tho­mas-Fuchs­ber­ger-Preis ver­lie­hen – aus den Hän­den der Kin­der Jen­ni­fer (30) und Ju­li­en. Am Don­ners­tag­abend ging der Preis an den re­nom­mier­ten Münch­ner For­scher Pro­fes­sor Dr. Rü­di­ger Land­graf. Nur ei­ne fehl­te bei der Ver­lei­hung der Dia­be­tes-Cha­ri­ty-Ga­la: Gun­del Fuchs­ber­ger (86), Tom­mys Ma­ma und Wit­we von TV-Ur­ge­stein Joa­chim „ Bla­cky“Fuchs­ber­ger. Die tz er­reich­te sie am Tag nach der Ber­li­ner Ga­la in ih­rem Haus in Grün­wald. „Mir ist es zu an­stren­gend nach Ber­lin zu flie­gen“, ge­steht sie. „Aber vor al­lem ma­chen es mei­ne bei­den En­kel al­lei­ne ganz her­vor­ra­gend. Sie brau­chen die Oma nicht mehr, die ih­nen das Händ­chen hält.“Die bei­den, Jen­ni­fer und Ju­li­en, ge­hö­ren eben jetzt auf die Büh­ne. „Wir sind sehr eng mit­ein­an­der ver­bun­den“, so Gun­del. Bei­de En­kel le­ben auch in Mün­chen, so­dass man viel Zeit mit­ein­an­der ver­brin­gen kön­ne. Denn nur das len­ke sie ab – vom Gr­ü­beln, vom Schmerz über den dop­pel­ten Ver­lust von Tom­my und Bla­cky. „Der Spruch, die Zeit heilt al­le Wun­den, ist ein Quatsch. Ich fin­de, der Schmerz lässt nie nach. Ganz im Ge­gen­teil, er wird im­mer schlim­mer.“

Doch ei­nes will sie auf kei­nen Fall: „Jam­mern und kla­gen.“Denn das ma­che kei­nen ih­rer Liebs­ten wie­der le­ben­dig. Sie küm­me­re sich in­ten­siv um ih­re Fa­mi­lie, ums Haus und den Gar­ten („das soll schließ­lich nicht run­ter­kom­men“) und um ih­re Freun­de. „Ich ha­be noch vie­le Kon­tak­te. Die nüt­ze ich und ver­net­ze die Leu­te. Ich bin ei­ne ech­te Ver­mitt­le­rin“, sagt sie und lacht.

Gun­del Fuchs­ber­ger hat auch ein Re­zept ge­gen die Ein­sam­keit ge­fun­den: „Ich woh­ne nicht al­lei­ne, son­dern ei­ne Freun­din wohnt bei mir im Haus.“Falls was ist, ist Hil­fe na­he. Im Prin­zip ge­he

es ihr ganz gut. Klar, das ein oder an­de­re Zip­per­lein ha­be sie schon. Wei­te Stre­cken kön­ne sie nicht mehr ge­hen. „Mein Sch­wa­ger holt mich dann ab und fährt mich zum Fried­hof“, so die 86-Jäh­ri­ge. Zu Tom­my und Bla­cky.

Ei­nen gro­ßen Wunsch hat sie al­ler­dings noch: Ei­ne Rei­se in das von ihr und Bla­cky so ge­lieb­te Aus­tra­li­en. „Die Freun­de dort se­hen.“De­nen ha­be sie einst al­le Mö­bel und Sa­chen ge­schenkt, als sie ih­re Woh­nung in Syd­ney auf­lös­ten. „Ich flie­ge noch ein­mal hin, das ist si­cher.“

Fo­tos: Gno­ni, Get­ty Images, T+T

Gun­del Fuchs­ber­ger ver­misst ih­ren Sohn Tom­my (†53) je­den Tag. Er starb am 14. Ok­to­ber 2010, weil er in Un­ter­zu­cker ge­riet

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