Ro­cker im ed­len Zwirn

tz - - KULTUR + TV - Gün­ter Klein

Zum Un­ter­schrei­ben be­kommt er jetzt Bü­cher, kei­ne CDs. „So ein Buch“, sagt Bru­ce Springs­teen, „ist schon et­was Sub­stan­zi­el­le­res“. Spe­zi­ell die­ses: über 670 Sei­ten dick und mehr als ein Ki­lo schwer.

Die Rock­le­gen­de ist ein Num­mer-eins-Schrift­stel­ler, Springs­teens Au­to­bio­gra­fie

ist das meist­ver­kauf­te Buch nicht nur in Deutsch­land. Sei­ne An­we­sen­heit auf der Frank­fur­ter Buch­mes­se ist er­for­der­lich als hei­ße Num­mer des Buch­herbsts. Und er kommt nicht im Büh­nen­out­fit (Je­ans, Shirt, Le­der­wes­te), son­dern im Au­to­ren-Look. Hemd, Sak­ko, dunk­le Far­ben. Wenn er ei­ne Stel­le aus vor­liest, muss er ei­ne Bril­le auf­set­zen. „Frü­her zum Wind­sur­fen“, er­in­nert er sich la­chend, „brauch­te ich die nicht.“

Über sei­ne Stim­me schreibt er nichts Net­tes. Sie hö­re sich an wie ei­ne Kat­ze, der man Feu­er un­ter den Schwanz hält. Aber: „Wenn der Song aus tiefs­tem Her­zen kommt, ist die Ge­s­angs­tech­nik zweit­ran­gig.“Springs­teens Image war stets der gu­te Ame­ri­ka­ner, pa­trio­tisch und links. Doch die Buch­ver­öf­fent­li­chung macht ei­ne an­de­re Fa­cet­te be­kannt: Bru­ce Springs­teen lei­det un­ter De­pres­sio­nen. „Das kommt von der iri­schen Li­nie mei­ner Fa­mi­lie.“Seit 15 Jah­ren nimmt er An­ti­de­pres­si­va. Das liest sich so: „Tod und Ver­der­ben wa­ren al­les, was mich zu er­war­ten schien … Ich ti­ger­te durchs Zim­mer, such­te nach dem ei­nen Qua­drat­me­ter Tep­pich, auf dem ich mich bes­ser füh­len wür­de …“

War­um Springs­teen das öf­fent­lich macht? Aus der Ehr­lich­keit, die er auch als Mu­si­ker ge­lebt hat. „Auch als Autor schließt man ei­nen Ver­trag mit dem Le­ser“: die Wahr­heit er­zäh­len.

ist aber nicht nur die Ge- schich­te ei­ner nicht im­mer un­ge­trüb­ten Va­ter-Sohn-Be­zie­hung oder der De­pres­si­on. In ers­ter Li­nie hat Springs­teen sei­ne Kar­rie­re auf­ge­zeich­net, die sto­ckend be­gann. Mit 22 – das war 1972 – mach­te er die Mu­sik­in­dus­trie auf sich auf­merk­sam, war aber ab­ge­brannt. Um die Mie­te be­zah­len zu kön­nen, muss­te er sich beim Boss der Plat­ten­fir­ma 35 Dol­lar Vor­schuss ab­ho­len.

In­zwi­schen ist er Mil­lio­när. Und jetzt auch noch Schrift­stel­ler – sei­ne Mut­ter woll­te ihn im­mer in die­ser Rol­le se­hen. Sie lebt noch, kann es aber nicht ge­nie­ßen. „Sie hat ernst­haft Alz­hei­mer“, sagt Bru­ce. Der Rock­star, der die Li­te­ra­tur be­rei­chert … Die Welt re­det aber noch mehr über Bob Dy­lan, der den Li­te­ra­tur­no­bel­preis zu­ge­spro­chen be­kom­men hat, den die Aka­de­mie aber nicht ans Te­le­fon be­kommt. Springs­teen kennt Dy­lan seit über vier­zig Jah­ren. Weiß er was?

„Ich bin si­cher, er ist glück­lich.“Und dass ein Sän­ger ei­nen Li­te­ra­tur­preis be­kommt, fin­det er „groß­ar­tig“. Er fühlt sich ei­ner sol­chen Ge­schich­te nun sehr na­he.

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