Roya­ler Zau­ber, der nicht nur bei Kö­nig-Lud­wig-Fans wirkt

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Wenn Hel­mut Fried­mann

sich wie ein Kö­nig füh­len woll­te, hat­te er es jah­re­lang fucht­bar ein­fach. Das ver­dankt er ei­ner Fra­ge, die er ein­mal genau im rich­ti­gen Mo­ment ge­stellt hat: „Darf ich ein­mal pro­be­sit­zen?“Ge­stellt hat­te er die­se Fra­ge vor vie­len Jah­ren ei­nem Freund in Mün­chen, der sich per Fo­to Mö­bel aus Kö­nig Lud­wigs Mär­chen­schloss nach­bau­en ge­las­sen hat­te. Und be­sag­ter Freund hat­te die Pro­be­sit­zen-Fra­ge zu oft ge­hört. So oft, dass er es an die­sem Tag schaff­te, Hel­mut Fried­mann da­von zu über­zeu­gen, ihm das Kö­ni­gLud­wig-Zim­mer ab­zu­kau­fen. 10 000 Mark hat der Ge­rets­rie­der da­mals aus­ge­ge­ben, um sich das roya­le Am­bi­en­te auf sei­nen Guts­hof zu ho­len. Dann hat­te er das Kö­nig-Lud­wig-Zim­mer – und die pro­be­sit­zen­den Gäs­te.

Wer ein Ba­rock­zim­mer be­sitzt, der er­lebt so ei­ni- ges im Lau­fe der Jah­re. Hel­mut Fried­mann könn­te vie­le Ge­schich­ten vom Kö­nig-Lud­wig-Zau­ber er­zäh­len. Zum Bei­spiel von Be­su­chern, die mit selbst­ge­bas­tel­ten Kro­nen oder so­gar ei­nem Zep­ter bei ihm vor der Tür stan­den. Sie woll­ten – na­tür­lich: pro­be­sit­zen. Und ein Fo­to. Fried­mann hat vie­le Möch­te-gern-Kö­ni­ge ge­knipst.

Doch dann, vor zehn Jah­ren, war es mit dem roya­len Zau­ber ge­zwun­ge­ner­ma­ßen vor­bei. Der Ge­rets­rie­der muss­te in ei­ne Woh­nung um­zie­hen. Für Neu­schwan­stein-Mö­bel war da­rin kein Platz mehr. Al­so hat er sie schwe­ren Her­zens ein­ge­la­gert. Und im­mer mal wie­der ei­nen Ver­such un­ter­nom­men, ei­nen Käu­fer zu fin­den. Ver­geb­lich.

Nun will es Hel­mut Fried­mann noch ein­mal ver­su­chen – mit ei­ner Klein­an­zei­ge. Es lässt ihm ein­fach kei­ne Ru­he, dass sei­ne kö­nig­li­chen Mö­bel so von der Bild­flä­che ver­schwin­den muss­ten. Er ist op­ti­mis­tisch, ei­nen Käu­fer zu fin­den. Weil er weiß, wie gut es sich in ei­nem Ba­rock­zim­mer von ver­gan­ge­nen Zei­ten träu­men lässt. Und aus jah­re­lan­ger Be­su­cher-Er­fah­rung weiß er: Ge­gen die­sen roya­len Zau­ber ist kei­ner ge­wapp­net.

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