Der mie­se Ren­ten­po­ker

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An­ge­la Mer­kel will ei­nen Ren­tenWahl­kampf ver­hin­dern – und des­halb schon vor der Bun­des­tags­wahl die Ge­ne­ra­ti­on 60 plus mit teu­ren Ge­schen­ken auf ih­re Sei­te brin­gen. Nächs­ten Frei­tag trifft sie sich laut Spie­gel mit CSU- Chef Horst See­ho­fer, Uni­ons-Frak­ti­ons­chef Vol­ker Kau­der und Fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le, um ein Uni­ons- kon­zept zu er­stel­len. Und ei­ne Wo­che spä­ter sucht die Uni­on dann nach ei­ner ge­mein­sa­men Lö­sung mit SPD- Chef Sig­mar Ga­b­ri­el und So­zi­al­mi­nis­te­rin Andrea Nah­les. Das Pro­blem: Al­le drei Par­tei­en – CDU, CSU und SPD – wol­len ein Ren­ten­ge­schenk für ih­re Kli­en­tel durch­set­zen. Und das wird teu­er für die Ar­beit­neh­mer … Die er­klärt den Ren­ten­po­ker.

Das Wahl­kampf­ge- chenk Mer­kels und Ga­b­ri­els für den Os­ten: Nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung wur­de ein Ab­schlag auf den Ren­ten­wert (aus dem sich die spä­te­re Ren­ten­hö­he er­rech­net) in den neu­en Län­dern be­schlos­sen. Da die Er­werbs­bio­gra­fi­en in der DDR ohne Brü­che wie Zei­ten der Ar­beits­lo­sig­keit wa­ren und zu­dem die Er­werbs­tä­tig­keit der Frau­en viel hö­her als im Wes­ten, wä­re sonst die durch­schnitt­li­che Ren­ten­hö­he in den neu­en Län­dern deut­lich über der im Wes­ten ge­le­gen. In zwei Stu­fen soll nun der Ren­ten­wert Ost (der­zeit 28,66 Eu­ro pro Ent­gelt­punkt in der Ren­ten­for­mel) auf das West-Ni­veau (30,45 Eu­ro) an­ge­ho­ben wer­den – was ei­nem ost­deut­schen Rent­ner ein mo­nat­li­ches Ren­ten-Plus von fast 100 Eu­ro be­sche- ren wür­de. ■ Bay­erns Ar­beit­ge­ber s lau­fen Sturm ge­gen ■ das rund 4 Mil­li­ar­den Eu­ro jähr­lich teu­re Wahl­kampf­ge­schenk für den Os­ten, das aus der Ren­ten­kas­se be­zahlt wer­den soll: „Da die durch­schnitt­li­che Ren­te in Ost­deutsch­land oh­ne­hin über der in West­deutsch­land liegt, be­steht kei­ne Not­wen­dig­keit für ei­ne An­glei­chung“, so der Prä­si­dent der Ver­ei­ni­gung der baye­ri­schen Wirt­schaft, Al­f­red Gaf­fal. Blu­ten müss­te für die Ren­ten­an­he­bung Ost die jün­ge­re Ge­ne­ra­ti­on, im Os­ten gleich dop­pelt: Denn we­gen der im Schnitt nied­ri­ge­ren Löh­ne in den neu­en Län­dern gilt dort bis­lang ein „Hoch­wer­tungs­fak­tor“in der Ren­ten­for­mel, der nun ab­ge­schafft wer­den soll. Ein heu­te 30-jäh­ri­ger Be­schäf­tig­ter im Os- ten müss­te dann da­mit rech­nen, im Al­ter ei­ne um bis zu 50 Eu­ro nied­ri­ge­re Mo­nats­ren­te zu be­zie­hen. „Un­ter dem An­spruch, mehr Ge­rech­tig­keit zwi­schen Ost und West zu schaf­fen, wür­de der Plan neue Un­ge­rech­tig­kei­ten pro­du­zie­ren: zwi­schen Alt und Jung“, ur­teilt der Spie­gel. ■ Das Wahl­kampf­ge­schenk See­ho­fers für die Müt­ter: Bay­erns Mi­nis­ter­prä­si­dent will Mer­kels Mil­li­ar­den-Ge­schenk für die Wäh­ler im Os­ten nur mit­tra­gen, wenn die CSU et­was für die Se­nio­rin­nen im Wes­ten her­aus­ho­len kann – ei­ne wei­te­re Auf­wer­tung der Müt­ter­ren­te. Seit 1989 er­hal­ten Müt­ter für je­des Kind drei Bei­trags­jah­re gut­ge­schrie­ben. We­gen der ho­hen Kos­ten be­schränk­te die Re­gie­rung das da­mals aber auf nach 1992 ge­bo­re­ne Kin­der. Die CSU setz­te 2013 durch, dass auch Frau­en, die vor 1992 ein Kind zur Welt brach­ten, zu­min­dest zwei Bei­trags­jah­re an­er­kannt be­kom­men. Jetzt will See­ho­fer durch­set­zen: Auch die­se Müt­ter sol­len künf­tig drei Bei­trags­jah­re gut­ge­schrie­ben be­kom­men. Ei­ne West-Rent­ne­rin be­kä­me dann 30,45 Eu­ro im Mo­nat mehr (Ost-Rent­ne­rin: 28,66 Eu­ro) für je­des vor 1992 ge­bo­re­ne Kind. Die Mehr­kos­ten für die Ren­ten­kas­se: rund 6,7 Mil­li­ar­den Eu­ro im Jahr – we­gen der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze, ab der der Ren­ten­bei­trag nicht mehr steigt, wür­den da­für Ge­ring- und Durch- schnitts­ver­die­ner be­son­ders stark blu­ten.

Das Wahl­kampf­ge­schenk Ga­b­ri­els und See­ho­fers für al­le Rent­ner: Wäh­rend sich SPD-Chef Sig­mar Ga­b­ri­el bei der Ost-Ren­te mit Kanz­le­rin Mer­kel ei­nig ist, zie­hen bei die­sem Mil­li­ar­den-Ge­schenk Ga­b­ri­el und See­ho­fer an ei­nem Strang: Sie wol­len bei­de ein wei­te­res Ab­sin­ken des Ren­ten­ni­veaus von der­zeit 48 Pro­zent des Durch­schnitt­lohns ver­hin­dern. So­zi­al­mi­nis­te­rin Andrea Nah­les hat aus­rech­nen las­sen, dass der Bei­trags­satz dann ab 2028 auf über 22 und ab 2045 auf 26,4 Pro­zent stei­gen wür­de. Laut dem ar­beit­ge­ber­na­hen Wirt­schafts­for­schungs­in­sti­tut IW Köln wür­de sich das Net­to­ein­kom­men dann um 138 Eu­ro, das ei­ner vier­köp­fi­gen Fa­mi­lie um 280 Eu­ro pro Jahr ver­rin­gern.

Foto: al­le­sall­tag

Ost-Rent­ner dür­fen sich bei ei­ner An­he­bung des Ren­ten­werts auf 100 Eu­ro mehr im Mo­nat freu­en

F.: va­rio

Frau­en im Wes­ten ha­ben schon heu­te im Schnitt nied­ri­ge­re Ren­ten als im Os­ten

Fotos (2): dpa

Sig­mar Ga­b­ri­el

Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel

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