Die Ba­lan­ce wah­ren

tz - - POLITIK -

17 Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land sind äl­ter als 65 – an den Rent­nern vor­bei kann in Deutsch­land kein Wahl­kampf mehr ge­führt wer­den. Doch „den“Rent­ner gibt es ge­nau­so we­nig wie „den“Ju­gend­li­chen oder „den“Ar­beit­neh­mer. Des­halb sind mit der Gieß­kan­ne über den Se­nio­ren aus­ge­schüt­te­te Wohl­ta­ten mit Vor­sicht zu ge­nie­ßen. Wenn CDU, CSU und SPD aus Angst vor der AfD und ge­hetzt von der Ren­ten­kam­pa­gne des DGB in ei­nen Wett­lauf teu­rer Mil­li­ar­den­ge­schen­ke tre­ten, könn­ten am En­de al­le drauf­zah­len. Die Ba­lan­ce zwi­schen Alt und Jung, zwi­schen de­nen, die in die Ren­ten­kas­se ein­zah­len, und de­nen, die Ren­te be­zie­hen, darf nicht völ­lig aus dem Gleich­ge­wicht ge­ra­ten. Des­halb muss schon ge­fragt wer­den, ob die An­glei­chung des Ren­ten­werts im Os­ten an den im Wes­ten wirk­lich nö­tig ist, so­lan­ge die Durch­schnitts­ren­te in den neu­en Län­dern we­gen der DDREr­werbs­bio­gra­fi­en (kei­ne Ar­beits­lo­sig­keit, viel mehr be­rufs­tä­ti­ge Frau­en) oh­ne­hin hö­her ist. Und so wün­schens­wert die wei­ter ver­bes­ser­te An­er­ken­nung der Er­zie­hungs­zei­ten in der Ren­te ist – so­zi­al ist die Müt­ter­ren­te nicht un­be­dingt. Denn die Zahn­arzt-Gat­tin pro­fi­tiert voll von die­ser See­ho­fer-Wohl­tat, bei ei­ner Rent­ne­rin aus dem Nied­rig­lohn-Sek­tor wird das Plus auf die Grund­si­che­rung an­ge­rech­net – ge­ra­de die, de­nen die ge­plan­ten 30,45 Eu­ro pro Kind und Mo­nat wirk­lich gut tun wür­den, ge­hen leer aus. Das Bei­spiel zeigt: Ren­ten­po­li­tik ist oft zu kom­plex für schi­cke Wahl­kampf­pla­ka­te, mit de­nen Mer­kel, See­ho­fer und Ga­b­ri­el punk­ten wol­len.

Klaus Rim­pel

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