Wenn das Zu­hö­ren Kopf­schmer­zen be­rei­tet

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eburts­tag, Re­stau­rant­be­su­che, Weih­nachts­fei­er – im­mer mehr Men­schen tun sich schwer mit dem Ver­ste­hen in Ge­sell­schaft. Ein Un­ter­neh­men aus Dä­ne­mark hat nun ein Hör­sys­tem ent­wi­ckelt, mit dem sich die Be­trof­fe­nen wie­der ent­spannt in Ge­sell­schaft un­ter­hal­ten kön­nen.

Herr Zel­ler trägt ei­nen dunk­len An­zug mit Ein­steck­tuch. So wie frü­her. Als er noch Ober­stu­di­en­rat für Ma­the­ma­tik und Phy­sik war. Sei­ne Ex-Kol­le­gen ha­ben ihn in den Al­ten Wein­kel­ler ein­ge­la­den. Frü­her war er ger­ne dort. Er liebt das Ge­wöl­be, die uri­ge At­mo­sphä­re. Er ist ein ge­sel­li­ger Mensch. Doch heu­te ist er schon nach ei­ner St­un­de er­schöpft. Das Zu­hö­ren kos­tet ihn enor­me Kraft.

So wie Herrn Zel­ler geht es vie­len in Deutsch­land. Ab dem 60. Le­bens­jahr tut sich je­der Drit­te mit dem Hö­ren in grö­ße­ren Grup­pen schwer. Bei den über 70-Jäh­ri­gen ist es so­gar je­der Zwei­te. Da­bei hö­ren die Be­trof­fe­nen in vie­len Si­tua­tio­nen noch gut. Was Schwie­rig­kei­ten be­rei­tet, ist das Ver­ste­hen bei ho­her Ge­räusch­ku­lis­se. Zum Bei­spiel im Re­stau­rant, wenn al­le durch­ein­an­der re­den, oder bei Ver­kehrs­lärm.

Ein neu­es Hör­sys­tem des dä­ni­schen Her­stel­lers Oti­con will Men­schen wie Herrn Zel­ler die Fä­hig­keit zu­rück­ge­ben, sich in lau­ter Um­ge­bung ohne Hör­an­stren­gung un­ter­hal­ten zu kön­nen. Wor­auf kommt es da­bei an? Hier hilft es, zu ver­ste­hen, was das Hör­pro­blem von Herrn Zel­ler ver­ur­sacht. Sei­ne Haar­sin­nes­zel­len im In­nen­ohr sind an­ge­grif­fen - ei­ne häu­fi­ge Form der Hör­min­de­rung. Was sie zum ech­ten Ge­sprächs­kil­ler macht: Sie be­trifft die ho­hen Fre­quen­zen, die für das Sprach­ver­ste­hen zu­stän­dig sind. Ist der Lärm­pe­gel ent­spre­chend hoch, ge­hen die ho­hen Tö­ne un­ter. Man ver­steht nur noch Bruch­stü­cke. Das macht schnell mü­de. Denn „wenn das Ge­hirn nur noch un­voll­stän­di­ge In­for­ma­tio­nen er­hält, muss es sich sehr an­stren­gen, die Lü­cken zu fül­len“, weiß Hör­akus­tik­meis­te­rin Andrea Bendak von Vi­ta­kus­tik Hör­ge­rä­te aus Mün­chen.

Mo­der­ne di­gi­ta­le Hör­sys­te­me ar­bei­ten da­her al­le nach ei­nem ähn­li­chen Prin­zip: Sie ver­stär­ken das Ge­spro­che­ne und dämp­fen den Um­ge­bungs­lärm. Das funk­tio­niert sehr gut. Ei­nen Schön­heits­feh­ler hat das Gan­ze al­ler­dings: Zwar kann man so sein Ge­gen­über wie­der gut ver­ste­hen. Durch die aus­ge­blen­de­ten Um­ge­bungs­ge­räu­sche füh­len sich vie­le aber ab­ge­schnit­ten von ih­rer Um­welt.

Wie man Hör­ge­rät­ebe­nut­zern ei­nen mög­lichst na­tür­li­chen Hör­ein­druck ver­mit­teln kann, steht im Zen­trum der Hör­ge­rä­te­for­schung. Durch sei­ne BrainHea­ring-Tech­no­lo­gie, die auf die Ar­beits­wei­se des Ge­hirns ab­ge­stimmt ist, konn­te der Her­stel­ler Oti­con be­reits 2015 von sich re­den ma­chen. Mit dem kürz­lich auf den Markt ge­kom­me­nen Hör­sys­tem Oti­con Opn ist den Dä­nen der Durch­bruch ge­lun­gen. Das neue Ge­rät „ahmt wie kein an­de­res die Fä­hig­keit des Ge­hirns nach, se­lek­tiv zu hö­ren“, so der Hör­akus­tik­meis­te­rin Andrea Bendak.

Um es dem Ge­hirn gleich­zu­tun braucht es ei­ne nicht un­er­heb­li­che Re­chen­ka­pa­zi­tät. 50-mal schnel­ler als sein Vor­gän­ger ist der Chip, der in dem neu­en Hör­sys­tem steckt. Da­mit scannt er 100-mal pro Se­kun­de (!) sei­ne akus­ti­sche Um­ge­bung. Die Ge­schwin­dig­keit ist da­bei der Schlüs­sel: Wäh­rend bis­he­ri­ge Hör­ge­rä­te ei­nen Spre­cher her­vor­he­ben und al­les an­de­re ab­sen­ken, ist das Oti­con Opn so schnell, dass es zwar den Lärm dämpft, aber zeit­gleich auch den Zu­gang zu an­de­ren Spre­chern und Klän­gen im Raum er­mög­licht. Ge­nau­so wie es das na­tür­li­che Ge­hör macht.

Un­ter­su­chun­gen ha­ben ge­zeigt, dass das neue Hör­sys­tem von Oti­con dem Ge­hirn die Ar­beit we­sent­lich er­leich­tert. Die Pro­ban­den muss­ten sich deut­lich we­ni­ger an­stren­gen, um in all­täg­li­chen Si­tua­tio­nen wie auf dem Wo­chen­markt oder im Re­stau­rant das Ge­hör­te zu ver­ste­hen. Sie konn­ten wie­der spon­tan an Un­ter­hal­tun­gen teil­neh­men. Weil das Ge­hirn we­ni­ger Mü­he dar­auf ver­wen­den muss­te, den Sinn zu ent­schlüs­seln, ver­bes­ser­te sich auch ih­re Ge­dächt­nis­leis­tung. Die frei wer­den­den men­ta­len Res­sour­cen führ­ten da­zu, dass sich die Test­per­so­nen an mehr Wör­ter er­in­nern konn­ten.

Wer auf den Ge­schmack des neu­en na­tür­li­chen Hö­rens ge­kom­men ist, soll­te auch die Zu­satz­aus­stat­tung des Oti­con Opn in den Blick neh­men. Wie für Ge­rä­te die­ser Klas­se üb­lich lässt es sich ka­bel­los mit Smart­pho­ne und Fern­se­her ver­bin­den. Doch ist hier al­les ei­nen Tick wei­ter aus­ge­klü­gelt. Als „Ma­de-for-iPho­ne“Hör­sys­tem kann der Nut­zer so gut wie je­des De­tail über sein Smart­pho­ne steu­ern. Da­ne­ben bie­tet es so nütz­li­che Apps wie „Fin­de mein Hör­ge­rät“.

Si­cher ist im­mer Vor­sicht ge­bo­ten, wenn ein Her­stel­ler sein Ge­rät als Welt­neu­heit an­preist. Durch die Kopp­lungs­mög­lich­keit mit dem In­ter­net er­öff­nen sich dem Hör­ge­rä­te­trä­ger mit dem Oti­con Opn aber tat­säch­lich bis­her un­ge­kann­te Mög­lich­kei­ten. „Es ist das ers­te Hör­ge­rät, das mit­tels ei­nes spe­zi­el­len Di­ens­tes mit dem In­ter­net ver­bun­den wer­den kann. So er­hält der Trä­ger zum Bei­spiel ein Si­gnal aufs Ohr, wenn es an der Tür klin­gelt“, er­klärt Hör­akus­tik­meis­te­rin Bendak.

Der­zeit stel­len Andrea Bendak und ih­re Kol­le­gen von Vi­ta­kus­tik Hör­ge­rä­te in Mün­chen das neue Hör­sys­tem dem Pu­bli­kum vor. In­ter­es­sier­te kön­nen die Ge­rä­te 30 Ta­ge lang kos­ten­los tes­ten. Um ei­ne vor­he­ri­ge Ter­min­ver­ein­ba­rung un­ter der fol­gen­den Te­le­fon­num­mer 089 / 38 03 86 01 wird ge­be­ten.

Foto: Vi­ta­kus­tik Hör­ge­rä­te

Andrea Bendak und ih­re Kol­le­gen von Vi­ta­kus­tik Hör­ge­rä­te in Mün­chen stel­len das neue Hör­sys­tem dem Pu­bli­kum vor. In­ter­es­sier te kön­nen die Ge­rä­te 30 Ta­ge lang kos­ten­los tes­ten.

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