Drei Brenn­punk­te – und kei­ne Lö­sung!

tz - - COMIC -

Dorf um Dorf, Stadt um Stadt er­kämpft sich die ira­ki­sche Ar­mee bei ih­rem Vor­marsch auf Mos­sul – der letz­ten Bas­ti­on der Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat (IS) im Irak. Die Mil­lio­nen­stadt steht seit Ju­ni 2014 un­ter Kon­trol­le der Ex­tre­mis­ten. Soll­te Mos­sul be­freit wer­den, wä­re der IS im Irak mi­li­tä­risch be­siegt. Am Sams­tag reis­te über­ra­schend US-Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Ash­ton Car­ter nach Bagdad, um sich über den Fort­gang der Of­fen­si­ve zu in­for­mie­ren, die die Ar­mee zu­sam­men mit lo­ka­len Mi­li­zen und kur­di­schen Pe­schmer­ga-Kämp­fern von drei Sei­ten führt. Nach Ein­schät­zung von Hel­fern spitzt sich die La­ge der Zi­vil­be­völ­ke­rung in Mos­sul dra­ma­tisch zu. „Be­son­ders pro­ble­ma­tisch scheint, dass die IS-Mi­li­zen die Be­völ­ke­rung dar­an hin­dern, die Stadt zu ver­las­sen – als Teil ih­rer Stra­te­gie, sie als mensch­li­che Schutz­schil­de ein­zu­set­zen“, er­klär­te die Nah­os­tRe­fe­ren­tin des ka­tho­li­schen Hilfs­werks Mi­se­re­or, Astrid Mey­er. An­ge­sichts der Kri­se in der um­kämpf­ten nord-

Die Zah­len sind er­schre­ckend – und hin­ter je­der steht ein Schick­sal: Bis zu acht Mil­lio­nen Men­schen sind in der Re­gi­on um die ira­ki­sche Stadt Mos­sul auf der Flucht – und es könn­te noch ei­ne Mil­li­on da­zu­kom­men. Seit die ira­ki­sche Ar­mee ei­ne Groß­of­fen­si­ve ge­gen die IS-Hoch­burg Mos­sul fährt, spitzt sich die La­ge der Be­völ­ke­rung dra­ma­tisch zu. Im um­kämpf­ten Ost­teil der sy­ri­schen Stadt Alep­po sit­zen bis zu 300 000 Men­schen fest – un­ter un­mensch­li­chen Be­din­gun­gen. Am Sams­tag um 18 Uhr (MEZ) en­de­te dort ei­ne drei­tä­gi­ge Waf­fen­ru­he – mit hef­ti­gen Ge­fech­ten. Am sel­ben Abend kam es im fran­zö­si­schen Calais zu Aus­schrei­tun­gen. Ab heu­te soll in der Ha­fen­stadt ein Flücht­lings­la­ger mit 6500 Mi­gran­ten ge­räumt wer­den. Die tz be­leuch­tet die Brenn­punk­te. ira­ki­schen Stadt und ih­rer Um­ge­bung will Bun­des­ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler (CSU) zu­sätz­lich 34 Mil­lio­nen Eu­ro So­fort­hil­fe zur Ver­fü­gung stel­len. Da­von wür­den Lo­gis­tik­zen­tren des Tech­ni­schen Hilfs­werks im Nord­irak fi­nan­ziert, die Hilfs­gü­ter ver­tei­len, er­klär­te Mül­ler der Neu­en Os­na­brü­cker Zei­tung. „Es wird dra­ma­tisch“, so Mül­ler mit Blick auf die hu­ma­ni­tä­re La­ge. Er rech­ne nicht mit ei­nem schnel­len Durch­marsch der ira­ki­schen Trup­pen. „Wir müs­sen uns auf mo­na­te­lan­ge Stel­lungs­kämp­fe ein­rich­ten, und vor al­lem die Tür­kei dürf­te wie­der ei­nen enor­men Flücht­lings­zu­strom er­le­ben“, glaubt der Po­li­ti­ker. Mül­ler un­ter­strich For­de­run­gen nach ei­nem UN-Flücht­lings­fonds, in den al­le Län­der welt­weit nach ih­rer Leis­tungs­fä­hig­keit ein­zah­len.

Nach dem En­de ei­ner drei­tä­gi­gen Feu­er­pau­se in Alep­po sind die Kämp­fe in der ge­teil­ten sy­ri­schen Me­tro­po­le wie­der er­bar­mungs­los auf­ge­flammt. In der Nacht zum Sonn­tag wur­den die Re­bel­len­vier­tel der Stadt nach An­ga­ben von Ak­ti­vis­ten wie­der aus der Luft und mit Ar­til­le­rie­schüs­sen an­ge­grif­fen, die Auf­stän­di­schen wie­der­um feu­er­ten Ra­ke­ten und Mör­ser­gra­na­ten auf den West­teil der Stadt ab. Alep­po ist seit Jah­ren in ei­nen von den Auf­stän­di­schen ge­hal­te­nen Os­ten und ei­nen von Re­gie­rungs­trup­pen kon­trol­lier­ten Wes­ten ge­teilt und schwer um­kämpft. Schon vor dem Aus­lau­fen der Kampf­pau­se hat­te die op­po­si­ti­ons­na­he Sy­ri­sche Be­ob­ach­tungs­stel­le für Men­schen­rech­te ge­warnt, dass sich bei­de Kriegs­par­tei­en wie­der für Kämp­fe rüs­te­ten. Die von Russ­land un­ter­stütz­ten sy­ri­schen Trup­pen und die Auf­stän­di­schen hät­ten bei­de „ih­re Kräf­te ge­stärkt“, er­klär­te die in Sy­ri­en breit ver­netz­te Or­ga­ni­sa­ti­on, de­ren An­ga­ben von un­ab­hän­gi­ger Sei­te schwer zu über­prü­fen sind. Da­her sei nach dem En­de der Waf­fen­ru­he ein „mas­si­ver Mi­li­tär­ein­satz“zu be­fürch­ten.

Die UN hat­te sich von der Feu­er­pau­se ein Zeit­fens­ter er­hofft, um Ver­letz­te und Kran­ke aus Os­tAlep­po in den Wes­ten der Stadt so­wie in die Pro­vinz Id­lib und die Tür­kei zu brin­gen. Zu­dem soll­ten die ein­ge­schlos­se­nen Zi­vi­lis­ten mit Hilfs­lie­fe­run­gen ver­sorgt wer­den. Doch die Ret­tungs­plä­ne schei­ter­ten. Seit An­fang Ju­li er­reich­te die Men­schen in Alep­po kei­ne Hil­fe mehr, die Vor­rä­te rei­chen der UN zu­fol­ge nur noch we­ni­ge Ta­ge.

Fotos: rts/afp

Zi­vi­lis­ten flie­hen vor den Ge­fech­ten na­he Mos­sul (o.)

Fotos: rts/afp

Die Feu­er­pau­se um Alep­po (o.) ist vor­bei

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