Be­dingt zu­rech­nungs­fä­hig

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Na­tür­lich hat Le­ver­ku­sen- Coach Ro­ger Schmidt mit sei­nen schar­fen Wor­ten in Rich­tung des Hof­fen­hei­mer Kol­le­gen Ju­li­an Na­gels­mann ei­nen Feh­ler ge­macht. Als Vor­be­straf­ter auf Be­wäh­rung war es so­gar ein über­aus dum­mer Feh­ler. Aber den Trai­ner jetzt als nicht mehr trag­bar hin­zu­stel­len, wie es man­che Moral­apos­tel ge­macht ha­ben – geht’s noch? „Wir sind nicht beim Hal­ma oder Schach“, hat Dort­munds Ge­schäfts­füh­rer Hans-Joa­chim Watz­ke am Wo­che­n­en­de zu be­den­ken ge­ge­ben. Auch der ehe­ma­li­ge Boss der Frank­fur­ter Ein­tracht, He­ri­bert Bruch­ha­gen, mahn­te an, die Sa­che nicht zu hoch zu hän­gen. Und ge­nau­so sieht’s aus. Spie­le sind Aus­nah­me­si­tua­tio­nen, die Prot­ago­nis­ten nicht im­mer zu 100 Pro­zent zu­rech­nungs­fä­hig. Frag nach bei Jür­gen Klopp, ge­gen des­sen BVB-Aus­brü­che Schmidt wie ein Lamm da­her­kommt. „Manch­mal bin ich auch über­sen­si­bel, wenn ich das Ge­fühl ha­be, mei­ne Spie­ler wer­den un­ge­recht be­han­delt“, sag­te Schmidt in ei­nem In­ter view vor zwei Jah­ren. „Man soll­te mich da nicht zu ernst neh­men.“

Ro­ger Schmidt mim­te den reui­gen Sün­der. „Das war nicht in Ord­nung. Ich hät­te nicht ge­dacht, dass mir das noch ein­mal pas­siert“, sag­te der Bay­er-Trai­ner sicht­lich an­ge­schla­gen. Im Spiel ge­gen Hof­fen­heim hat­te er nach der Halb­zeit für­ei­nenEklat­ge­sorgt.1899-Coach Ju­li­an Na­gels­mann hat­te nach ei­nem Foul re­kla­miert und Schmidt auf die Pal­me ge­bracht.

Der 49-Jäh­ri­ge schrie: „Gar nichts war das! Leck mich am Arsch, was bist du ein Spin­ner. Du glaubst auch, du hast den Fuß­ball er­fun­den. Halt doch ein­fach mal die Schnau­ze!“Nicht nur die SkyMi­kro­fo­ne hat­ten das ein­ge­fan­gen, auch der vier­te Of­fi­zi­el­le hat­te es ge­hört und sei­nem Chef Bas­ti­an Dan­kert ge­mel­det. Der Re­fe­ree schick­te Schmidt auf die Tri­bü­ne. Der Bay­er-Trai­ner ist Wie­der­ho­lungs­tä­ter. In der Vor­sai­son hat­te er sich nach ei­nem Ver­weis im Spiel ge­gen Dort­mund ge­wei­gert, den In­nen­raum zu ver­las­sen. Da­mals gab es drei Spie­le Sper­re und zwei auf Be­wäh­rung. Die muss er nun ab­sit­zen, da­zu kann das DFB-Sport­ge­richt noch ei­ne wei­te­re Sper­re aus­spre­chen.

Bay­er steht zu Schmidt. „Sie glau­ben doch nicht, dass wir den Trai­ner in­fra­ge stel­len, weil er in ei­nem Spiel zu ei­nem Kol­le­gen Spin­ner ge­sagt hat“, sag­te Sport­di­rek­tor Ru­di Völ­ler. Der Vor­fall im ver­gan­ge­nen Jahr ha­be ei­ne an­de­re Di­men­si­on ge­habt: „Da hat er von uns al­len auch die Gel­be Kar­te ge­se­hen.“

Na­gels­mann blieb ge­las­sen: „Fuß­ball ist ein emo­tio­na­ler Sport. Das The­ma ist ab­ge­hakt.“

Foto: Imago

Dan­kert schick­te Schmidt auf die Tri­bü­ne

Lud­wig Kram­mer

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