Im­mer den Fal­schen ver­traut

tz - - MÜNCHEN+REGION - CLA­RA SCHUS­TER (NA­ME GE­ÄN­DERT, 76), RENT­NE­RIN J. WELTE

Im­mer mehr Se­nio­ren sind auf Hil­fe vom Amt an­ge­wie­sen, weil ih­re Ren­te nicht mehr fürs Aus­kom­men reicht. Die Stadt ver­sucht ge­gen­zu­steu­ern.

Die Grün­de da­für, dass ei­ne Rent­ne­rin oder ein Rent­ner viel zu we­nig Geld zum Über­le­ben hat, kön­nen viel­fäl­tig sein. Bei­spiels­wei­se kann das pas­sie­ren, wenn man in den letz­ten Jah­ren vor der Ren­te ar­beits­los ge­wor­den ist. In die­ser Zeit be­kommt man kaum noch ei­nen neu­en Job.

Auch Fehl­zei­ten durch Kin­der­er­zie­hung kön­nen gro­ße Lö­cher in die Ren­ten­be­rech­nung rei­ßen. Ge­ring­ver­die­ner, die trotz Voll­zeit­ar­beit nur Nied­rig­löh­ne be­kom­men, wie in der Gas­tro­no­mie, sind im Al­ter ge­ne­rell ar­muts­ge­fähr­det. Auch Krank­hei­ten oder fa­mi­liä­re Ent­wick­lun­gen wie Schei­dun­gen sor­gen häu­fig für Ein­bu­ßen bei der Ren­te.

In Mün­chen sor­gen die enorm stei­gen­den Mie­ten und auch an­de­re Le­bens­hal­tungs­kos­ten oft zu­sätz­lich da­für, dass das Geld hin­ten und vor­ne nicht aus­reicht. Man­che Men­schen ha­ben sich ver­schul­det, weil sie auf Pump Din­ge ge­kauft ha­ben.

Kein Wun­der al­so: Die Zahl der Rent­ner, die vom Amt Grund­si­che­rung im „Ich war mit ei­nem Mann ver­hei­ra­tet, der Al­ko­ho­li­ker war. Wir hat­ten ein er­folg­rei­ches Un­ter­neh­men, das auf­grund mei­nes ExMan­nes bank­rott ging. Ob­wohl ich nach­weis­lich 46 Jah­re be­rufs­tä­tig war, ste­hen mir laut Sys­tem nur 457,60 Eu­ro Ren­te zu. Lei­der ha- Al­ter be­zie­hen muss­ten, steigt an der Isar ste­tig an: En­de vo­ri­gen Jah­res be­zo­gen 14 253 Ru­he­ständ­ler Zu­schüs­se zur Ren­te vom So­zi­al­amt – ins­ge­samt wur­den 95 Mil­lio­nen Eu­ro an sie aus­ge­zahlt. Am 30. Ju­ni die­ses Jah­res wa­ren es schon 14 382 Münch­ne­rin­nen und Münch­ner, de­ren Ein­kom­men im Al­ter nicht zur Si­che­rung des Exis­tenz­mi­ni­mums ge­nüg­te.

Das be­rich­tet So­zi­al­re­fe­ren­tin Do­ro­thee Schi­wy (SPD) heu­te im So­zi­al­aus­schuss. Sie rech­net bis zum Jah­res­en­de mit 14 840 Ren­ten­auf­sto­ckern, das wä­ren 4,1 Pro­zent mehr als ein Jahr zu­vor. Ins­ge- be ich nach dem Ver­lust mei­ner Fir­ma und der Schei­dung mei­ne letz­ten Er­spar­nis­se ei­nem Be­trü­ger an­ver­traut. Die­ser sitzt nun im Ge­fäng­nis, und mein Geld ist weg. Ich ha­be im­mer den Fal­schen ver­traut.“ samt rech­net Schi­wy für En­de des Jah­res mit rund 80 000 Men­schen, die So­zi­al­hil­fe be­zie­hen – dar­un­ter üb­ri­gens 23 000 Kin­der und 7100 Flücht­lin­ge.

Die Stadt ver­sucht Se­nio­ren mit Be­ra­tungs­an­ge­bo­ten zu hel­fen, die re­ge an­ge­nom­men wer­den. 2015 such­ten 88 500 Men­schen die Al­ten- und Ser­vice­zen­tren der Stadt auf, in den Be­ra­tungs­stel­len wur­den et­wa 13 500 Ge­sprä­che durch­ge­führt. Au­ßer­dem för­dert die Stadt 19 Pro­jek­te­mit­de­mSchwer­punkt „Wohn­for­men für äl­te­re Men­schen“.

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