Die spürt den Arzt in Chi­le auf

tz - - MÜNCHEN+REGION - HANS MO­RITZ

Jetzt sind ihm die Fahn­der auf den Fer­sen! Der Er­din­ger Frau­en­arzt, der vor drei Jah­ren in Pret­zen sei­ne Ehe­frau er­mor­det ha­ben soll und nach der Auf­he­bung sei­nes Frei­spruchs in Chi­le un­ter­ge­taucht ist, könn­te noch heu­er nach Deutsch­land aus­ge­lie­fert wer­den. Die tz hat Pro­fes­sor Micha­el B. (57) auf­ge­spürt – und weiß, wann und wo sich der ge­such­te mut­maß­li­che Mör­der auf­ge­hal­ten, wo er ge­wohnt und mit wem er Kon­takt ge­habt hat.

Seit Fe­bru­ar ist er in Chi­le. Er soll sich re­gel­mä­ßig in der deut­schen Ge­mein­schaft der Cli­ni­ca Ale­ma­na und am Goe­the-In­sti­tut in San­tia­go auf­ge­hal­ten ha­ben. Dort, wie auch an spä­te­ren Auf­ent­halts­or­ten, war sei­ne Vor­ge­schich­te wohl nicht be­kannt.

Rück­blick: Micha­el B. soll am 4. De­zem­ber 2013 im ge­mein­sa­men Rei­hen­haus in Pret­zen sei­ne Gat­tin Bri­git­te (60) ge­tö­tet ha­ben. In ei­nem zwei Mo­na­te lan­gen In­di­zi­en­pro­zess vor dem Land­ge­richt Lands­hut wur­de der Frau­en­arzt aus Man­gel an Be­wei­sen frei­ge­spro­chen. Im März kas­sier­te der Bun­des­ge­richts­hof auf An­trag der Staats­an­walt­schaft das Ur­teil.

Als B. da­von Wind be­kam, tauch­te er un­ter. Die Spur führ­te nach Chi­le. Die Lands­hu­ter Be­hör­den stell­ten ei­nen Aus­lie­fe­rungs­an­trag – kein leich­tes Un­ter­fan­gen bei ei­nem Staat, mit dem die Bun­des­re­pu­blik kei­ner­lei ju­ris­ti­sche Ab­kom­men hat. Bis Herbst dau­er­te es, bis al­le Pro­zess­ak­ten ins Spa­ni­sche über­setzt wa­ren. Mitt­ler­wei­le sind sie in Süd­ame­ri­ka an­ge­kom­men.

So­wohl Tho­mas St­ein­kraus-Koch von der Staats­an­walt­schaft als auch Rai­ner Wie­de­mann vom Land­ge­richt woll­ten sich nicht nä­her zum Ver­fah­rens­stand äu­ßern. Bei­de er­klär­ten la­pi­dar: „Un­ser An­trag auf Aus­lie­fe­rung läuft.“Ob B. kurz vor der Fest­nah­me steht oder be­reits in­haf­tiert ist, be­ant- wor­ten sie nicht. Mit kei­ner Sil­be wol­len sie das sen­si­ble Ver­fah­ren mit Chi­le ge­fähr­den.

Nach sei­ner An­kunft in Süd­ame­ri­ka im Früh­jahr soll der Gy­nä­ko­lo­ge et­wa drei Mo­na­te in ei­ner kirch­li­chen Ge­mein­de Un­ter­schlupf ge­fun­den ha­ben. Es wird nicht aus­ge­schlos­sen, dass der Kon­takt be­reits vor­her durch Ver­mitt­lung deut­scher Kir­chen­krei­se zu­stan­de ge­kom­men ist. Be­legt ist das aber nicht.

In San­tia­go soll er in ei­nem Zim­mer in ei­ner Woh­nung ei­ner deutsch­stäm­mi­gen 84-Jäh­ri­gen lo­giert ha­ben. Be­sag­te Ma­ria Lui­sa (ihr Nach­na­me ist un­be­kannt) nimmt an­geb­lich im­mer wie­der Deut­sche auf, die am Ale­ma­na Ho­s­pi­tal ar­bei­ten. Wie der Er­din­ger An­zei­ger er­fah­ren hat, war B. dort wie­der als Frau­en­arzt tä­tig.

Zu­letzt soll sich B. in der Küs­ten­stadt Pa­pu­do auf­ge­hal­ten ha­ben – in der Woh­nung sei­ner neu­en Freun­din. Wohl erst im Ok­to­ber ist er bei P. A. (nur die An­fangs­buch­sta­ben der Part- ne­rin sind be­kannt) ein­ge­zo­gen. Er kom­mu­ni­ziert mit ei­nem chi­le­ni­schen Han­dy per Whats­App.

Die Lands­hu­ter Zei­tung be­rich­te­te, Micha­el B.s Fest­nah­me ste­he kurz be­vor. Das ist aber nicht be­stä­tigt. Soll­ten die chi­le­ni­schen Be­hör­den auf das Ge­such ein­ge­hen,könn­te der Frau­en­arzt noch vor Weih­nach­ten wie­der in Deutsch­land sein – fast ge­nau drei Jah­re nach dem mut­maß­li­chen Mord. für den er sich er­neut vor dem Land­ge­richt Lands­hut ver­ant­wor­ten muss. Im neu­en Pro­zess könn­ten die zahl­rei­chen In­di­zi­en ge­gen ihn an­ders in­ter­pre­tiert wer­den. Ge­nau das hat­te der BGH näm­lich kri­ti­siert und das Ur­teil kas­siert.

Fo­to: fkn

Micha­el B.’s Ehe­frau Bri­git­te wur­de er­mor­det. Ob ihr Ehe­mann der Tä­ter ist, ist noch un­klar Micha­el B. (57) strei­chelt ei­nen Wel­pen. Das Fo­to wur­de in Chi­le auf­ge­nom­men, wo­hin sich der Frau­en­arzt ab­ge­setzt hat

Fo­to: Mo­ritz

In Er­ding ar­bei­te­te Pro­fes­sor Micha­el B. (57) als nie­der­ge­las­se­ner Frau­en­arzt

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.