Mein Nach­bar woll­te mich tot­schla­gen

An­griff am Gar­ten­zaun: 72-Jäh­ri­ge schil­dert Prü­gelat­ta­cke vor Ge­richt

tz - - MÜNCHEN+REGION - A. THIEME

An die gro­ßen Hän­de er­in­nert sich Iri­na K. (72) mit Schre­cken. Wie sie über den Zaun grei­fen und sie pa­cken. Wie sie an ih­ren Haa­ren rei­ßen. Wie sie wuch­tig nach ihr schla­gen. „Er traf mich erst ins Ge­sicht, dann am Hals und an mei­nen Brüs­ten. 15mal spür­te ich den ste­chen­den Schmerz“, sagt die Se­nio­rin. Ih­re Stim­me er­stickt in Trä­nen, dann spricht sie wei­ter. „Es hör­te nicht mehr auf. Ich dach­te, ich muss ster­ben.“

14 Mo­na­te ist es her, dass Iri­na K. Op­fer der Atta­cke wur­de. Ihr Nach­bar Ste­phan S. (46) griff sie am 8. Au­gust an. Zu Hau­se, in der Ho­fan­ger­stra­ße in Neu­per­lach. Seit ges­tern steht er vor Ge­richt: we­gen Be­lei­di­gung, Be­dro­hung und Kör­per­ver­let­zung. Iri­na K. sagt als Zeu­gin ge­gen ihn aus.

„Es war heiß, ich ruh­te mich im Schat­ten aus. Drü­ben hat Ste­phan ge­schrien und schmiss dau­ernd die Tü­ren“, er­zählt Iri­na K. Im­mer wie­der braucht sie kur­ze Pau­sen, der Vor­fall wühlt sie noch sehr auf. „Plötz­lich brüll­te er: ,Was glotzt du, du He­xe?’ Als er an den Zaun kam, be­kam ich Angst. Er war so ag­gres­siv.“Aber die Se­nio­rin wehr­te sich. „Ich sag­te ‚Ste­phan, du bist krank. Du musst ein­ge­sperrt wer­den.’ “

Durch die Sät­ze fühlt sich Ste­phan S. – er lei­det un­ter dem Asper­ger-Syn­drom, ei­ner Ent­wick­lungs­stö­rung – pro­vo­ziert. Laut An­kla­ge schlug er so­fort zu und traf sei­ne Nach­ba­rin mit der Faust ins Ge­sicht. Mit sei­ner lin­ken Hand griff er ihr in die Haa­re. „Ich war be­nom­men, er ließ mich nicht mehr los und riss mir ei­ni­ge Bü­schel aus.“Und der Hor­ror hört nicht auf: Ste­phan S. prü­gelt wei­ter auf die Se­nio­rin ein. Als sie um Hil­fe ruft, schleu­dert er sie zu Bo­den. Laut An­kla­ge schreit er: „Ich brin­ge dich um!“Erst als Nach­barn den Streit mit­be­kom­men, lässt er end­lich von Iri­na K. ab.

Auf der An­kla­ge­bank nes­telt Ste­phan S. an sei­nem Pull­over und schaut schüch­tern ins Pu­bli­kum. Als ein­zi­ge Zu­schaue­rin sitzt dort sei­ne Mut­ter. „Es tut mir sehr leid“, sagt er – und wen­det den Blick zur Nach­ba­rin. „Ich möch­te mich ent­schul­di­gen.“Jetzt droht ihm die Un­ter­brin­gung in der Psychiatrie. Rich­ter Gilbert Wolf: „Wenn das mit der The­ra­pie klappt und Sie Ih­re Me­di­ka­men­te neh­men, wird die Stra­fe zur Be­wäh­rung aus­ge­setzt.“

F: Jantz F: Jantz

Iri­na K. zeigt die Ver­let­zun­gen in ih­rem Ge­sicht Ste­phan S. gab al­les zu

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