Hier twit­tern die Tat­ort-Pro­fis

tz - - KULTUR + TV - KATJA KRAFT

Wenn sonn­tags der Tat­ort im Fern­se­hen läuft, reicht vie­len zum Mi­t­rät­seln nicht mehr der alt­be­kann­te Zeit­ge­nos­se, der da ge­ra­de ne­ben ei­nem auf dem So­fa lüm­melt. Seit es den Kurz­nach­rich­ten­dienst Twit­ter gibt, kann man schließ­lich mit Tau­sen­den gleich­zei­tig dar­über fach­sim­peln, wer denn nun ge­schos­sen, ge­würgt oder zu­ge­sto­chen hat. Twit­ter ist die neu­en Kar­tof­fel­chips-Tü­te: ein­mal an­ge­fan­gen, kann man nicht auf­hö­ren, wäh­rend der 90 Mi­nu­ten im­mer wie­der zum Smart­pho­ne zu grei­fen.

Seit Sonn­tag twit­tert auch die Po­li­zei Mün­chen über Deutsch­lands be­lieb­tes­ten Fern­seh­kri­mi. Sie hat die Aus­strah­lung von Die Wahr­heit mit den hie­si­gen Er­mitt­lern Ba­tic und Leit­mayr per Twit­ter be­glei­tet. Das So­ci­alMe­dia-Team der Po­li­zei kom­men­tier­te mal lau­nig („Kol­le­ge Ho­ger scherz­haft zu Kol­le­ge Lin­der: ,Ich brauch dich‘? Das hast du zu mir noch nie ge­sagt #Tat­ort“), mal kri­tisch („Wir la­den die Kol­le­gen zu ei­nem Lehr­gang bei uns ein. DIE Ver­neh­mun­gen wür­den vor Ge­richt nicht stand­hal­ten #Tat­ort“), mal lo­bend („Ab­so­lut rich­tig! Zeu­gen soll­ten schnellst­mög­lich von­ein­an­der ge­trennt wer­den #Tat­ort“), vor al­lem aber sehr in­for­ma­tiv („Soll­te es ei­nen Not­fall ge­ben, fah­ren selbst­ver­ständ­lich nicht nur 2 Er­mitt­ler zum #Tat­ort. Die ers­ten Kol­le­gen vor Ort sind uni­for­miert“) das Ge­sche­hen im Fern­se­hen.

Twit­ter-Nut­zer konn­ten auch Fra­gen stel­len – und ta­ten dies flei­ßig. Nach der Aus­strah­lung twit­ter­te die Po­li­zei: „Wir sind von Eu­rem In­ter­es­se über­wäl­tigt. Ak­tu­ell ha­ben wir noch 600 of­fe­ne Fra­gen zu be­ant­wor­ten. Bit­te habt et­was Ge­duld. #Tat­ort“. Und drei St­un­den spä­ter: „Al­le Fra­gen be­ant­wor­tet ... Fei­er­abend! :) #Tat­ort“.

Den hat­ten sich die Be­am­ten wahr­lich ver­dient – so sym­pa­thisch kann po­li­zei­li­che Über­prü­fung sein. Er­geb­nis ih­res teil­wei­se mit ei­nem Au­gen­zwin­kern durch­ge­führ­ten Fak­ten­checks: „Fa­zit: Ent­spann­te 90 Mi­nu­ten für den Fak­ten­che­cker. Gut re­cher­chiert & span­nend #Re­spekt #Tat­ort“.

Die­ses Lob wird der BR an die rea­len Po­li­zis­ten si­cher gern zu­rück­ge­ben. Er hat die Fort­set­zung des Falls be­reits an­ge­kün­digt – ei­ne Fort­set­zung auf Twit­ter wä­re ein Ge­winn.

Der Po­li­zist hebt zwar mah­nend den Zei­ge­fin­ger, aber die Po­li­zei­Twit­te­rei zum „Tat­ort“ist in­for­ma­tiv und wit­zig …

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