Bif­fy – dä­mo­nisch star­ker Prog­rock

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Was für ein Spa­gat: Das Trio Bif­fy Cly­ro, einst ein Ge­heim­tipp aus der Progro­ckNi­sche, hat es mit sei­nem 7. Stu­dio-Al­bum El­lip­sis ge­schafft, auf Platz 1 der deut­schen Charts zu stür­men, oh­ne sich all­zu sehr zu ver­bie­gen. Die schweiß­trei­ben­den Schot­ten ge­hö­ren oh­ne­hin zur Cham­pi­ons Le­ague der Live­bands: Mit Kampf­geist, Lei­den­schaft und be­herz­tem Fo­re­che­cking fan­den sie zu druck­vol­lem, ge­schlos­se­nem Mann­schafts­spiel (Ze­nith).

Ih­re Prä­zi­si­on ist atem­be­rau­bend. Da­bei prä­sen­tie­ren sie je­den Song mit ei­ner sol­chen Ener­gie, als hin­ge ihr Le­ben da­von ab. Und als woll­ten sie ih­re Kör­per­mas­se in zwei St­un­den weg­schwit­zen. Kon­se­quen­ter­wei­se agie­ren al­le drei mit nack­tem Ober­kör­per, was den Blick auf wah­re Sturz­bä­che und im­po­san­te Tat­toos frei­gibt.

Un­ter den mehr als zwei Dut­zend Lie­dern fin­det sich kein ein­zi­ger Lü­cken­fül­ler. Der äl­tes­te Song ( Wa­ve Upon Wa­ve Upon Wa­ve von 2005) mag der in­ter­es­san­tes­te sein, doch auch die neue­ren Lie­der ste­cken vol­ler Wi­der­ha­ken: hier ein ab­ge­fah­re­nes Ar­ran­ge­ment, da ein über­ra­schen­der Rhyth­mus- oder Tem­po­wech­sel, ein 7/8-Takt … So bie­ten sie ne­ben sta­di­on­taug­li­chen Kopf­nick-Riffs durch­aus ver­track­tes Kopf­fut­ter.

Dass sie sich ins For­ma­tra­dio ein­ge­schli­chen ha­ben, ver­dan­ken sie ih­ren Ohr­wurm-Qua­li­tä­ten, Gän­se­haut-Me­lo­di­en und hym­ni­schen Re­frains. Aber selbst ein Hit wie Bub­bles mün­det live in ei­ne wüs­te Lär­mor­gie. Kom­pro­miss­lo­ses Klot­zen statt Kle­ckern: Bif­fy Cly­ro ze­le­brie­ren ih­re bom­bas­ti­schen Wer­ke mit gi­gan­ti­schen St­ro­bo­skop- und La­ser-Ef­fek­ten – und mit der nö­ti­gen Por­ti­on Grö­ßen­wahn, um wahr­haft Gro­ßes zu schaf­fen.

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