Ei­ne Fa­mi­lie zum Stau­nen

tz - - KULTUR + TV - MAT­THI­AS BIE­BER

Su­san­ne, nach rund ei­nem Jahr mit Ih­ren bei­den sy­ri­schen Gäs­ten – wie fällt die Bi­lanz bis­her aus?

Su­san­ne: Mein Mann und ich wür­den das im­mer wie­der ma­chen! Ich kann das nur emp­feh­len, es ist ei­ne ganz tol­le Er­fah­rung. Man lernt ei­nen an­de­ren Kul­tur­kreis ken­nen und kann Men­schen wirk­lich in­te­grie­ren – weil man sie per­sön­lich ken­nen­lernt und das Zu­sam­men­le­ben sehr in­ten­siv ist. Wir wol­len auch zei­gen: Habt Mut und baut eu­re Ängs­te ab! Ra­di­ka­lis­mus ent­steht im­mer durch Angst vor dem Frem­den, und die­se Angst ist un­be­grün­det.

Als vier­fa­che Mut­ter ha­ben Sie ja Er­fah­rung …

Su­san­ne: Na­tür­lich! Mei­ne jüngs­te Toch­ter ist am 10. Sep­tem­ber 2015 aus­ge­zo­gen, und ei­nen Tag spä­ter zog Ba­sel ein. Die Jungs sind er­wach­sen, aber ich kann et­wa bei Pro­ble­men in der Schu­le – die bei­den ma­chen ge­ra­de den Kurs B2 des Er­wach­se­nen­bil­dungs­werks – oder bei Be­zie­hungs­pro­ble­men und Be­hör­den­gän­gen hel­fen. Manch­mal hilft es ja auch schon, ein­fach mal zu­zu­hö­ren.

Wie läuft das Zu­sam­men­le­ben ab?

Su­san­ne: Die bei­den woh­nen in der Ein­lie­ger­woh­nung un­se­res Ein­fa­mi­li­en­hau­ses. Wir ko­chen et­wa ger­ne zu­sam­men. Be­son­ders lie­ben die bei­den Knö­del in je­der Form, und mei­ne Zwetsch­gen­knö­del wol­len sie un­be­dingt noch ler­nen. Und klar: Heu­te Abend wird nach dem ge­mein­sa­men Mahl zu­sam­men die Do­ku über uns an­ge­schaut. Nicht nur wir vier, son­dern auch ein Kum­pel von Ba­sel und Omar und die Freun­din­nen.

Apro­pos: Ge­nie­ßen die jun­gen Sy­rer ih­re neu­en Frei­hei­ten?

Su­san­ne: Lo­gisch! Wie in­ten­siv sie das aus­le­ben, weiß ich na­tür­lich nicht. Bei uns wird an­ge­klopft, m 11. Sep­tem­ber 2001 stürz­ten nach dem Ter­ror­an­schlag die Tür­me des World Tra­de Cen­ter ein. Fol­ge: mil­lio­nen­fa­ches Leid und Krie­ge oh­ne En­de. Am 11. Sep­tem­ber 2015 nah­men Su­san­ne (55) und Ul­rich (60) aus ei­nem Dorf in der Ober­pfalz den sy­ri­schen Flücht­ling Ba­sel (23) auf. Im De­zem­ber 2015 folg­te Omar (22). Su­san­ne und Ul­rich pa­cken an, statt nur zu re­den. Das ZDF er­zählt heu­te von die­ser stau­nens­wer­ten Fa­mi­lie. Un­ser In­ter­view mit der „Haus­her­rin“Su­san­ne über ihr neu­es Fa­mi­li­en­glück: be­vor man ein Zim­mer be­tritt. Sie dür­fen na­tür­lich Freun­din­nen mit­brin­gen. Und wo knirscht’s? Su­san­ne: Gar nicht! Das muss nicht über­all so sein, aber die bei­den sind sehr höf­lich, freund­lich und re­spekt­voll. Da könn­te sich man­cher bei uns ei­ne Schei­be ab­schnei­den. Die bei­den fü­gen sich un­heim­lich gut ein. Das liegt viel­leicht auch dar­an, dass wir über al­les re­den.

War­um sind Omar und Ba­sel ge­flo­hen?

Su­san­ne: Weil sie sonst ein­ge­zo­gen wor­den wä­ren. Wenn der Krieg in ih­rer Hei­mat vor­bei ist, könn­ten sie sich vor­stel­len, zu­rück­zu­keh­ren – aber wenn sie bei uns ei­nen gu­ten Job fin-

Aden, wür­den sie lie­ber hier in Deutsch­land blei­ben.

Wie spre­chen Sie sich ge­gen­sei­tig an?

Su­san­ne: Mit Vor­na­men und „Du“– und ab und zu im Spaß mit „Söh­ne“bzw. „Ma­ma“und „Pa­pa“.

Gab’s ei­nen Aus­lö­ser für die Auf­nah­me der bei­den?

Su­san­ne: Ja, das Buch Af­gha­nis­tan. Mün­chen. Ich, das die Ge­schich­te von Has­san Ali Djan aus Af­gha­nis­tan er­zählt.

Wenn die bei­den aus­zie­hen – war’s das dann mit der „Groß-WG“?

Su­san­ne: Nein. Ich kann mir vor­stel­len, neue Flücht­lin­ge auf­zu­neh­men.

Su­san­ne und Ul­rich mit ih­ren bei­den „Zieh­söh­nen“Omar (l.) und Ba­sel aus Sy­ri­en. Auf ZDF läuft heu­te ei­ne Do­ku über die Fa­mi­lie

F: ZDF

Ba­sel zu Hau­se mit Su­san­nes Schwie­ger­mut­ter Eva (89)

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