Mu­se­ums­rei­fer Film-Meis­ter

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Ro­bert De Ni­ro, Woo­dy Al­len, Ju­di Dench oder Mia Far­row: Sie al­le star­ren hin­ge­ris­sen auf die Lein­wand, die sie sonst be­völ­kern. Sie sind fas­zi­nier­te Zu­schau­er. Und wer fes­selt sie so? Ein deut­scher Re­gis­seur, der 1888 als Fried­rich Wil­helm Plum­pe in Bie­le­feld ge­bo­ren wur­de und 1931 bei ei­nem Au­to­un­fall in Ka­li­for­ni­en als Fried­rich Wil­helm Murnau starb. Luc La­gier be­weist mit sei­nem Film­es­say Murnau re­cut gleich im Zu­gangs­be­reich der Aus­stel­lung Fried­rich Wil­helm Murnau – Ei­ne Hom­mage, dass es sich wirk­lich um ei­ne Hom­mage han­delt – und das im be­rühm­ten Len­bach­haus.

Des­sen Chef Mat­thi­as Müh­ling be­tont, dass das Haus ei­nen sehr in­ni­gen Be­zug zum Ki­no­ge­nie von einst hat. Der ist vom Ex­pres­sio­nis­mus durch­drun­gen und kam so­gar 1910, in der feu­rigs­ten Blaue-Rei­terZeit, nach Murnau; er kann­te Franz und Ma­ria Marc. Plum­pe blüh­te of- fen­bar in der Markt­ge­mein­de am Staf­fel­see auf, wand­te sich en­er­gisch der Kunst zu und nahm sich die Frei­heit, sei­ne Ho­mo­se­xua­li­tät zu le­ben. Die­se Zä­sur mar­kier­te er mit dem Na­mens­wech­sel zu Murnau.

Präg­te ihn, den Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft­ler und Kunst­his- to­ri­ker, das Thea­ter, ar­bei­tet er nach dem Ers­ten Welt­krieg als Fil­me­ma­cher. 1922 brach­te Murnau Nos­fe­ra­tu herau, das ihn bis heu­te zur Welt­grö­ße macht. Faust oder Ta­bu sind wei­te­re Bei

spie­le die­ser Gü­te­klas­se. Sie tra­gen auch die Aus­stel­lung.

Zu ins­ge­samt fünf Ki­no-Klas­si­kern wer­den Fo­to­gra­fi­en, Sze­nen-Zeich­nun­gen und far­bi­ge Pla­kat­ent­wür­fe ge­zeigt. Ex­zep­tio­nell wird die Schau frei­lich erst durch die fünf Film­es­says, die al­le­samt den Meis­ter eh­ren.

Murn­aus frei­er Um­gang mit dem Me­di­um war und ist bahn­bre­chend. Er nutz­te sein Wis­sen um die Bil­den­de Kunst, die Kunst über­haupt – Ken­ner schlür­fen das ge­ra­de­zu beim Zu­schau­en – und for­cier­te mit Ka­me­ra­leu­ten und Aus­stat­tern al­le In­no­va­tio­nen. ■ Bis 26. Fe­bru­ar 2017, Di. - So. 10 bis 20 Uhr.

Fo­tos: Deut­sche Ki­ne­ma­thek, Ber­lin

Sein be­rühm­tes­ter Film: „Nos­fe­ra­tu“mit Max Schreck, 1922

Murnau (r.) mit sei­nem „Faust“Emil Jan­nings, 1926

Frü­hes Film­ge­nie: F. W. Murnau (1888 – 1931)

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