2. Stamm­stre­cke als Start­schuss

tz - - POLITIK -

Die Stadt wächst, der Aus­bau des Ver­kehrs hält da­mit nicht Schritt.

Vor 80 Jah­ren schrieb Karl Va­len­tin zum The­ma Ver­kehrs­wahn­sinn in Mün­chen, dass man pro St­un­de nur ein Ver­kehrs­mit­tel zu­las­sen soll­te – von 7 bis 8 Uhr Per­so­nen­au­tos et­wa oder von 12 bis 13 Uhr die Rad­ler. Und wie im­mer bleibt ei­nem bei Mün­chens größ­tem Hu­mo­ris­ten das La­chen im Hal­se ste­cken, weil sich am Irr­sinn auf Glei­sen und Stra­ßen seit den 20er-Jah­ren nichts ver­bes­sert hat – im Ge­gen­teil. Die zwei­te Stamm­stre­cke ist nun end­lich, end­lich aufs rich­ti­ge Gleis ge­bracht. Doch bei al­ler Er­leich­te­rung: Das Pro­jekt kann nur ein Start­schuss sein für ein mo­bi­les Mün­chen, das or­dent­lich Gas ge­ben muss. Denn die Stadt wächst und wächst, ge­ra­de auch im Um­land – doch der Aus­bau der Ver­kehrs­we­ge hält da­mit nicht Schritt. Das krie­gen Au­to­fah­rer in und um Mün­chen eben­so mit wie die täg­lich ge­plag­ten Be­nut­zer öf­fent­li­cher Ver­kehrs­mit­tel, al­len vor­an der chro - nisch un­zu­ver­läs­si­gen S-Bahn. Es muss schnel­ler ge­han­delt wer­den. Es braucht Mut und krea­ti­ve Köp­fe, um den In­farkt zu ver­mei­den. Schon jetzt ist Mün­chen die deut­sche Groß­stadt, in der Pend­ler zu Stoß­zei­ten am längs­ten im Stau ste­hen. Mo­bi­li­tät kos­tet Mil­li­ar­den. Doch die Mo­bi­li­tät ist – wer will, kann das be­dau­ern, aber es hilft nix – das A und O un­se­rer Zeit. Sinn­vol­ler kann man nicht in die wir tschaft­li­che Zu­kunft in­ves­tie­ren als in die In­fra­struk­tur ei­ner Stadt, die in nicht all­zu fer­ner Zu­kunft die Zwei-Mil­lio­nen- Gren­ze über­springt.

Mat­thi­as Bie­ber

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