Vor­hang auf für un­se­re Le­bens­ge­schich­te

Beim Emp­fang der Stadt plau­dern die Schau­spie­ler aus dem Näh­käst­chen

tz - - MENSCHEN - ANN-CATHERIN KARG

Ein­mal im Jahr gibt es für die Münch­ner Schau­spie­ler ei­nen Ter­min, bei dem sie nicht um Re­gis­seu­re und Pro­du­zen­ten her­um schar wen­zeln und sich so charmant als mög­lich für die nächs­te Rol­le emp­feh­len müs­sen. „Eher so ei­ne Art Fa­mi­li­en­tref­fen“seid er Emp­fang des Ober bür­ger­meis­ters Die­ter Rei­ter im Al­ten Rat­haus, sag­te der Schau­spie­ler, Re­gis­seur, Au­tor und In­ten­dant Michael Ler­chen­berg. Breit auf­ge­stellt wie er ist, hat er die größ­ten Sor­gen hin­ter sich. Und weiß den­noch, dass der Be­ruf des Schau­spie­lers ei­ner der här­tes­ten über­haupt ist: „Je­der Kol­le­ge, der die­sen Be­ruf bis zur Ren­te aus­übt, ist ein Held“, sag­te er am Mon­tag­abend. Ist es wirk­lich so hart, das Le­ben der Kol­le­gen in Mün­chen? Oder an­ders ge­sagt: Gleicht es eher ei­ner Tra­gö­die oder ei­ner Ko­mö­die?

„We­der noch “, be­fand Bri­git­te W alb runn. „Es ist ein­fach nur schön!“Seit fast zehn Jah­ren ist die ge­bo­re­ne Münch­ne­rin Haupt­dar­stel­le­rin bei Daho amis da­ho­am und emp­fin­det es als Pri­vi­leg, in Mün­chen spie­len zu kön­nen. Und ist froh, dass die Zei­ten, in de­nen sie auf Thea­ter­büh­nen in Deutsch­land, Österreich und der Schweiz un­ter­wegs war, vor­bei sind. „Ein­mal war ich am Thea­ter des Wes­tens in Berlin und ha­be im Fern­se­hen ge­se­hen, wie bei­der Ok­to­ber­fes­t­er­öff­nung das Fassl an ge­sto­chen wor­den ist. Da bin ich in mei­ner klei­nen Woh­nung ge­ses­sen und ha­be ge­heult vor Heim­weh.“

Karin Tha­ler kann sich da gut hin­ein­ver­set­zen. Für sie gleicht das Le­ben in Mün­chen „ei­nem gro­ßen Lie­bes­film“. Klar kennt sie Zei­ten, in de­nen mo­na­te­lang kein En­ga­ge­ment an­stand und sich Pa­nik breit­mach­te. Aber: „Ich kom­me vom Land, aus Nie­der­bay­ern, und bin sehr bo­den­stän­dig. Letzt­end­lich ha­be ich im­mer von mei­nem Be­ruf le­ben kön­nen.“Vi­el­leicht ge­ra­de, weil sie als Baye­rin in Se­ri­en wie Hu­bert & Stal­ler oder Die Ro­sen­heimCops be­son­ders au­then­tisch wirkt.

Har­te Zei­ten hat auch ihr Kol­le­ge Jür­gen Ton­kel schon er­lebt. In den Acht­zi­ger­jah­ren zum Bei­spiel, als er sich ei­ne Rol­le an der Sei­te von Hei­ner Lau­ter­bach ge­wünscht hät­te, ihn aber als Fah­rer durch die Ge­gend kut­schie­ren muss­te. Die Not vie­ler Schau­spie­ler führt er vor al­lem auf das „dra­ma­tisch sin­ken­de Ni­veau“der Fern­seh­land- schaft und die Spar­wut zu­rück: „Je­der Pro­du­zent fragt erst ein­mal: Habt ihr’s nicht bil­li­ger?“Und den­noch gleicht sein Le­ben ei­ner Ko­mö­die: „Ich lie­be die­se Stadt, in der es im­mer noch mehr Ar­beit gibt als in vie­len an­de­ren Städ­ten.“

Und wenn es Ar­beit ist, die mit der Schau­spie­le­rei nichts zu tun hat. Ma­ria Bach­mann, die im Som­mer in Schwe­den ei­nen In­ga Lind­ström- Film ge­dreht hat, ist seit Jah­ren auch als Au­to­rin und Coach tä­tig und sagt: „Man muss ein­fach wis­sen, dass die Schau­spie­le­rei ein un­si­che­rer Be­ruf ist. Wenn man in­tel­li­gent ist und das be­greift, lebt man trotz­dem in ei­ner Ko­mö­die. Man wird da­durch zum Le­bens­künst­ler.“

Ma­xi Schaf­roth ist das zu heiß. Er liebt sei­ne Auf­trit­te in den Fil­men von Mar­cus H. Ro­sen­mül­ler, dem Tat­ort und SOKO 5113. Aber die Si­cher­heit gibt ihm das Ka­ba­rett. „Ich weiß jetzt schon, wo ich 2018 spie­le und was ich da ver­die­ne.“Wich­tig für je­man­den wie ihn, der vor sei­ner künst­le­ri­schen Lauf­bahn ei­ne Bank­leh­re ab­sol­viert hat.

Dass nichts si­cher ist im Le­ben, weiß wohl nie­mand so ge­nau wie Sa­mu­el Koch. Seit sei­nem Un­fall bei Wet­ten, dass ..? quer­schnitts­ge- lähmt, ar­bei­tet er heu­te als Schau­spie­ler und ist fes­tes En­sem­ble­mit­glied am Staats­thea­ter Darm­stadt. Trotz­dem ver­bringt er viel Zeit in Mün­chen, was vor al­lem an sei­ner Frau Sa­rah Ele­na liegt, die vor vier Jah­ren we­gen Sturm der Lie­be hier­her ge­zo­gen ist. Gut mög­lich, dass auch Sa­mu­el Koch in Zu­kunft ein­mal hier ar­bei­tet, ver­riet er. Dar­über, dass der Be­ruf des Schau­spie­lers trotz al­ler Wid­rig­kei­ten der Schöns­te über­haupt ist, wa­ren sich vom fest en­ga­gier­ten Re­si­denz­thea­ter schau­spie­ler Oli­ver Nä­ge­le­üb er Ur­su­la Busch horn, die mit Ein fast per­fek­ter Mord bald auf Thea­ter­tour­nee geht, bis zu Cleo Kret­sch­mer, die sich nach ih­rer Hirn­blu­tung 1998 aufs Schrei­ben ver­legt hat, al­le ei­nig. Aber kei­ner sag­te es so schön wie Gil­bert von Soh­lern, für den Exis­tenz­ängs­te fes­ter Be­stand­teil sei­nes Le­bens sind: „Wenn ich schon ar­beits­los bin, dann bin ich das lie­ber da, wo es schön ist.“Da­bei wa­ren u.a.auch:G ast­ge­ber Die­ter Rei­ter, der stolz dar­auf war, dass die Stadt in die­sem Jahr 200 Mil­lio­nen Eu­ro für das Kul­tur­re­fe­rat be­reit­ge­stellt hat; Uschi Glas, die we­gen ih­res En­ga­ge­ments für ih­ren Ver­ein bro­tZeit „im Film rar ge­wor­den ist, Bob­by und Gerd Bre­der­low, Con­ny Glog­ger, Glo­ria Gray u.v.m.

Fo­tos: Heinz Weiß­fuß

Sooo ver­liebt: Jan Hart­mann und sei­ne frisch an­ge­trau­te Ehe­frau Ju­lia OB Die­ter Rei­ter lud in das Al­te Rat­haus – und lau­ter be­kann­te Künst­ler ka­men, wie Sa­mu­el Koch und sei­ne Frau Sa­rah Ele­na Koch, ge­bo­re­ne Tim­pe, die bei­de als Schau­spie­ler u.a. in Mün­chen ar­bei­ten

OB Die­ter Rei­ter mit Uschi Glas und Die­ter Her­mann (re.) Alt-OB Chris­ti­an Ude und rechts die Schau­spie­le­rin­nen Karin Tha­ler, Ma­ria Bach­mann so­wie Ur­su­la Busch­horn (v. li.)

Neh­men ihr Le­ben nicht zu tra­gisch: Gil­bert von Soh­lern und Ott­fried Fi­scher (re.)

Dan­cing­queen Sis­si Per­lin­ger und Uli Bau­er

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