Die Ge­fahr So­ci­al Me­dia

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Statt ei­nes Ein­spie­lers zum 30-jäh­ri­gen Ju­bi­lä­um der Münch­ner Me­dien­ta­ge blieb der Bild­schirm schwarz – aus­ge­rech­net vor Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel. „Da müs­sen wir wohl in The­ra­pie ge­hen“, unk­te Lan­des­va­ter Horst See­ho­fer. Die Kanz­le­rin trös­te­te un­ter brei­tem Pu­bli­kums­ge­läch­ter: „Bay­ern braucht an sei­nem Selbst­be­wusst­sein nicht zu zwei­feln.“

In der Dis­kus­si­on um die Glaub­wür­dig­keit des klas­si­schen Jour­na­lis­mus brach­te Mo­de­ra­to­rin Dun­ja Ha­ya­li schwar­zen Gal­gen­hu­mor: „Lü­gen­pres­se“oder „links-grün ver­siff­tes Me­di­en­pack“wä­re auch ei­ne Be­grü­ßung ge­we­sen. Mer­kel da­ge­gen warn­te in ih­rer Er­öff­nungs­re­de, dass Men­schen in den So­zia­len Netz­wer­ken nur Mei­nun­gen von Gleich­ge­sinn­ten le­sen. „Sol­che Mecha­nis­men, wenn sie nicht trans­pa­rent sind, kön­nen zur Ver­zer­rung der Wahr­neh­mung füh­ren und den Blick­win­kel ver­en­gen.“Wie sehr das In­ter­net die de­mo­kra­ti­sche Me­dien­land­schaft wand­le, er­läu­ter­te an­schau­lich der stell­ver­tre­ten­de Chef­re­dak­teur des ORF. „Die bes­te Nach­richt ist heu­te nicht mehr die Rea­lis­tischs­te, son­dern die mit den meis­ten Klicks.“Wolf ap­pel­lier­te an die Me­di­en­ma­cher, die Nut­zer zu se­riö­sem Jour­na­lis­mus zu ver­füh­ren. Wenn So­ci­al Me­dia die De- mo­kra­tie ha­cke, müs­se man eben So­ci­al Me­dia ha­cken, so Wolf.

Ul­rich Wil­helm, In­ten­dant des Baye­ri­schen Rund­funks, hat­te zu­vor er­läu­tert, den Sen­der nicht mehr ge­trennt nach Me­di­en wie Ra­dio, Fern­se­hen oder In­ter­net, son­dern nach In­hal­ten über die ver­schie­de­nen Aus­spiel­we­ge zu or­ga­ni­sie­ren. Es gel­te, die Ba­lan­ce zwi­schen per­so­na­li­sier­ten An­ge­bo­ten und der Gr­und­ver­sor­gung zu hal­ten.

Im Talk der Sen­der­chefs kam es an die­sem Nach­mit­tag auch zum Aus­bruch des al­ten Kon­flikts zwi­schen Öf­fent­lich-Recht­li­chen und Pri­vat­sen­dern. Pro-Sie­ben-Sat.1Vor­stand Con­rad Al­bert for­dert vom BR, auf Wer­bung zu ver­zich­ten und sym­pa­thi­siert mit der jüngst an­ge­dach­ten Zu­sam­men­le­gung von ARD und ZDF. Nach ei­ner brei­ten Zu­stim­mung für den Vor­schlag Horst See­ho­fers se­he es nicht aus, er­wi­der­te BR-Chef Wil­helm. Und we­nigs­tens er konn­te da­bei lä­cheln.

Foto: dpa

Gro­ßer Auf­marsch bei den Me­dien­ta­gen u.a. mit Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel, Horst See­ho­fer und Mi­nis­te­rin Il­se Ai­g­ner

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