So hart trifft es die NA­DA!

tz - - SPORT - KLAUS HEYDENREICH

Es geht um 300 000 Eu­ro, und wie bei so vie­len Din­gen liegt Di­men­si­on ei­ner Sa­che im Au­ge des Be­trach­ters. 300 000 Eu­ro al­so zahl­te Adi­das bis­her an die Na­tio­na­le An­ti­do­ping­be­hör­de NA­DA, nun wird das Geld ge­stri­chen – und da­mit sind wir bei der Fra­ge der Di­men­si­on. Für Adi­das ist der Be­trag ein Klacks, das zeigt ein Ver­gleich: Ab 2020 zahlt der Sport­ar­ti­kel­rie­se dem FC Bay­ern et­wa 60 Mil­lio­nen Eu­ro. Pro Jahr. Für die Na­da blei­ben nun nicht mal mehr 0,5 Pro­zent die­ser Sum­me üb­rig, und das ist ein her­ber Schlag für den An­ti­do­ping­kampf in Deutsch­land. Die NA­DA re­agier­te bit­ter ent­täuscht. Denn es han­de­le sich um „ei­ne Sum­me, die von Sport­lern in be­stimm­ten Sport­ar­ten mitt­ler­wei­le in­ner­halb von Wo­chen und Mo­na­ten ver­dient wird“, sag­te Vor­stands­mit­glied Lars Mort­sie­fer. Adi­das-Spre­cher Oli­ver Brüg­gen mein- te zwar, dass man der NA­DA „ver­bun­den blei­ben“wol­le und „ak­tu­ell im Ge­spräch über al­ter­na­ti­ve For­men der Zu­sam­men­ar­beit“sei. Mort­sie­fer je­doch weiß da­von nichts: „Wir ha­ben Vor­schlä­ge ge­macht, aber da­zu bis­lang kei­ne Rück­mel­dung er­hal­ten.“

Im­mer­hin ist nun ei­ne Sa­che be­en­det, die Prof. Fritz Sör­gel an­spricht. „Adi­das konn­te sich in der Ver­gan­gen­heit hoch­of­fi­zi­ell da­mit schmü­cken, im An­ti­do­ping­kampf mit­zu­wir­ken. An­ge­sichts ei­ner über­schau­ba­ren Sum­me von 300 000 Eu­ro kann man da schon von ei­nem Fei­gen­blatt spre­chen“, sagt der An­ti­do­ping­ex­per­te vom In­sti­tut für Bio­me­di­zi­ni­sche und Phar­ma­zeu­ti­sche For­schung der tz. Aber, fügt er an: „Im­mer­hin hat das Un­ter­neh­men die­se 300 000 Eu­ro zur Ver­fü­gung ge­stellt, und es er­gibt sich dar­aus ei­ne an­de­re Fra­ge: War­um hat denn nur Adi­das ge­zahlt und wo wa­ren all die an­de­ren Un­ter­neh­men, die mit Sport viel Geld ver­die­nen?“

In der Tat ist die Fi­nan­zie­rung der NA­DA seit ih­rer Grün­dung 2002 ei­ne Mo­gel­pa­ckung. Das Mo­dell mit För­der­part­nern aus Po­li­tik, Sport und der Wirt­schaft, funk­tio­nier­te nie rich­tig, über die Jah­re sind un­ter an­de­rem die Deut­sche Bank, der Nord­milch-Kon­zern und der Ge­trän­ke­her­stel­ler Bio­na­de ab­ge­sprun­gen. Auch von der Te­le­kom, die we­gen ih­rer schmut­zi­gen Rad­sport-Ver­gan­gen­heit viel Geld ge­zahlt hat­te, sieht die NA­DA kei­nen Cent mehr. Die Schluss­fol­ge­rung von Prof. Sör­gel ist lo­gisch: „Ei­gent­lich ist es ja grund­sätz­lich be­fremd­lich, dass Fir­men über­haupt in der­ar­ti­gen Or­ga­ni­sa­tio­nen ver­tre­ten sind. Da geht es doch um Un­ab­hän­gig­keit. In mei­nen Au­gen wä­re der Staat in der Pflicht, Or­ga­ni­sa­tio­nen wie die NA­DA so aus­zu­stat­ten, dass gar nicht erst die Not­wen­dig­keit ei­ner pri­va­ten Fi­nan­zie­rung ent­steht.“Ge­nau das könn­te nun ein The­ma wer­den. Es stel­le „sich die Fra­ge nach dem Stif­tungs­mo­dell, das man ge­trost als ge­schei­tert be­zeich­nen darf“, sag­te Dag­mar Frei­tag, die Vor­sit­zen­de des Sport­aus­schus­ses im Bun­des­tag. Ob das wirk­lich ei­ne Hoff­nung für die NA­DA ist? Auf­lö­sung von Rück­stel­lun­gen 1,3 % / 120.000 Eu­ro

Zu­wen­dun­gen Län­der 1,6 % / 145.420 Eu­ro

Sons­ti­ges 1,2 % / 108.975 Eu­ro

Zu­wen­dun­gen Bund NA­DA 39,9 % / 3.606.238 Eu­ro

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