Cer­ne

tz-In­ter­view mit dem XY-Mo­de­ra­tor

tz - - ERSTE SEITE - Ru­di Cer­ne ZDF-Mo­de­ra­tor IN­TER­VIEW: RU­DOLF OGIERMANN

Nicht nur die Fahn­dung nach flüch­ti­gen Straf­tä­tern, auch die Ver­bre­chens­vor­beu­gung ge­hört von An­fang an zum Kon­zept von Ak­ten­zei­chen: XY … un­ge­löst. In ei­ner Spe­zi­al­aus­ga­be zeigt Ru­di Cer­ne heu­te Abend spek­ta­ku­lä­re Be­trugs­fäl­le – und gibt Tipps, wie man sich vor Ga­no­ven schüt­zen kann. Wir spra­chen mit dem 58-jäh­ri­gen Mo­de­ra­tor.

Herr Cer­ne, die heu­ti­ge Sen­dung er­in­nert an den Edu­ard-Zim­mer­man­nKlas­si­ker „Vor­sicht Fal­le!“mit dem hüb­schen Un­ter­ti­tel „Nep­per, Schlep­per, Bau­ern­fän­ger“. Wird die Sen­dung re­cy­celt?

Ru­di Cer­ne: Na ja, Re­cy­cling wür­de ich das nicht nen­nen. Wir ha­ben gro­ßen Er­folg mit Ak­ten­zei­chen: XY … un­ge­löst und wol­len die Tat­sa­che, dass uns re­gel­mä­ßig vie­le Men­schen zu­schau­en, für die­se Spe­zi­al­aus­ga­be nut­zen.

Sie stel­len ver­schie­de­ne Fäl­le von Be­trug vor. Wel­cher ist der spek­ta­ku­lärs­te?

Cer­ne: Da fällt mir zu­erst das „Ro­mance Scamming“ein – ein Be­griff, der mir selbst neu war. Da wird über ei­ne Part­ner­bör­se im In­ter­net mit dem Op­fer Kon­takt auf­ge­nom­men. Das Strick­mus­ter ist im­mer ähn­lich, der Scam­mer gibt sich als gut si­tu­iert aus, als Arzt oder In­ge­nieur. In un­se­rem Fall war es ein ame­ri­ka­ni­scher Of­fi­zier. Das fing harm­los an, da wur­de pro Tag ein- bis zwei­mal hin und her ge­chat­tet, bis ir­gend­wann Geld ins Spiel kam, mit dem das Op­fer dem Tä­ter aus ei­ner Klem­me hel­fen soll­te. Erst wa­ren es 2000 Eu­ro, am En­de war die Frau um 75 000 Eu­ro är­mer. Na­tür­lich gab es die­sen Of­fi­zier gar nicht, die An­ru­fe ka­men aus ei­nem Call­cen­ter im Li­ba­non.

Tä­ter und Op­fer ha­ben sich nie ge­se­hen?

Cer­ne: Nein, die sind sich nie be­geg­net.

Gibt es Ma­schen, die in jüngs­ter Zeit häu­fig an­ge­wandt wer­den?

Cer­ne: Lei­der al­les, was mit Uni­for­men zu tun hat. Gau­ner ge­ben sich als Po­li­zis­ten aus, als Post­bo­ten, als Hand­wer­ker. Meis­tens kom­men zwei – ei­ner ver­wi­ckelt das Op­fer in ein Ge­spräch, der an­de­re sucht zu­meist un­be­merkt nach Wert­sa­chen.

Vie­le Zu­schau­er wer­den glau­ben, dass Ih­nen so et­was selbst nie pas­sie­ren könn­te.

Cer­ne: Das Ver­rück­te ist, dass auch vie­le Op­fer hin­ter­her nicht mehr nach­voll­zie­hen kön­nen, wie sie so blind sein konn­ten. Aber sie wer­den ja auch ge­zielt aus­ge­sucht. In dem ge­nann­ten und in ei­nem wei­te­ren Fall, den wir vor­stel­len, sind das Wit­wen, die sich nach ei­ner star­ken Schul­ter seh­nen. Das nüt­zen die Be­trü­ger aus, bis zum bit­te­ren En­de.

Ha­ben es Be­trü­ger heu­te leich­ter als frü­her?

Cer­ne: Schwer zu sa­gen. Das Pro­blem ist si­cher die im­mer äl­ter wer­den­de Ge­sell­schaft, es gibt heu­te zah­len­mä­ßig mehr po­ten­zi­el­le Op­fer als frü­her. Vie­le Mög­lich­kei­ten für Be­trü­ge­rei­en bie­tet auch das In­ter­net.

An­de­rer­seits ver­brei­ten sich ja auch War­nun­gen über das In­ter­net heu­te viel leich­ter – das müss­te die Men­schen doch sen­si- bi­li­sie­ren für die Ge­fah­ren.

Cer­ne: Na­tür­lich. Wir hof­fen aber, über das gu­te al­te Me­di­um Fern­se­hen über neue Be­trugs­ma­schen zu in­for­mie­ren und bei den Zu­schau­ern ein ge­sun­des Miss­trau­en zu we­cken.

Was wür­den Sie den Zu­schau­ern ra­ten?

Cer­ne: Ich wür­de mich nie auf Te­le­fon­ge­schäf­te ein­las­sen – und schon gar nicht, wenn der An­ru­fer sei­ne Num­mer un­ter­drückt. Und wenn ein An­ge­bot im Ein­zel­fall doch in­ter­es­sant sein könn­te, kann man sich et­was mit der Post schi­cken las­sen, in Ru­he nach­den­ken und dann selbst ak­tiv auf den Ver­käu­fer zu­ge­hen. Das­sel­be gilt auch an der Haus­tür. Nie­mals Ver­trä­ge zwi­schen Tür und An­gel ab­schlie­ßen. Auch wenn das vi­el­leicht als ab­wei­send auf­ge­fasst wird – man muss sich so ver­hal­ten, wenn man nicht hin­ter­her der Dum­me sein will.

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