So war Lau­ra Pau­si­ni

tz - - ERSTE SEITE - MAT­THI­AS BIE­BER

„Hän­de hoch!“, ruft Lau­ra Pau­si­ni in die Olym­pia­hal­le, be­vor sie Pri­ma­ve­ra in an­ti­ci­po an­singt. An­singt? Ja, weil ein gro­ßer Teil ih­res Kon­zerts aus Med­leys be­steht. Das hat den Vor­teil, dass die 42-jäh­ri­ge Nord­ita­lie­ne­rin mög­lichst viel Re­per­toire an den Mann und die Frau brin­gen kann. Und den Nach­teil, dass man sich eher bei ei­ner Leis­tungs­schau denn ei­nem dra­ma­tur­gisch pa­cken­den Abend wähnt. Qua­si mit­ten in Lau­ras lust­vol­ler Lied-La­sa­gne. Sehr ka­lo­ri­en­reich – aber schwer zu wi­der­ste­hen. Auch, weil der Ope­ner „Si­mi­li“gleich or­dent­lich zün­det, der Sound satt, aber nicht knal­lig ist, das St­ro­bo­ge­wit­ter be­ein­druckt und die LED-Schir­me ta­del­los sind.

Lau­ra, in ih­rer Hei­mat und im la­tein­ame­ri­ka­ni­schen Raum ein Su­per­star, tut sich in ErosDeutsch­land noch im­mer schwer. Bis­her trat sie im Kro­ne auf, jetzt sollt‘s die Oly­hal­le sein. Die war, po­si­tiv ge­schätzt, mit 4000 meist ita­lie­ni­schen Fans ge­füllt. Doch Pau­si­ni lässt sich’s nicht an­mer­ken, ver­brei­tet gu­te Lau­ra-Lau­ne und Ener­gie und lässt sich von ih­ren 13 mu­si­ka­li­schen Mit­strei­tern tra­gen. Und als sie ih­rem Töch­ter­chen ihr Lie­bes­lied Ce­les­te wid­met, mit al­ler In­brunst ih­rer Samt­stim­me und mit Vi­deo-Ein­spie­lun­gen der Klei­nen, sind den emo­zio­ni Tür und Tor ge­öff­net. Der stol­ze Pa­pa Pao­lo spielt die Akus­ti­sche da­zu. Mam­ma Mai, Ita­lie­ner müss­te man sein...

Über­haupt: Mag‘s auch pres­to durch die Songs ge­hen, ar­ran­giert sind sie ab­wechs­lungs­reich von ganz in­ti­men So­lo­mo­men­ten bis vol­les Rohr, wo auch mal deut­lich ro­ckig ge­rotzt wer­den darf. Am­bi­tio­niert, en­ga­giert, wohl­kal­ku­liert. Und so mag zwar der gro­ße Stei­ge­rungs­bo­gen feh­len, aber da­für gibt‘s durch­ge­hend sanft plät­schern­de Wo­gen zum Wohl­füh­len.

Lau­ras gro­ße Trümp­fe: ful­mi­nan­te Stim­me, erz­sym­pa­thi­sche Aus­strah­lung, Ener­gie und je­ne ita­lie­ni­sche – par­don – Ver­schwätzt­heit in den An­sa­gen, de­nen man als Deut­scher stun­den­lang lau­schen könn­te. Und das so­wie­so, wenn sie herr­lich auf Deutsch ra­de­brecht und ei­nen Zu­hö­rer auf die Büh­ne bit­tet. So geht‘s frisch und ent­spannt vor­an, mit ita­lie­ni­scher Me­lo­dien­se­lig­keit und süf­fi­ger Main­stream-Po­wer.

Da­mit ist jetzt erst­mal Schluss. Denn Lau­ra macht jetzt wohl­ver­dien­te Pau­si­ni nach ih­rer mo­na­te­lan­gen Tour­nee. Mün­chen war die letz­te Sta­ti­on. Ciao Bel­la, a pres­to – hof­fent­lich!

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