Al­ters­ar­mut be­droht Ge­ring­ver­die­ner

tz - - POLITIK -

Im Ver­gleich zum sat­ten Plus, das Rent­ner im Jahr 2016 ver­bu­chen konn­ten, fällt die Er­hö­hung der Al­ters­be­zü­ge nächs­tes Jahr wohl be­schei­de­ner aus. 2,3 Pro­zent mehr be­kom­men die Ru­he­ständ­ler im Wes­ten der Re­pu­blik (2016: 4,25 Pro­zent), 2,58 Pro­zent (5,95 Pro­zent) im Os­ten. Die­se Zah­len hat die Ol­den­bur­ger Nord­west-Zei­tung dem Haus­halts­plan der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung Bund ent­nom­men. Die Ren­ten­ver­si­che­rung be­ton­te, der­zeit sei­en noch kei­ne be­last­ba­ren Aus­sa­gen zur Hö­he der nächs­ten Ren­ten­an­pas­sung mög­lich. Ge­nau-

Wirk­lich über­ra­schend ist es nicht, was der Al­ters­si­che­rungs­be­richt 2016 der Bun­des­re­gie­rung pro­gnos­ti­ziert: Vie­le Men­schen in Deutsch­land rut­schen oh­ne mehr ei­ge­ne Vor­sor­ge vor­aus­sicht­lich in Al­ters­ar­mut ab. Vor al­lem Ge­ring­ver­die­ner sind nach den Pro­gno­sen be­trof­fen. 47 Pro­zent der Nied­rig­ver­die­ner ha­ben kei­ner­lei zu­sätz­li­che Al­ters­vor­sor­ge, wie laut dpa aus dem Re­port her­vor­geht. ere Pro­gno­sen wer­den erst für No­vem­ber er­war­tet, al­le re­le­van­ten Da­ten gibt es erst im Früh­jahr.

Soll­te der An­stieg wie vor­her­ge­sagt ein­tre­ten, han­delt es sich (im Wes­ten) um den dritt­höchs­ten Sprung der letz­ten 20 Jah­re. Von 1995 bis 2014 fie­len die Ren­ten­er­hö­hun­gen ma­ger aus oder es gab gar kei­ne: Die ge­fürch­te­ten Null­run­den gab un­ter an­de­rem 2004 bis 2006 und 2010, in West und Ost glei­cher­ma­ßen.

Die Ren­te hinkt den Löh­nen im­mer stär­ker hin­ter­her. Das Ren­ten­ni­veau drückt die­sen Zu­sam­men­hang aus. Bis 2035 fällt es von heu­te 47,8 Pro- zent nach Be­rech­nun­gen des So­zi­al­mi­nis­te­ri­ums auf un­ter 43 Pro­zent – bis 2045 soll es auf 41,6 Pro­zent sin­ken, wenn nicht ge­gen­ge­steu­ert wird. Ge­setz­li­che Vor­ga­ben gibt es bis­her nur bis 2030. Bis da­hin darf das Ni­veau nicht un­ter 43 Pro­zent sin­ken.

An­ge­sichts der Al­te­rung der Ge­sell­schaft hal­ten die Par­tei­en ei­ne Ren­ten­re­form für nö­tig. So­zi­al­mi­nis­te­rin Andrea Nah­les (SPD) hat­te sich für ei­ne „Hal­t­el­i­nie“aus­ge­spro­chen, ei­ne Un­ter-

Das Ver­sor­gungs­ni­veau der zu­künf­ti­gen Rent­ner wer­de „oh­ne zu­sätz­li­che Al­ters­vor­sor­ge in den kom­men­den Jah­ren deut­lich zu­rück­ge­hen“, heißt es laut SZ in der Re­gie­rungs­ana­ly­se. Vor al­lem für Ge­ring­ver­die­ner ein er­heb­li­ches Ri­si­ko.

Ins­ge­samt sorg­ten ge­ra­de die Be­zie­her ge­rin­ger Ein­kom­men zu we­nig zu­sätz­lich vor, heißt es laut der Pas­sau­er Neue Pres­se in dem Be­richt wei­ter. „Wäh- gren­ze bis 2045. Die Füh­run­gen der Uni­ons­par­tei­en wol­len dar­über am Frei­tag be­ra­ten. Ge­gen die CSU-For­de­rung nach ei­ner Aus­wei­tung der Müt­ter­ren­te gibt es in der CDU Wi­der­stand.

SPD-Frak­ti­ons­chef Tho­mas Op­per­mann warn­te da­vor, im Wahl­kampf ei­nen „Wett­lauf um un­be­zahl­ba­re Re­for­men“zu ver­an­stal­ten. „Ge­ra­de bei der Ren­te darf man nicht mehr ver­spre­chen, als man hin­ter­her leis­ten kann.“ rend über al­le Ein­kom­mens­klas­sen hin­weg rund 30 Pro­zent der Be­frag­ten an­ga­ben, über kei­ne zu­sätz­li­che Al­ters­vor­sor­ge zu ver­fü­gen, sind es bei den Ge­ring­ver­die­nern mit ei­nem Brut­to­lohn von we­ni­ger als 1500 Eu­ro pro Mo­nat knapp 47 Pro­zent.“Da­bei ge­he es um rund 1,9 Mil­lio­nen der knapp 4,2 Mil­lio­nen er­fass­ten so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Be­schäf­tig­ten in die­ser Niedrig- lohn­grup­pe. Die Lin­ken be­zeich­nen es als „zy­nisch“, Ge­ring­ver­die­nen­den zu emp­feh­len, pri­vat vor­zu­sor­gen. DGBVor­stands­mit­glied An­ne­lie Bun­ten­bach sag­te, Men­schen mit kleins­tem Ein­kom­men könn­ten Ren­ten­lü­cken nicht über pri­va­te Al­ters­vor­sor­ge aus­glei­chen.

Män­ner ha­ben mit ei­nem Al­ters­ein­kom­men von im Schnitt 1700 Eu­ro fast 600 Eu- ro mehr zur Ver­fü­gung als Frau­en. Ins­ge­samt ver­fü­gen 70,4 Pro­zent über ei­ne zu­sätz­li­che Vor­sor­ge, 33,8 Pro­zent über ei­nen Ries­ter-Ver­trag, 20,4 Pro­zent so­wohl über ei­ne Ries­ter-Po­li­ce als auch über ei­ne be­trieb­li­che Vor­sor­ge.

Wie­der zeigt sich die Kluft zwi­schen Rent­nern und Pen­sio­nis­ten: Be­am­te kön­nen im Ru­he­stand mit durch­schnitt­lich 2300 Eu­ro net­to rech­nen.

Fo­to: dpa Qu­el­le: tz-Be­rech­nun­gen

Gro­ße Sprün­ge sind mit dem Ren­ten­plus 2016 nicht drin, aber viel­leicht ein Wan­der­tag

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