Lie­bes­er­klä­rung an die Ma­ma

tz - - MENSCHEN - MA­RIA ZSOLNAY

Sie bleibt’s ein­fach im­mer, die Ma­ma. Auch wenn sie Sen­ta Ber­ger heißt und ei­ne Lein­wand­göt­tin ist. Doch wenn der Bub, mitt­ler­wei­le ein re­spek­ta­bler, preis­ge­krön­ter Re­gis­seur, mit ihr zum ers­ten Mal ei­nen Film dreht, soll’s ihm halt auch an nix man­geln, gell. „Ma­ma bleibt Ma­ma, küm­mert sich um al­les, so­gar, ob ich warm an­ge­zo­gen bin. Das wird sie nie ab­le­gen“, er­zählt Si­mon Ver­hoeven, der am Di­ens­tag­abend zur Welt­pre­mie­re sei­ner Flücht­lings­ko­mö­die Will­kom­men bei den Hart­manns ins Münch­ner Mat­hä­ser­ki­no bat. Ein wun­derba­rer Film, der Vor­ur­tei­len, Igno­ranz und Ab­leh­nung Hu­mor ent­ge­gen­setzt, oh­ne in Spott oder Lä­cher­lich­keit ab­zu­drif­ten. Ei­ne Grat­wan­de­rung, die auch dank der gran­dio­sen Be­set­zung ge­lang. Wie die mit Ma­ma Sen­ta: „Ich stand oft hin­ter der Ka­me­ra und dach­te mir: Mein Gott, mei­ne Mut­ter macht aus ei­nem klei­nen Mo­ment ei­nen ganz gro­ßen Au­gen­blick“, schwärmt Ver­hoeven.

Näch­te­lang saß man zu­sam­men am Kü­chen­tisch“, so Ber­ger, dis­ku­tier­te, plan­te. „Doch letzt­end­lich ist er der Re­gis­seur.“Der auch Per­sön­li­ches aus sei­nem El­tern­haus im Film ver­ar­bei­tet hat. Wie die Kat­ze, die halb­to­te Mäu­se nach Hau­se brach­te und die dann wie­der von Ma­ma Sen­ta auf­ge­päp­pelt wur­den. „Mein Maus­hel­fer­syn­drom“, wie sie sagt und lä­chelt: „Wis­sen Sie, ich ha­be mich nie dar­an ge­wöhnt, dass die Kin­der aus dem Haus sind.“

Ei­gent­lich sei doch jetzt Platz ge­nug für ei­nen Flücht­ling? „Ein Zim­mer mit Bad ha­ben wir. Das ist nicht das Prob

lem. Viel wich- ti­ger ist es doch, die Men­schen an die Hand zu neh­men“, so Ber­ger. „Sie brau­chen je­man­den, der ih­nen hilft, sie ak­tiv un­ter­stützt.“Doch das sei bei ih­rem un­ste­ten Le­ben nicht mög­lich – fin­det auch Hei­ner Lau­ter­bach. „Wenn man das tut, dann muss man sich auch küm­mern. „Ein Flücht- ling ist kein Gold­hams­ter, den man in ei­ner Ecke ab­stel­len kann.“

Ei­si Gulp (spielt im Film den Lei­ter des Flücht­lings­hei­mes) wür­de „je­der­zeit und so­fort“Flücht­lin­ge bei sich auf­neh­men. Aber? „Ich woh­ne in ei­nem win­zi­gen Dorf, wo prak­tisch nichts ist.“Au­ßer­dem ist er meis­tens un­ter­wegs. Aber er en­ga­gie­re sich für die, die in der Um­ge­bung un­ter­ge­kom­men sind. „Und selbst bei 70, 80 Flücht­lin­gen gibt es bei uns Leu­te, die Angst um ih­re Pf­rün­de ha­ben. Da kann ich wü­tend wer­den.“

Im Film nimmt Fa­mi­lie Hart­mann den Flücht­ling Di­al­lo auf (wun­der­bar ge­spielt von Ver­hoevens Ent­de­ckung Eric Kabon­go). Da­bei ge­rät der All­tag or­dent­lich durch­ein­an- der – aber nicht weil Di­al­lo Pro­ble­me macht, son­dern weil jetzt die Span­nun­gen, un­aus­ge­spro­che­ne Pro­ble­me und ver­letz­te Ei­tel­kei­ten aufs Ta­pet kom­men. Wie bei Flo­ri­an Da­vid Fitz, der den su­per­ge­stress­ten An­walt gibt und bei­na­he zu spät er­kennt, dass sein Sohn wich­ti­ger ist als sein Job. „Die Dreh­ar­bei­ten wa­ren skur­ril für mich. Mit Sen­ta Ber­ger und Hei­ner Lau­ter­bach zu dre­hen, mei­ne Vor­bil­der, war so, als ob ich in ei­ner Fol­ge von Kir Roy­al mit­spie­len wür­de.“

Die Fans, die sich am En­de des ro­ten Tep­pichs drän­geln durf­ten, woll­ten von der gan­zen Cr­ew vor al­lem ei­nen se­hen: Elyas M’Barek („Deutsch­land ist ein gei­les Land mit tol­len Wer­ten“). Und der brach­te sei­ne neue (Film)-Lie­be mit: Pa­li­na Ro­jin­ski. Die bei­den schmach­ten sich im Film ganz schön an – beim ers­ten Lein­wand­kuss raun­te denn auch das Pu­bli­kum...

Fei­ern bis zum Um­fal­len woll­te er trotz­dem nicht. „Ich ha­be mor­gen den ers­ten Dreh­tag für mei­nen nächs­ten Film. Da soll­te ich nicht ganz fer­tig an­kom­men.“Ach ja, den Stop­pel­bart muss­te er sich da­für auch ab­ra­sie­ren. Um­so bes­ser. „Ich steh auf glatt­ra­sier­te Män­ner. Al­les an­de­re kratzt beim Knut­schen so“, fin­det Ro­jin­ski. Eben­falls mit­ge­fei­ert – im Ki­no und spä­ter im Pa­lais Len­bach – ha­ben: die Schau­spie­ler Ul­ri­ke Krie­ner, Adri­an Can und Pe­ter Rap­pen­glück, die Pro­du­zen­ten Max Wie­de­mann und Qui­rin Berg, Andrea Kai­ser, Mar­tin Krug und Mu­si­ker Mark Fors­ter.

Fo­to: Schnei­der- Press

tz. Auf dem ro­ten Tep­pich: Hei­ner Lau­ter­bach küsst Ehe­frau Vik­to­ria. Spä­ter po­sier­te Lau­ter­bach (v.li.) mit Elyas M’Barek, Eric Kabon­go, Qui­rin Berg und Flo­ri­an Da­vid Fitz hin­term Holz-Ze­bra Die Pro­du­zen­ten Max Wie­de­mann (v.li.) und Qui­rin Berg mit Mu­si­ker Mark Fos­ter, Flo­ri­an Da­vid Fitz mit Film­sohn Ma­ri­nus Hoh­mann und Co­me­di­an Ei­si Gulp

Sen­ta Ber­ger um­armt Sohn Si­mon Ver­hoeven für sei­nen Film „Will­kom­men bei den Hart­manns“: „Ich bin stolz auf ihn“, sagt sie der tz. Lie­bes­paar im Film: Elyas M’Barek mit Pa­li­na Ro­jin­ski bei der Pre­mie­re (li.) und im Film (un­ten) Völ­lig über­for­dert: Chef­arzt Hart­mann (Hei­ner Lau­ter­bach) mit Flücht­ling Di­al­lo (Eric Kabon­go)

Ul­ri­ke Krie­ner mit Ehe­mann Ge­org We­ber

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