Jo­sé Car­re­ras ver­ab­schie­det sich

tz - - MENSCHEN - MAT­THI­AS BIE­BER TO­BI­AS HELL

Ab­schied neh­men, das fällt sel­ten leicht. Und da ging es auch je­nen treu­en Fans nicht an­ders, die sich nun in der Phil­har­mo­nie ein­ge­fun­den hat­ten, um Star­te­nor Jo­sé Car­re­ras (69) noch ein al­ler­letz­tes Mal live zu er­le­ben und ihn für sein Le­bens­werk zu fei­ern.

Gan­ze sechs Zu­ga­ben wa­ren es, die man sich noch mit Blu­men, klei­nen Ge­schen­ken und ste­hen­den Ova­tio­nen er­trotz­te, ehe nach dem weh­mü­ti­gen Non ti scor­dar mai di me ein ehr­lich ge­mein­tes „Dan­ke Mün­chen“das En­de die­ses für bei­de Sei­ten emo­tio­na­len Abends ver­kün­de­te.

Auch wenn der Ka­ta­la­ne sei­ne Tour mit dem Mot­to A life in Mu­sic über­schrie­ben hat­te, muss­te man da­bei trotz­dem auf die ei­ne oder an­de­re Pa­ra­de­par­tie ver­zich­ten. Doch ei­ne Jagd von ei­nem ho­hen C zum nächs­ten, wie bei manch jün­ge­rem Kol­le­gen, dürf­te hier wohl oh­ne­hin nie­mand er­war­tet ha­ben. Car­re­ras prä­sen­tier­te ein klug aus­ge­wähl­tes Pro- in un­er­schöpf­li­ches Thema, aber es lässt kei­nen kalt: Hei­mat. Heu­te um 20 Uhr wid­men sich im Li­te­ra­tur­haus am Sal­va­tor­platz (Bi­b­lio­thek) gleich 27 Dich­ter dem Su­jet und tra­gen ih­re Ge­dich­te vor. An­lass: das neue, druck­fri­sche Buch (Band 24). In der fas­sen sechs der Teil­neh­mer schon mal kurz und bün­dig zu­sam­men, was für sie Hei­mat ist. Kar­ten zu 9 Eu­ro (erm. 7€) un­ter Tel. 29 19 34 27, Mehr In­fos: www.das­ge­dicht.de gramm, das sich auf Stü­cke in be­que­mer La­ge kon­zen­trier­te und so die im­mer noch vor­han­de­nen Qua­li­tä­ten sei­ner Stim­me be­ton­te.

Viel nea­po­li­ta­ni­sches Lied­gut ist dar­un­ter, Num­mern von Tan­go­kö­nig Car­los Gar­del, aber eben­so Ope­ret­te und Mu­si­cal, wie et­wa den Man of La Man­cha, des­sen Im­pos­si­ble Dream al­ler­dings arg de­kla­ma­to­risch ge­riet. Auch bei der trans­po­nier­ten Ba­jaz­zo- Arie muss­te man schon ein Au­ge zu­drü­cken, zog aber den­noch den Hut vor dem in­ten­si­ven Gestal­ter Car­re­ras.

Und so hät­te man ihm durch­aus mo­ti­vier­te­re Part­ner ge­gönnt als das Bo­he­mia Sin­fo­nie­or­ches­ter Prag, das Ver­di, Goun­od oder spa­ni­sche Zar­zue­la im gleich­blei­bend glat­ten Ein­heits­klang ser­vier­te.

Aber wer weiß, die For­mu­lie­rung Fi­nal World Tour lässt ja noch ein Hin­ter­tür­chen of­fen. Die Welt ist schließ­lich groß.

Fo­to: Schnei­der­press

Als ei­ner der „Drei Te­nö­re“zu Welter­folg: Jo­sé Car­re­ras sag­te in der Phil­har­mo­nie Adieu zu sei­nen Münch­ner Fans

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