Miss Marp­le auf Is­län­disch

tz - - KULTUR + TV - IN­TER­VIEW: D. DEMMERLE / TSCH

Ih­re Hei­mat sind längst die USA – be­ruf­lich wie pri­vat. Fran­ka Po­ten­te, die mit ih­rem Mann, dem Schau­spie­ler De­rek Richard­son, und ih­ren bei­den Töch­tern in Los An­ge­les lebt, hat als ei­ne der ganz we­ni­gen Deut­schen den Sprung nach Hol­ly­wood ge­schafft. Sie, die einst als Lo­la mit knall­ro­ten Haa­ren durch Ber­lin rann­te, steht seit Jah­ren mit US-Stars wie John­ny Depp ( Blow, 2001) und Matt Da­mon ( Die Bourne Iden­ti­tät, 2002 und 2004) vor der Ka­me­ra. Nun hat die 42-Jäh­ri­ge aber of­fen­sicht­lich wie­der ih­re Lie­be fürs deut­sche Fern­se­hen ent­deckt. In der ARD ist sie ab heu­te als Haupt­dar­stel­le­rin der Is­land-Kri­mis zu se­hen. Sie spielt die Kri­mi­au­to­rin Sol­veig Karls­dot­tir, die in ech­te Mord­fäl­le ge­rät.

Frau Po­ten­te, der Dreh­buch­au­tor Don Boh­lin­ger sagt über Ih­re Sol­veig: „Sie ist ei­ne Art is­län­di­scher weib­li­cher Co­lom­bo – ex­trem smart, mit gu­ter Be­ob­ach­tungs­ga­be, die ger­ne ein­mal un­ter­schätzt wird.“Was hat Sie an die­ser jun­gen is­län­di­schen Miss Marp­le fas­zi­niert?

Fran­ka Po­ten­te: Miss Marp­le ge­fällt mir. Ich fand Sol­veig mensch­lich, sie ist un­per­fekt und stolp­rig. Ich fin­de Leu­te span­nend, die hob­by­mä­ßig et­was ma­chen, die sich si­cher füh­len auf ei­nem Ter­rain, aber ei­gent­lich ei­ne Lie­be zu et­was an­de­rem in sich tra­gen. Die stol­pern in Din­ge rein und zie­hen die an. Das war bei Sol­veig auch so.

Und was ver­bin­den Sie mit Reyk­ja­vik und Is­land?

Po­ten­te: Wir ha­ben da vor ei­nem Jahr für drei Mo­na­te rich­tig ge­lebt. In ei­nem Som­mer, in dem es nicht dun­kel wur­de, wo Schla­fen schwie­rig ist und man nachts auf­wacht und es ein­fach über­all to­tal hell ist. Wind, Meer, schwar­zes Vul­kan­ge­stein und Ener­gie, die aus dem Bo­den quillt. Die Is­län­der sa­gen, sie kön­nen ein Haus im Win­ter für 24 St­un­den be­hei­zen, und das kos­tet genau­so viel wie ei­ne Fa­mi­li­en­piz­za.

Pri­vat sind Sie seit Jah­ren in Los An­ge­les da­heim, dem Sehn­suchts­ort al­ler Schau­spie­ler. Wie lebt es sich dort?

Po­ten­te: Ich hat­te ei­ne Men­ge Glück. Lo­la rennt kam da­mals gut an und dank mei­ner Agen­tur ha­be ich im­mer wie­der in den USA ge­ar­bei­tet. Ich ha­be dort mei­nen Mann ken­nen­ge­lernt und bin ge­blie­ben. Es gab nie ei­nen gro­ßen Le­bens­plan. Frü­her woll­te ich in Müns­ter ans Stadt­thea­ter. Das war mein Ho­ri­zont. Wä­re das so ge­kom­men, wä­re das fan­tas­tisch ge­we­sen – es kam aber an­ders. So ist das Le­ben.

Wie neh­men Sie Eu­ro­pa und Deutsch­land aus der Dis­tanz wahr?

Po­ten­te: Die­se Br­ex­it-Ge­schich­te hat mich völ­lig scho­ckiert. Ich hät­te nicht ge­dacht, dass das so kommt. Aber die Flücht­lings­fra­ge und wie An­ge­la Mer­kel das an­ge­gan­gen ist, das hat in Ame­ri­ka zu­nächst sehr be­ein­druckt. Ich fin­de das erst mal hu­ma­ni­tär toll. Jetzt kommt die Spra­che auf die Vor­fäl­le, aber ich den­ke, wenn so vie­le Men­schen kom­men, pas­siert so et­was eben auch. So wie ich die Deut­schen ken­ne, wer­den die sich dar­über Ge­dan­ken ge­macht ha­ben.

Be­ruf­lich ha­ben Sie sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren in Deutsch­land rar ge­macht. Po­ten­te: Mein Le­bens­mit­tel­punkt ist auf der an­de­ren Sei­te des At­lan­tiks, und ich ha­be zwei klei­ne Kin­der und möch­te bei ih­nen sein. Ich kann die nicht im­mer mit­neh­men. Da muss man har­te Ent­schei­dun­gen tref­fen. Im­mer hin- und her­flie­gen geht nicht. Man ver­passt Ge­burts­ta­ge. Ge­ra­de war mei­ne Toch­ter krank, und ich war nicht da. Es ist nicht schön, wenn Ma­mi dann nicht da ist.

Bei den Dreh­ar­bei­ten für die Is­land-Kri­mis war Ih­re Fa­mi­lie da­bei.

Po­ten­te: Das war Be­din­gung. Mein Mann hat vor­her mit Char­lie She­en ei­ne Se­rie ge­dreht, und da war lan­ge nicht klar, ob die zu ei­nem En­de kommt oder nicht. Das ha­ben wir ab­ge­war­tet. Sonst hät­ten wir das Is­land-Pro­jekt nicht ge­macht. Das wä­re nicht ge­gan­gen, da es zu lan­ge war und es für mich nicht die Mög­lich­keit ge­ge­ben hät­te, zu­rück­zu­flie­gen.

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