Das Leid der Kleins­ten

tz - - POLITIK -

Schul­bän­ke ste­hen hin­ter­ein­an­auf­ge­reiht, sie sind mit Staub be­deckt. Auf dem Bo­den lie­gen Trüm­mer, die Wän­de sind von Ein­schuss­lö­chern durch­siebt, so­gar ei­ne gan­ze Wand wur­de weg­ge­sprengt. Das Grau­en im sy­ri­schen Bür­ger­krieg nimmt ein­fach kein En­de. Bei ei­nem Luft­an­griff na­he ei­ner Schu­le im nörd­li­chen Sy­ri­en sind nach An­ga­ben der Sy­ri­schen Beobach­tungs­stel­le für Men­schen­rech­te min­des­tens 35 Men­schen ge­tö­tet wor­den. Un­ter den Op­fern sei­en 22 Kin­der und sechs Leh­rer, teil­te das Kin­der­hilfs­werk der Ver­ein­ten Na­tio­nen (Unicef) mit.

Nach An­ga­ben der Beobach­tungs­stel­le hät­ten sechs Luft­schlä­ge Zie­le na­he des Or­tes Haas in der Pro­vinz Id­lib süd­lich von Alep­po ge­trof­fen. Auch aus der von den Re­bel­len be­la­ger­ten Stadt Do­u­ma, na­he der Haupt­stadt Da­mas­kus, gab es ges­tern un­zäh­li­ge Bil­der von ver­letz­ten Kin­dern, die in pro­vi­so­ri­schen Kran­ken­häu­sern ver­sorgt wer­den muss­ten. Bei den ge­tö­te­ten Kin­dern in Id­lib han­de­le es sich um Schü­ler, die An­grif­fe sei­en ver­mut­lich von rus­si­schen Kampf­flug­zeu­gen aus­ge­führt wor­den, sag­te der Lei­ter der Beobach­tungs­stel­le, Ra­mi Ab­del Rah­man. „Dies ist ei­ne Tra­gö­die. Es ist ein Skan­dal. Und, wenn vor­sätz­lich, ein Kriegs­ver­bre­chen“, sag­te Unicef-Di­rek­tor Ant­ho­ny La­ke in New York. Der An­griff ist die töd­lichs­te Atta­cke auf ei­ne Schu­le seit Be­ginn des sy­ri­schen Bür­ger­kriegs vor mehr als fünf Jah­ren.

Chris­ti­an Schnei­der, Ge­schäfts­füh­rer von Unicef Deutsch­land, sag­te in ei­nem State­ment: „Was für ein grau­sa­mes Sinn­bild für die völ­li­ge Ent­fes­se­lung der Ge­walt und die Rück­sichts­lo­sig­keit in die­sem Krieg. Es ist schreck­lich ge­nug, dass die Kriegs­par­tei­en schon längst kei­ne Rück­sicht mehr auf Zi­vi­lis­ten und da­mit auf die Kin­der neh­men. Es ist ent­setz­lich, dass die Lis­te der bom­bar­dier­ten Kran­ken­häu­ser, Ge­sund­heits­sta­tio­nen, Schu­len von Woche zu Woche län­ger und län­ger wird.“Seit dem Be­ginn des Bür­ger­krie­ges sind in Sy­ri­en über 4000 An­grif­fe auf Schu­len ge­zählt wor­den (s. Kas­ten rechts).

Russ­land hat jed­we­de Ver­ant­wor­tung für den Luft­an­griff zu­rück­ge­wie­sen. „Die Rus­si­sche Fö­de­ra­ti­on hat mit die­ser schreck­li­chen Tra­gö­die nichts zu tun“, sag­te am Don­ners­tag in Mos­kau die Spre­che­rin des rus­si­schen Au­ßen­mi­nis­te­ri­ums, Ma­ria Sacha­ro­wa. An­ders­lau­ten­de Be­rich­te in ara­bi­schen und west­li­chen Me­di­en sei­en „ei­ne Lü­ge“, sag­te Sacha­ro­wa wei­ter. Heu­te wer­den in Mos­kau die Au­ßen­mi­nis­ter von Sy­ri­en, Russ­land und dem Iran bei ei­nem Drei­er­gip­fel über die La­ge in Alep­po spre­chen. „Ei­ne Ei­ni­gung auf neue In­itia­ti­ven ist nicht aus­ge­schlos­sen“, sag­te Sy­ri­ens Bot­schaf­ter in Mos­kau, Ri­ad Had­dad, der Agen­tur In­ter­fax zu­fol­ge.

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