Der Kon­struk­ti­ons­feh­ler

tz - - POLITIK -

Das Dra­ma um das Han­dels­ab­kom­men Ce­ta hat in die­ser Woche sämt­li­che Pro­ble­me der Eu­ro­päi­schen Uni­on wie un­ter ei­ner Lu­pe sicht­bar ge­macht. In den Haupt­rol­len die­ses Dra­mas: Ein Ver­trag, des­sen Text wohl nur die we­nigs­ten Be­für­wor­ter und Kri­ti­ker je ge­le­sen ha­ben. Ein Re­gio­nal­par­la­ment, das im Na­men von gut drei­ein­halb Mil­lio­nen Ein­woh­nern die rest­li­chen EU-Staa­ten (knapp 500 Mil­lio­nen Ein­woh­ner) hand­lungs­un­fä­hig macht. Und ei­ne Be­völ­ke­rung, die den Ex­per­ten in Brüs­sel nicht mehr über den Weg traut. Die Kon­se­quenz aus dem Ce­ta-Hick­hack müss­ten völ­lig an­de­re Ent­schei­dungs­we­ge in­ner­halb der EU sein. Ger­ne wird über die feh­len­de de­mo­kra­ti­sche Le­gi­ti­ma­ti­on der EU ge­klagt – mitt­ler­wei­le zu Un­recht. Das Par­la­ment ist vom Sou­ve­rän ge- wählt und kann die Kom­mis­si­on wirk­sam kon­trol­lie­ren. Das Pro­blem sitzt nicht in Brüs­sel, son­dern in den Haupt­städ­ten! Denn die wirk­lich wich­ti­gen Ent­schei­dun­gen wer­den im Eu­ro­päi­schen Rat ge­trof­fen, in dem die na­tio­na­len Re­gie­run­gen zu­sam­men­kom­men. Hier will je­der Be­tei­lig­te nur noch das Bes­te für sein Land her­aus­ho­len, nicht für die ge­sam­te EU. Kein Wun­der, dass die EU kei­ne ge­mein­sa­me Li­nie zu den drän­gen­den The­men fin­det. Wir brau­chen mehr po­li­ti­sche In­te­gra­ti­on und ei­ne ge­mein­sa­me eu­ro­päi­sche Öff­fent­lich­keit. Nur dann ver­schwin­det auch das Miss­trau­en ge­gen­über den Ent­schei­dun­gen, die dann – im ei­gent­lich gar nicht so weit ent­fern­ten – Brüs­sel ge­fällt wer­den. Marc Kniep­kamp

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