Es geht ein Riss durch den Markt

tz - - MÜNCHEN+REGION - RAMONA WEI­SE

Die Fron­ten sind ver­här­tet: Die Stadt will den Eli­sa­beth­markt (Schwa­bing) ab­rei­ßen und mit mehr Platz in den Gän­gen und ei­ner Tief­ga­ra­ge für La­ge­rung und Küh­lung wie­der­auf­bau­en. Doch: Bür­ger und Pro­mi­nen­te wie Hel­mut Schleich ( tz be­rich­te­te) leis­ten Wi­der­stand. Kom­mu­nal­re­fe­rent Axel Mark­wardt (SPD) sprach bei der Vor­stel­lung ei­ner Mach­bar­keits­stu­die durch den be­auf­trag­ten Ar­chi­tek­ten (s. links) von ei­ner „Win-Win-Si­tua­ti­on“: Da die Spar­kas­se auf ei­nem an­gren­zen­den Are­al Miet­woh­nun­gen und ein Wohn­heim für Stu­den­ten und Azu­bis bau­en möch­te, könn­ten bei­de Tief­ga­ra­gen ver­bun­den und die Pro­jek­te gleich­zei­tig ge­baut wer­den. Die Plä­ne der Stadt spal­ten auch die Markt­leu­te: „Es ist auf je­den sinn­voll, den Markt zu sa­nie­ren, wäh­rend auch am neu­en Spar­kas­senWohn­haus ge­baut wird“, sagt Lu­i­gi de Pra­to (54). Der Ob­stund Ge­mü­se­händ­ler ist für den Neu­bau der Markt­standl. Klar sei­en die Plä­ne vor al­lem für ei­ni­ge Be­trei­ber be­droh­lich, die kurz vor der Ren­te stün­den. „Doch wir ha­ben hier mo­men­tan zum Bei­spiel bei den Küh­lun­gen ei­ne Flick­wa­re, und wir müs­sen an die Zu­kunft den­ken.“Mo­men­tan müs­se er sei­ne Wa­re teil­wei­se per Sack­kar­re über Trep­pen zu sei­nem Standl zie­hen. Ei­ne Ve­rän­de­rung sei zwar nie ein­fach, doch de Pra­to ist zu­ver­sicht­lich: „Al­le, die jetzt ge­gen ei­nen Ab­riss bei der Pe­ti­ti­on un­ter­schrei­ben, sol­len lie­ber mal zum Ein­kau­fen zu uns kom­men.“ Die meis­ten ih­rer Kun­den sei­en ge­gen ei­nen Neu­bau des Mark­tes, er­zählt Bri­git­te Klü­se­ner (50). „Manch ei­ner ist schon an der Hand der Mut­ter hier her­um­spa­ziert.“Seit zwölf Jah­ren be­treibt die Flo­ris­tin ihr Blu­menStandl. Von ih­ren Be­dürf­nis­sen aus­ge­hend, hät­te ihr ei­ne Sa­nie­rung im Be­stand ge­reicht, so Klü­se­ner. Mit Hy­gie­ne­pro­ble­men ha­be sie bei ih­rer Wa­re nicht zu kämp­fen. Ein rein un­ter­ir­di­sches La­ger wä­re für die Flo­ris­tin un­prak­tisch. „Die Plan­zen brau­chen Ta­ges­licht.“Wich­tig sei­en für sie zwei Punk­te: „Wie lan­ge der Um­bau dau­ert – und wie hoch die Mie­te da­nach ist.“Erst dann kön­ne sie sa­gen, ob sich das Standl zu­künf­tig ren­tiert. 20 Jah­re Fa­mi­li­en­be­trieb – doch ab 1. De­zem­ber ist für Eva Linds (39) Ge­flü­ge­lund Wild-Standl Schluss. Die al­lein­er­zie - hen­de Ma­ma hat En­de Sep­tem­ber ge­kün­digt. Auch wenn die Stadt das Ge­spräch ge­sucht ha­be: De­ren Plä­ne wa­ren Lind zu ris­kant. „Wenn sie stück­chen­wei­se sa­niert hät­ten, wä­re ich da­bei ge­we­sen.“Doch die Bau­zeit in ei­nem Con­tai­ner zu ver­brin­gen, sei ihr zu ge­fähr­lich. Sie ha­be die un­ter­neh­me­ri­sche Ver­ant­wor­tung für ih­ren Stand. „Ich ha­be kein Auf­fang­netz – und ei­nen Sohn.“Mit ei­nem Um­satz­ein­bruch von bis zu 50 Pro­zent ha­be sie für die Um­bau­zeit ge­rech­net. „Da­nach hät­te ich in Ein­rich­tung in­ves­tie­ren müs­sen.“Vie­le Stamm­kun­den sei­en scho­ckiert. „Mir fällt es sehr schwer. Ich ha­be aber ei­nen neu­en Job ge­fun­den.“ Ei­nes will Fisch­händ­ler Tho­mas Wil­lin­ger (55) deut­lich ma­chen: Er ist nicht ge­gen ei­ne Markt-Mo­der­ni­sie­rung. „Mir wä­re ei­ne sanf­te Sa­nie­rung aber lie­ber als ein Ab­riss.“Von sei­nem Va­ter hat Wil­lin­ger den Stand über­nom­men, die­ser wie­der­um von sei­nem Groß­va­ter. „Mein Herz ist mit dem Markt ver­bun­den.“Wil­lin­ger hat vor ei­ni­ger Zeit be­reits kräf­tig in sein Standl in­ves­tiert – und fürch­tet die Um­bau­pha­se. Meh­re­re Jah­re im Con­tai­ner: Sei­ne le­ben­den Fi­sche aus dem Aqua­ri­um kön­ne er da et­wa nicht an­bie­ten. Trotz­dem: Ei­ni­ge Vor­schlä­ge des Ar­chi­tek­ten fin­det Wil­lin­ger nicht schlecht. Die Küh­lung im La­ger in der Tief­ga­ra­ge wür­de ihm schon et­was brin­gen, auch ein Kun­den-WC sei wich­tig. „So oder so – ich will auf dem Markt blei­ben.“

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