„War­um prüft uns der Herr­gott so?“

tz - - BAYERN -

Es ist ein „Nach­bar­schafts­kon­flikt un­ter Chris­ten“, wie es ges­tern am Münch­ner Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hieß: Auf der ei­nen Sei­te die evan­ge­li­sche Ge­mein­de in Lang­quaid (Kreis Kel­heim) mit ih­rem Glo­cken­turm, auf der an­de­ren das ka­tho­li­sche Ehe­paar Beck, das von den Glo­cken vier­zehn Me­ter ent­fernt wohnt. San­dra und Ro­bert Beck weh­ren sich vor dem Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof ge­gen das häu­fi­ge Ge­bets­läu­ten. Sie sa­gen: Die evan­ge­li­sche Kir­chen­ge­mein­de könn­te et­was kür­zer und nicht so früh läu­ten las­sen.

Der Glo­cken­turm wur­de im Jahr 2009 in ei­nem Wohn­ge­biet er­rich­tet, in un­mit­tel­ba­rer Nä­he zum Kin­de­r­und Schlaf­zim­mer der schon län­ger dort le­ben­den Fa­mi­lie. Die hat­te das Läu­ten ak­zep­tiert, im Glau­ben, dass nur sonn­tags die Glo­cken er­tö­nen. Doch die bim­meln je­den Werk­tag um 7 Uhr, um 12 und 18 Uhr – an der Gren­ze zu den ge­setz­li­chen Lär­mG­renz­wer­ten.

Die Fa­mi­lie ak­zep­tiert das Läu­ten zu den Got­tes­diens­ten. Sie be­klagt aber, das Ge­bets­ge­läut sei zu früh, zu lang und zu laut. San­dra Beck: „Es tut im Kopf weh.“Sie war am En­de so­gar so weit, sich „je­den Tag zu fra­gen, war­um mich der Herr­gott so prüft“.

Der Se­nats­vor­sit­zen­de des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs, Rai­ner Schenk, zeig­te Ver­ständ­nis und mahn­te die Kir­chen­ge­mein­de: „Wer spä­ter da­zu­kommt, dem kann man mehr Rück­sicht­nah­me ab­ver­lan­gen als dem, der sich schon ein­ge­rich­tet hat.“Der Rich­ter reg­te an, nicht so früh und höchs­tens ei­ne Mi­nu­te zu läu­ten und an dem nur acht Me­ter ho­hen Glo­cken­turm die Schall­öff­nung in Rich­tung des Hau­ses der Fa­mi­lie zu däm­men.

Pfar­rer Uwe Bie­der­mann sag­te, mit dem Ver­zicht auf das Ge­läut am Sams­tag­früh ha­be er schon Zu­ge­ständ­nis­se „ent­ge­gen un­se­rer Glau­bens­über­zeu­gung ge­macht“. Er er­bat Be­denk­zeit. Und hat­te dann ein Ein­se­hen: Künf­tig wird nicht mehr so früh und auch nur ma­xi­mal ei­ne Mi­nu­te lang ge­läu­tet.

San­dra und Ro­bert Beck: Sie wol­len we­ni­ger Glo­cken­ge­läut

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