Der Kick nach Rick

tz - - KULTUR + TV - CHRIS­TOPH UL­RICH

Am 14. Ju­ni brach Sta­tusQuo-Grün­dungs­mit­glied Rick Par­fitt (68) nach ei­nem Kon­zert in An­ta­lya we­gen ei­nes Herz­in­farkts zu­sam­men. Er war ein paar Mi­nu­ten lang kli­nisch tot, be­vor er wie­der­be­lebt wer­den konn­te. Im tz- In­ter­view im Hard Rock Ca­fé spricht Front­mann Fran­cis Ros­si (67) ent­waff­nend ehr­lich über das Dra­ma und die Fol­gen für die Band, das Äl­ter­wer­den und die Zu­kunft. Heu­te er­scheint das neue Al­bum Aquostic II — That’s A Fact (sie­he un­ten).

„Wir wuss­ten, dass das ir­gend­wann mit Rick pas­sie­ren wür­de. Rick war im­mer der wil­de Mann des Rock’n’Roll. Er hat es sel­ber ge­sagt: , Jetzt be­zah­le ich da­für‘“, sagt Ros­si. Er er­in­nert sich an den Schock und die ers­te Zeit da­nach: „Wir wuss­ten nicht, was wir ma­chen soll­ten – schließ­lich konn­ten wir nicht ab­war­ten. Wir wä­ren ver­klagt wor­den. Schließ­lich le­ben wir nicht mehr in den 60ern oder 70ern, wo man Kon­zer­te ein­fach ab­sa­gen konn­te.“Heut­zu­ta­ge wer­de man auf Ver­dienst­aus­fall ver­klagt. „Ja, meinst du, An­gus Young woll­te mit Axl Ro­se auf AC/DC-Tour ge­hen? Ich glau­be das nicht“, so der 67-Jäh­ri­ge.

Doch der „Neu­start“mit Gi­tar­rist Ri­chie Ma­lo­ne – sagt Ros­si nach län­ge­rem Schwei­gen – hat­te ei­nen un­er­war­te­ten Ef­fekt: „Ich ge- be es nur un­gern zu: Aber Ri­chie hat der Band ei­nen mäch­ti­gen Kick ge­ge­ben. Es ist schon fast lä­cher­lich, wie schnell man sich an et­was ge­wöhnt. Es zeigt, dass eben doch je­der er­setz­bar ist. Das Le­ben geht wei­ter. Ich glau­be, wir neh­men uns al­le ein biss­chen zu wich­tig.“Und dann ein ech­ter Ros­si: „So­gar, wenn der Papst stirbt, gibt’s kurz dar­auf ei­nen neu­en.“

Ros­si ist ein Star oh­ne jeg­li­che Al­lü­ren. Beim In­ter­view er­zählt und scherzt er, als wür­de man sich schon ewig ken­nen. Er zeigt Bil­der auf dem Smart­pho­ne, schimpft über des­sen neu­es Be­triebs­sys­tem und über Gi­tar­ren­die­be, die ihm ans Herz ge­wach­se­ne In­stru­men­te ge­stoh­len ha­ben …

Über den Grund von der Ab­kehr vom elek­tri­schen Rock’n’Roll nach der Tour hin zum Akus­ti­schen wur­de bis­her nicht viel ge­spro­chen. Höchs­te Zeit, nach­zu­fra­gen. Hat das mit Al­ter oder Rei­fe zu tun? Ros­si grinst viel­deu­tig: „Das Al­ter ha­be ich. Al­so ist es ei­ne Fra­ge des Al­ters.“Er be­eilt sich an­zu­fü­gen, dass man in Sa­chen „Hin­ga­be“viel von den al­ten Rock’ n’Rol­lern ge­lernt ha­be. Litt­le Richard, Jer­ry Lee Le­wis. „Sie wa­ren so in­brüns­tig beim Mu­sik ma­chen, und das sind Sta­tus Quo auch. Der gan­ze Kör­per spannt sich an, und wenn du das nicht machst, klingt es lang­wei­lig. Doch wenn du äl­ter wirst und be­son­ders nach rich­tig gu­ten Shows … autsch! Dann wird der nächs­te Mor­gen hart. Und ob­wohl das Herz sagt: Mach wei­ter!, sagt der Kör­per: Fuck off!“

Aber da sich Ri­chie Ma­lo­ne so naht­los in die Band ein­fügt – darf man da even­tu­ell dar­aus fol­gern, dass Sta­tus Quo ir­gend­wann wie­der in vol­ler elek­tri­scher Grö­ße tou­ren wer­den? Fran­cis Ros­si win­det sich ein we­nig: „Viel­leicht. Gu­ter Punkt! Ich ma­che die Tür nicht zu – aber im Mo­ment ist das na­tür­lich nicht denk­bar.“Pau­se. „Ich ha­be wirk­lich nicht da­mit ge­rech­net, dass da ein jun­ger Kerl an­kommt, der ei­nen al­le Ent­schei­dun­gen in­fra­ge stel­len lässt …“

Fran­cisRos­si­über­Gi­tar­rist Rick Par­fitt

■ Sta­tus Quo live: 30. No­vem­ber, 19 Uhr, Olym­pia­hal­le, Kar­ten un­ter Tel. 54 81 81 81.

– That’s A Fact Sta­tusQuo-Sän­ger Fran­cis Ros­si: ent­spannt und ehr­lich Aquostic II

Fo­tos: Haag (2)

Ros­si im Ge­spräch mit tz-Re­por­ter Chris­toph Ul­rich im Hard Rock Ca­fé

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