Der Lieb­ling ist tot

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Lieb­ling Kreuz­berg? Na klar, da gab’s nur ei­nen: Man­fred Krug, Frau­en­held mit Glat­ze und Schlapp­hut. Paul Stoever? So ei­nen brum­me­li­gen Kri­mi­nal­haupt­kom­mis­sar konn­te nur er kre­ieren; ei­ne Rol­le, bei der er zur Hoch­form auf­lief. Und was ist mit Franz Meers­donk? Un­ter die­sem Na­men be­gab er sich als Fern­fah­rer

Das al­les war Man­fred Krug, ein tol­ler Typ, der nie zu leug­nen ver­such­te, aus wel­chem Mi­lieu er stamm­te. Von mensch­li­cher Klug­heit, das Herz auf dem rech­ten Fleck. Ein Ar­bei­ter, Jazz-Sän­ger noch da­zu und nicht zu­letzt der In­be­griff ei­ner gan­zen Ge­ne­ra­ti­on, vor al­lem in der ehe­ma­li­gen DDR, wo er auf­wuchs und durch De­fa-Strei­fen wie zum Idol ei­ner frei­heits­sehn­süch­ti­gen, wi­der­stän­di­gen Be­völ­ke­rung wur­de.

Ei­ne schwe­re Herz­ope­ra­ti­on ließ ihn zu­letzt lan­ge pau­sie­ren. Krug hat­te sich – an­ders als vie­le Schau­spie­ler­kol­le­gen – mit dem Ren­ten­al­ter aus dem Ge­schäft zu­rück­ge­zo - gen. Und er war zu­frie - den da­mit: „Ich ha­be nichts zu jam­mern“, sag­te er im April 2013, als er an der Sei­te sei­ner Frau Ot­ti­lie im Ro­ten Rat­haus in Ber­lin mit dem Bun­des­ver­dienst­kreuz aus­ge­zeich­net wur­de.

Wie erst ges­tern be­kannt wur­de, ist Man­fred Krug am Frei­tag ver­gan­ge­ner Woche im Al­ter von 79 Jah­ren in Ber­lin ge­stor­ben – im Krei­se sei­ner Fa­mi­lie. Er, der vier Kin­der hin­ter­lässt, ha­be sich ei­ne Be­stat­tung im engs­ten Fa­mi­li­en­kreis ge­wünscht. Er ber­li­ner­te sich als kau­zi­ger An­walt Lieb­ling di­rekt in die Her­zen der Re­pu­blik: (Sze­ne mit Film-Toch­ter Ros­wi­tha Schrei­ner, s. In­ter­view un­ten) zeig­te ei­nen An­walt als rich­ti­gen Men­schen. 58 Fol­gen (fünf Staf­feln) lie­fen von 1986 bis 1998 in der ARD und wa­ren ein Quo­ten­ren­ner. An­walt Lieb - ling ist ein lust­vol­ler Le­be­mann mit po­ly­ga­mer Nei­gung, der Göt­ter­spei­se liebt und Fäl­le um des Gel­des wil­len ver­ach­tet. Am En­de spal­te­ten sie die

Ge­mein­de: Die ei­nen schau­ten die et­was be­hä­bi­gen Ham­bur­ger Kri­mi­nal­haupt­kom­mis­sa­re Paul Stoever (Man­fred Krug) und Pe­ter Brock­m­öl­ler (Charles Brau­er) für ihr Le­ben gern. An­de­ren wa­ren die Fäl­le zu bie­der. Fern­seh­ge­schich­te ha­ben die bei­den al­le­mal ge­schrie­ben – als die (na­tür­lich Jazz!) sin­gen­den Er­mitt­ler, die von 1984 bis 2001 für den NDR auf Ver­bre­cher­jagd gin­gen. Die DDR-Bür­ger iden­ti­fi­zier­ten sich vor al­lem mit ei­ner Rol­le Krugs: die des mit kri­ti­schem Geist und Hu­mor ge­seg­ne­ten Bau­ar­bei­ters Han­nes Bal­la in Frank Bey­ers Film (1966). Und das, ob­wohl den Film nur we­ni­ge se­hen konn­ten. Denn Gre­gor Gy­sis Va­ter Klaus, DDR-Kul­tur­mi­nis­ter, brand­mark­te die­sen gran­dio­sen Strei­fen als „ein Mach­werk in je­der Be­zie­hung“und setz­te das Werk nach drei Ta­gen ab.

Man­fred Krug (rechts 2006 in Ber­lin) war mit Leib und See­le Künst­ler. Links mit Toch­ter Fan­ny (2003), un­ten mit Ehe­frau Ot­ti­lie (1992) Lieb­ling Kreuz­berg

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