Das Hun­ger­tuch!

tz - - BUNT GEMISCHT - Cla­ra C., Mün­Chen

In un­se­rer Zeit müs­sen im­mer mehr Men­schen am Hun­ger­tuch na­gen – doch was ist ei­gent­lich die­ses Hun­ger­tuch? Ja, so ein Hun­ger­tuch macht tat­säch­lich nicht satt – und das hat es auch noch nie. Die Re­de­wen­dung stammt aus dem ho­hen Mit­tel­al­ter, in dem Re­li­gi­on ei­ne wich­ti­ge Rol­le für die Gläu­bi­gen spiel­te. Die Men­schen in vie­len eu­ro­päi­schen Län­dern nann­ten so da­mals ein spe­zi­el­les ri­tu­el­les Tuch, das zur Fas­ten­zeit in den Kir­chen über den Al­tar ge­hängt wur­de. Es wur­de auch ein­ge­setzt, um den Al­tar- und Kir­chen­raum von­ein- an­der ab­zu­tren­nen. An­de­ren Na­men da­für wa­ren auch Palm­tuch oder Fas­ten­tuch. Es soll­te die Gläu­bi­gen er­mah­nen, sitt­lich zu le­ben und die Fas­ten­zeit zu ach­ten. Aus dem Brauch, das Tuch vor der Fas­ten­zeit zu nä­hen, ent­stand dann die Re­de­wen­dung „am Hun­ger­tuch nä­hen“. Dann war den Men­schen klar, dass sie in den nächs­ten 40 Ta­gen den Gür­tel en­ger schnal­len müss­ten. Die­se Form der Re­de­wen­dung war bis ins 16. Jahr­hun­dert ge­bräuch­lich und erst spä­ter wur­de dar­aus das heu­ti­ge „am Hun­ger­tuch na­gen“. Da­mit meint man heu­te, dass je­mand Hun­ger oder Not lei­det.

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