„Oft be­steht Nach­hol­be­darf“

tz - - SPORT - Jo­han­nes Dan­ner

ie kal­te und dunk­le Jah­res­zeit ist zwar of­fi­zi­ell noch nicht an­ge­bro­chen, doch Lang­fin­ger al­ler Art ha­ben schon jetzt Hoch­kon­junk­tur. Pünkt­lich zur Zeit­um­stel­lung – in die­sem Jahr in der Nacht zum Sonn­tag, 30. Ok­to­ber – wen­det sich die Po­li­zei er­neut an die Öf­fent­lich­keit, um glei­cher­ma­ßen zu war­nen und zu in­for­mie­ren. Vie­le Häu­ser, aber auch Woh­nun­gen, sind näm­lich ei­ne Ein­la­dung für Ein­bre­cher. Selbst bis in den 5. oder 10. Stock wagt sich man­cher Lang­fin­ger, wenn er dort fet­te Beu­te wit­tert. Des­halb, so die Po­li­zei, sei es um­so wich­ti­ger, ent­spre­chen­de Ab­wehr­maß­nah­men - auch bei Woh­nun­gen – nicht zu ver­nach­läs­si­gen.

Ei­ner, der schon von Be­rufs we­gen weiß, wie man Ein­bre­chern die „Ar­beit“er­schwert, ist Ar­no Helf­rich, Lei­ter des Kom­mis­sa­ri­ats 105 beim Po­li­zei­prä­si­di­um Mün­chen. Er ist zu­stän­dig für Prä­ven­ti­on und Op­fer­schutz. Der 56-Jäh­ri­ge freut sich Jahr für Jahr über die Ak­ti­vi­tä­ten sei­ner uni­for­mier­ten Kol­le­gen. Was frü­her die Dorf­po­li­zis­ten mach­ten, er­le­di­gen jetzt Be­am­te, die vie­le In­fo­stän­de der Po­li­zei in ganz Mün­chen be­treu­en. Ge­ra­de die sprung­haft an­ge­stie­ge­ne Zahl der Ein­brü­che (plus zehn Pro­zent im Jahr 2015 in ganz Deutsch­land) macht ei­ne Rei­he von In­for­ma­ti­ons­maß­nah­men not­wen­dig. Vom 28. Ok­to­ber bis 17. No­vem­ber wirbt die Münch­ner Po­li­zei so­gar in der Stra­ßen­bahn, um Ein­bre­chern die „Ar­beit“zu er­schwe­ren. Hin­zu kom­men In­fo­screens (di­gi­ta­le Groß­bild­flä­chen) der Po­li­zei an vie­len U-Bahn­hö­fen – heu­er vom 25. bis 31. Ok­to­ber. Der per­sön­li­che Kon­takt zwi­schen Bür­gern und Po­li­zis­ten bringt nach An­sicht von Ar­no Helf­rich im­mer noch am meis­ten. So kön­nen sich Haus- und Woh­nungs­be­sit­zer, aber auch Mie­ter, aus­gie­big über ih­ren der­zei­ti­gen Si­cher­heits­sta­tus in­for­mie­ren. „Oft be­steht Nach­hol­be­darf“, so Helf­rich. „Nicht sel­ten kön­nen wir po­ten­zi­el­len Ein­bruchsop­fern die Au­gen öff­nen.“Mie­ter, die zum Bei­spiel die Woh­nungs­tür „auf­rüs­ten“wol­len, müs­sen die ge­plan­te Maß­nah-

Alarm­an­la­gen schre­cken Ein­bre­cher durch­aus akus­tisch und op­tisch ab und re­agie­ren di­rekt auf un­er­wünsch­te Ein­dring­lin­ge. Kommt der Tä­ter nicht in­ner­halb von zwei bis fünf Mi­nu­ten in das Ge­bäu­de, bricht er den Ein­bruch in der Re­gel ab. Durch den Alarm wird der Ein­bre­cher auf­ge­schreckt und an­we­sen­de Be­woh­ner wer­den auf­merk­sam ge­macht. Zu­dem wird mit der Aus­lö­sung ei­nes „stil­len Alarms“an ei­nen Si­cher­heits­dienst bei et­wa der Hälf­te al­ler so ver­hin­der­ten Ein­brü­che der Tä­ter ge­fasst. „Wir wol­len mit Hil­fe von elek­tro­ni­schen Ein­bruch­mel­de­an­la­gen er­rei­chen, dass die Tä­ter ver­stärkt ge­fasst und ge­stoppt wer­den“, sagt Dr. Hel­mut Rie­che, Vor­sit­zen­der der Initia­ti­ve für ak­ti­ven Ein­bruch­schutz „Nicht bei mir!”, ei­nem Zu­sam­men­schluss von Ver­bän­den der Si­cher­heits­wirt­schaft und der Po­li­zei. Da­zu eig­nen sich be­son­ders auch Funk-Alarm­an­la­gen: Sie funk­tio­nie­ren ka­bel­los, sind ge­gen Ma­ni­pu­la­ti­on ge­schützt und schnell in­stal­liert. Funk-Alarm­an­la­gen sind zu­dem fle­xi­bel und kön­nen je­der­zeit um zu­sätz­li­che Mel­der er­wei­tert wer­den, was ide­al für Be­stands­bau­ten und bei Mo­der­ni­sie­rung ist. Smart­pho­nes und Ta­blet-PCs er­leich­tern nicht nur den All­tag und son­dern las­sen sich auch zum Schutz von Häu­sern und Woh­nun­gen ge­gen Ein­bre­cher ein­bin­den. Alarm­an­la­gen kön­nen in das ver­netz­te Haus („Smart Ho­me“) me al­ler­dings mit ih­rem Ver­mie­ter ab­spre­chen. Macht der Ei­gen­tü­mer nicht mit, geht gar nichts. „Al­ler­dings bringt je­de Im­mo­bi­lie bei ih­rer Ve­r­äu­ße­rung um­so mehr, wenn in Punk­to Si­cher­heit auf­ge­rüs­tet wur­de“, weiß Helf­rich aus lang­jäh­ri­ger Er­fah­rung. Um dem Dieb das Hand­werk zu le­gen be­zie­hungs­wei­se zu er­schwe­ren, rei­chen oft schon ganz ein­fa­che Ver­hal­tens­wei­sen aus. Ar­no Helf­rich rät al­len Per­so­nen beim Ver­las­sen ei­ner Im­mo­bi­lie, die Haus- oder Woh­nungs­tür rich­tig ab­zu­sper­ren. Will in­te­griert und so­mit wie der Rest der Woh­nung be­quem un­ter­wegs kon­trol­liert wer­den. Der Be­woh­ner bleibt da­bei im­mer voll­kom­men im Bil­de: Ei­nen aus­ge­lös­ten Alarm be­kommt er je­der­zeit und un­ter­wegs auf das Smart­pho­ne ge­mel­det, hei­ßen: der Schlüs­sel muss zwei­mal um­ge­dreht wer­den. Wer die Tür - meist aus Be­quem­lich­keit – nur ins Schloss fal­len lässt, muss da­mit rech­nen, dass sie von un­ge­be­te­nen Gäs­ten in­ner­halb von zehn Se­kun­den ge­öff­net wird. Ein Är­ger kommt be­kannt­lich nicht al­lein. Helf­rich: „Wer es dem Ein­bre­cher zu ein­fach macht, muss da­mit rech­nen, dass sich die Ver­si­che­rung bei der Scha­dens­re­gu­lie­rung quer stellt.“Um ei­ne Straf­tat be­reits im Vor­feld aus­zu­schlie­ßen, emp­fiehlt die Po­li­zei mög­lichst auf­merk­sam zu sein. Helf­rich: „Frem­de Per­so­nen, die sich auf der Stra­ße oder im Vier­tel ver­däch­tig um­her­schlei­chen, soll­ten auf je­den Fall der Po­li­zei ge­mel­det wer­den. Schüch­tern­heit ist hier fehl am Platz. Und ein An­ruf bei der Po­li­zei zu viel ist im­mer noch bes­ser als ei­ner zu we­nig.“Soll­te es wirk­lich zu ei­ner Be­geg­nung mit dem Ein­bre­cher kom­men, kann man den Dieb durch lau­tes Schrei­en ver­trei­ben. Manch­mal ist es aber auch rat­sam, den Rück­zug an­zu­tre­ten und dem Ga­no­ven das Feld zu über­las­sen. An wen muss man sich wen­den, wenn man Tü­ren und Fens­ter Ein­bruch si­cher ma­chen möch­te? Ar­no Helf­rich emp­fiehlt auf je­den Fall die Be­ra­tungs­stel­le der Baye­ri­schen Po­li­zei, die un­ter fol­gen­der In­ter­net­adres­se zu er­rei­chen ist: www.pol-be­ra­tung.de bei ei­ner in­te­grier­ten Alarm­auf­schal­tung wird zu­sätz­lich ein Si­cher­heits­dienst in­for­miert, der an­schlie­ßend Hil­fe schickt. An­sons­ten kann er wei­te­re ein­zu­lei­ten­de Maß­nah­men selbst ver­an­las­sen. Zu­dem kann man sich auch bei Ab­we­sen­heit je­der­zeit ver­ge­wis­sern, dass zu Hau­se al­les in Ord­nung ist: Aus der Fer­ne las­sen sich Roll­lä­den schlie­ßen, die Alarm­an­la­ge scharf stel­len, Licht an und aus­schal­ten so­wie das Bild der Über­wa­chungs­ka­me­ra di­rekt auf das Smart­pho­ne über­mit­teln.

Fo­tos: Po­li­zei Mün­chen

Kennt sich mit der per­fek­ten Tür­si­che­rung aus – Ar­no Helf­rich, Lei­ter des Kom­mis­sa­ri­ats 105 beim Po­li­zei­prä­si­di­um Mün­chen. „Ro­si“ist wie­der un­ter­wegs: Die Po­li­zei in­for­mier t die Bür­ger mit dem Auf­klä­rungs­wa­gen über die Tricks der Ein­bre­cher und was man da­ge­gen tun kann.

Gra­fik: Initia­ti­ve Nicht beim mir!

Vie­le Mög­lich­kei­ten gibt es, um das ei­ge­ne Heim elek­tro­nisch ab­zu­si­chern.

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