Mei­ne Lie­be im Mu­se­um

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EDas Le­ben schreibt die span­nends­ten Ge­schich­ten – und Au­tor Flo­ri­an Ki­nast (Fo­to links) schreibt sie je­den Sams­tag auf. Zu­sam­men mit Ih­nen, lie­be Le­ser! Es geht uns um die ech­ten Münch­ner Gschich­ten. Um Por­träts von Men­schen, die über sich und ihr s gibt Ta­ge, an de­nen hat Pe­ter Ecke nur Au­gen für sei­ne Ma­ria. Zur Ma­ria geht Ecke hier im­mer als Ers­tes, sie besticht ja al­lein schon durch ihr Äu­ße­res. Präch­tig ge­baut, macht op­tisch was her. Zur Ma­ria hat Pe­ter Ecke ei­ne ganz be­son­de­re Be­zie­hung: Sie ist sei­ne gro­ße Ju­gend­lie­be. Manch­mal steht er ei­ne gan­ze St­un­de bei ihr oder noch län­ger, dann ver­gisst er die Welt um sich her­um und be­wun­dert sie in ih­rer gan­zen Pracht. Noch im­mer, je­des Mal, hat er bei die­sem schö­nen Se­gel­boot in der Schiff­fahrts­ab­tei­lung ein neu­es De­tail am schö­nen Kor­pus ent­deckt. Kürz­lich wa­ren es die ge­trock­ne­ten Fi­sche, die an der Ta­ke­la­ge zwi­schen den Mas­ten auf­ge­zo­gen sind. Und wenn er sich für die­sen Tag von sei­ner Ma­ria ver­ab­schie­det hat, dann streift Pe­ter Ecke wie­der wei­ter durch die üb­ri­gen Ab­tei­lun­gen vom Deut­schen Mu­se­um.

Von sei­nem Mu­se­um, an das er vie­le Er­in­ne­run­gen hat und über die er spricht, beim ge­mein­sa­men Rund­gang durch das Haus.

Wenn es so et­was wie ei­nen Stamm­gast gibt auf der Museumsinsel, dann ist das Pe­ter Ecke. Et­wa 500 Mal ist er schon auf die Museumsinsel ge­kom­men. Er hat das kürz­lich ein­mal nach­ge­zählt. Manch­mal war er je­de Wo­che hier, dann wie­der län­ger nicht, aber mit den 500, so rund­u­ma­dum kommt das schon hin. Nicht al­les lief wirk­lich gut im Le­ben von Pe­ter Ecke, das Mu­se­um aber war für ihn im­mer auch ein Zufluchts­ort, an dem er ab­tau­chen konn­te, an dem der All­tag drau­ßen blieb. Es ist für ihn ei­ne Oa­se, in der es ihm nicht nur die Ma­ria, die­ses stol­ze Fi­scher­boot HF 31, an­ge­tan hat. Es ist auch der Ort, an dem er tat­säch­lich sei­ne ers­te gro­ße Lie­be traf. Tief drun­ten im Berg­werk.

Pe­ter Ecke ist Jahr­gang 1964. Er wuchs in der Schlüs­sel­berg­stra­ße auf, mit­ten drin in Berg am Laim. Die Ma­ma ar­bei­te­te in ei­ner Sti­cke­rei, sein Va­ter in der Wa­re­n­an­nah­me vom C&A, ein­fa­che Ver­hält­nis­se, aber ganz so­li­de. Der Va­ter war da­bei ei­gent­lich der Stief­va­ter, den rich­ti­gen Va­ter, ei­nen Ita­lie­ner, lern­te er nie ken­nen. Ein­mal, er­zählt Ecke beim Schlen­dern durch die rie­si­ge Tur­bi­nen­hal­le bei der Rö­mi­schen Dop­pel­kol­ben­pum­pe, be­gab er sich so­gar in Ita­li­en auf Spu­ren­su­che, aber oh­ne Er­folg, und dann ließ er es auch wie­der sein.

Fünf war er, als er dann mit sei­nen El­tern das ers­te Mal hier­her kam. An dem Tag war schlech­tes Wet­ter, Münch­ner Schnürl­re­gen, na­he­lie­gend, mit dem Bu­ben mal ins Deut­sche Mu­se­um zu ge­hen. Die Le­ben in der schöns­ten Stadt der Welt er­zäh­len. Was sind Ih­re Münch­ner Gschich­ten? Er­zäh­len Sie es uns, wir er­zäh­len es dann wei­ter. Schrei­ben Sie uns, was pas­siert ist in Ih­rem Le­ben, le­gen Sie Fo­tos bei und schi­cken al­les an die Stich­wort Fol­gen konn­te da­mals ja noch kei­ner ah­nen. Pe­ter Ecke sagt, für ihn war es von An­fang an das Knöp­ferl­druck­mu­se­um, we­gen der gan­zen Tas­ten, die man be­die­nen konn­te, wor­auf sich dann ir­gend­was in ei­nem Schau­kas­ten be­weg­te. Wie auf Knopf­druck ent­stand auch bei ihm vom ers­ten Mo­ment an ei­ne Fas­zi­na­ti­on – für die Ma­ria, die erst 1957 beim Wie­der­auf­bau der Schiffs­ab­tei­lung auf­ge­stellt wur­de, aber auch fürs gan­ze Haus. Im­mer wie­der schleif­te er ge­ra­de sei­ne Ma­ma ins Mu­se­um, spä­ter zur Schul­zeit war er dann al­lei­ne hier oder mit sei­nen Spezln. In die Schu­le ging Pe­ter Ecke gar nicht weit weg von hier, oben an der Hoch­stra­ße 31, in das al­te Münch­nerKindl-Heim. Ein herr­li­ches Ge­bäu­de noch äl­ter als das Deut­sche Mu­se­um, er­rich­tet En­de des 19. Jahr­hun­derts. „Le­ser-Bio­gra­fie“, 80282 Mün­chen oder per E-Mail an Le­sen Sie heu­te die Ge­schich­te von Pe­ter Ecke, der min­des­tens 500 Mal im Deut­schen Mu­se­um war – nicht nur we­gen der Aus­stel­lungs­stü­cke, son­dern auch we­gen der Lie­be. 1871 woll­te man vor Freu­de über den Sieg im Deutsch-Fran­zö­si­schen Krieg die Stadt Mün­chen drei Ta­ge lang hell er­leuch­ten las­sen, dann aber rech­ne­ten sie sich im Rat­haus die Kos­ten aus und er­kann­ten, dass das doch eher ein Schmarrn sei und steck­ten das Geld statt­des­sen lie­ber in den Bau eben je­nes Kin­de­r­asyls und Wai­sen­hau­ses an der Hoch­stra­ße, das mach­te auch mehr Sinn.

Als Pe­ter Ecke 1970 ein­ge­schult wur­de, war es längst ein Ta­ges­heim mit Grund- und Haupt­schu­le in ei­nem. Und wenn mal ei­ne St­un­de aus­fiel oder von Ecke aus­ge­fal­len wur­de, dann ging er mit sei­nen Freun­den ins Mu­se­um, und da am liebs­ten hin­un­ter ins Berg­werk. Um die Mädl zu er­schre­cken. Wie das ging, zeigt Ecke am Ort des Ge­sche­hens.

An ei­ner der vie­len Trep­pen im Berg­werk steht un­ten links ei­ne Holz­tür mit ei­nem Guck­loch, und geht man den Weg wei­ter, steht man we­nig spä­ter ge­nau hin­ter die­ser Tür, auf der an­de­re Sei­te. Für Ecke war es so im­mer ei­ne Mords­gau­di, sich da­hin­ter zu ver­ste­cken, durch das Loch zu schau­en, und im­mer wenn dann jun­ge Mäd­chen in die­sem düs­te­ren Zwie­licht die Stie­gen run­ter­ka­men, ei­nen ge­spens­ti­schen Ra­dau zu ver­an­stal­ten, so wie auf der Wiesn in der Geis­ter­bahn.

Doch ge­nau an die­ser Trep­pe war es, dass ihm ei­nes Ta­ges auch sei­ne gro­ße Lie­be in die Ar­me fiel, und zwar im wahrs­ten Sin­ne. Ein Mäd­chen kam ins Stol­pern, Ecke stand un­ten, fing sie auf und half ihr wie­der auf die Bei­ne. Ecke war da­mals 14, zwei Jah­re wa­ren sie da­nach zu­sam­men, aber dann ging es in die Bin­sen, weil der Stief­va­ter et­was ge­gen die Be­zie­hung hat­te, dar­um war es das dann wie­der.

Le­sen Sie nächs­te Wo­che: Das Le­ben von Pe­ter Ecke ver­läuft nicht grad­li­nig – aber die Lie­be zum Deut­schen Mu­se­um bleibt.

Kei­ne Ge­heim­nis­se: Im Berg­werk kennt Pe­ter Ecke je­den St­ein

Fo­tos: Häus­ler

Ers­ter Schul­tag im Münch­ner-Kindl-Heim

Ei­ne Lie­be im Mu­se­um: Am Steu­er­rad des Fisch­kut­ters HF 31 Ma­ria

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