Jetzt wer­de ich so­gar mit dem Tod be­droht

tz - - BAYERN - MAR­KUS CHRISTANDL

Zau­ber­clown Ru­dolp­ho, der im zi­vi­len Le­ben Ru­dolf Gir­gn­hu­ber heißt, ist ver­zwei­felt. Und jetzt soll er auch noch sei­ne Spä­ße rei­ßen und zum Welt­spar­tag die Klei­nen zum La­chen brin­gen. Da­bei ist er nicht zu Spä­ßen auf­ge­legt – seit dem Auf­tau­chen der Hor­ror-Clowns. „Ich kann echt bald nicht mehr“, sagt der Fa­mi­li­en­va­ter aus Sim­bach. „Ich wer­de be­schimpft, mit dem Tod be­droht, mit Ab­ste­chen, mit Er­schla­gen. Die Luft­bal­lons ma­chen sie mir ka­putt, und al­les we­gen die­ses Schmarrns.“Es ist, als hät­te sich sei­ne Pas­si­on des Spaß­ma­chens ins Ge­gen­teil ver­kehrt. Aber das will er nicht!

Noch vor zwei Wo­chen wuss­te kaum je­mand, was Hor­ror­Clown be­deu­tet. Doch in kur­zer Zeit ha­ben die Clowns, die über Ge­ne­ra­tio­nen die Leu­te zum La­chen oder zu­min­dest zum Schmun­zeln brach­ten, ih­ren Ruf als fröh­li­che Ge­sel­len ver­lo­ren. Plötz­lich lau­fen Pseu­do-Clowns mit Ket­ten­sä­gen her­um und ver­brei­ten Angst und Schre­cken. Selbst im kleins­ten Kaff wird er­mit­telt. So­gar Bay­erns In­nen­mi­nis­ter Joa­chim Herr­mann gibt ein State­ment ab: „Wir wer­den nichts durch­ge­hen las­sen.“Ins glei­che Horn bläst Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU): „Null To­le­ranz.“Po­li­zei­be­hör­den und Lan­des­kri­mi­nal­äm­ter re­gis­trier­ten im Ok­to­ber 370 Vor­fäl­le: Sie rei­chen von blo­ßen Sich­tun­gen über Er­schre­cken bis hin zu ver­such­ten und tat­säch­li­chen An­grif­fen. Clown Ru­dolp­ho lei­det ganz oh­ne Hand­greif­lich­kei­ten, ihm tun Wor­te weh. „ Ju­gend­li­che ru­fen: ,Dich krie­gen wir, du lebst nicht mehr lan­ge.‘ Es sind sol­che Ge­mein­hei­ten.“Auf sei­ner Face­book-Sei­te kommt er kaum mit dem Lö­schen von Kom­men­ta­ren hin­ter­her. „Da­bei bin ich nur an den Wo­che­n­en­den Clown, für die Klei­nen wie für die Gro­ßen.“Ge­burts­ta­ge, Hoch­zei­ten, Fa­sching. „Und ich ar­bei­te auch viel mit schwer­be­hin­der­ten Kin­dern.“15 Jah­re lang freu­ten sich al­le, wenn er kam. Doch jetzt er­hält er Droh­an­ru­fe, so­gar da­heim. Und ihm un­be­kann­te Leu­te fah­ren vorm Haus auf und ab, sie wis­sen: Da wohnt ein Clown! „Es ist kaum mehr aus­zu­hal­ten“, sagt Ru­dol­fGir­gn­hu­ber.Sein­größ­terWunsch: „Bit­te lacht wie­der über Clowns!“In­zwi­schen denkt er aber so­gar dar­an, mit der Fa­mi­lie nach Mallor­ca zu zie­hen. Nur weg. Den Se­gen sei­ner Fa­mi­lie hät­te er.

Fo­tos: pri­vat, dpa

Ru­dolp­ho bei sei­nem Lieb­lings­pu­bli­kum, den Kin­dern. Er will Hor­ror-Clowns nicht das Feld über­las­sen

Zau­ber­clown Ru­dolp­ho mit dem Spaß­mo­bil: Ju­gend­li­che zer­stö­ren in­zwi­schen die De­ko

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