End­lich Schutz fürs Eis­pa­ra­dies

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Es ist ei­ne his­to­ri­sche Ver­ein­ba­rung. Vor der Küs­te der Ant­ark­tis soll das größ­te Mee­res­schutz­ge­biet der Er­de ent­ste­hen. Das be­schlos­sen 24 Staa­ten und die EU nach jah­re­lan­gen Ver­hand­lun­gen am Frei­tag in der aus­tra­li­schen Stadt Ho­bart. Doch ei­nen Kri­tik­punkt gibt es. Die klärt die wich­tigs­ten Fra­gen.

■ Wie groß ist das Schutz­ge­biet? 1,55 Mil­lio­nen Qua­drat­ki­lo­me­ter. Die aus­ge­wie­se­ne Zo­ne ist et­wa so groß wie Groß­bri­tan­ni­en, Deutsch­land und Frank­reich zu­sam­men. Im größ­ten Teil des neu­en Schutz­ge­biets – 1,12 Mil­lio­nen Qua­drat­ki­lo­me­ter – soll jeg­li­che Fi­sche­rei ver­bo­ten wer­den. ■ Hat nicht US-Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma ge­ra­de erst die größ­te Mee­res­schutz­zo­ne aus­ge­ru­fen? Oba­ma hat die Ge­wäs­ser rund um Ha­waii im Pa­zi­fik im Au­gust zum Schutz­ge­biet er­klärt. Das Ge­biet in der Ant­ark­tis ist al­ler­dings knapp 50 000 Qua­drat­ki­lo­me­ter grö­ßer. ■ War­um muss ein so ab­ge­le­ge­ner Ort ge­schützt wer­den? Auf­grund der ab­ge­le­ge­nen La­ge ist das Ross­meer noch im­mer ei­nes der we­ni­gen und noch weit­ge­hend in­tak­ten Öko­sys­te­me der Welt. Die­ser Zu­stand muss nach Über­zeu­gung der Wis­sen­schaft­ler er­hal­ten blei­ben – auch um die Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels oh­ne Stör­fak­to­ren un­ter­su­chen zu kön­nen.

War­um muss dort die Fi­sche- ei ver­bo­ten wer­den? Rus­si­sche Fi­scher ma­chen dort zum Bei­spiel Jagd auf schwar­ze See­hech­te. Wenn die Mee­res­tem­pe­ra­tu­ren in Zu­kunft stei­gen, wer­den Fi­sche in die käl­te­ren Ant­ark­tis­ge­wäs­ser zie­hen. Die Fol­ge: Fi­scher wür­den ih­nen hin­ter­her­fah­ren. Au­ßer­dem gibt es in der Re­gi­on Krill, klei­ne Krebs­tie­re, die Nah­rung für vie­le Mee­res­le­be­we­sen sind und am An­fang vie­ler Nah­rungs­ket­ten­ste­hen.Wenn das Öko­sys­tem ge­stört wird, geht der Krill zu­rück und vie­le Fi­sche ha­ben Pro­ble­me bei der Nah­rungs­su­che. ■ Darf zu wis­sen­schaft­li­chen Zwe­cken ge­fischt wer­den? Nur in klei­nen Men­gen, um bei­spiels­wei­se die Grö­ße und Ge­sund­heit der Fisch-Po­pu­la­tio­nen zu un­ter­su­chen. ■ Wie wird das über­wacht? Das steht noch nicht fest und muss im De­tail aus­ge­ar­bei­tet wer­den. ■ Wird da­mit jetzt auch die Jagd auf Wa­le, wie sie bei­spiels­wei­se die Ja­pa­ner seit vie­len Jah­ren be­trei­ben, zu­rück­ge­hen? Ja­pan ist Mit­glied der Kom- mis­si­on, die die Schutz­zo­ne be­schlos­sen hat. Es ist schwer vor­stell­bar, dass die Ja­pa­ner zu­ge­stimmt hät­ten, wenn sie sich da­mit das Wal­fan­g­en selbst ver­bie­ten wür­den. Auch hier müs­sen noch De­tails ge­klärt wer­den. ■ Ist auch der Tou­ris­mus ver­bo­ten? Das Schutz­zo­nen­ge­biet ist kein Tou­ris­mus­ort. Von Neu­see­land aus wä­re man meh­re­re Ta­ge un­ter­wegs, weil das Ross­meer gut 3500 Ki­lo­me­ter vom Fest­land ent­fernt liegt. Schif­fe blei­ben zu­dem im­mer wie­der im Eis ste­cken. Es gab drei Vor­schlä­ge für die Er­rich­tung ei­nes Schutz­ge­bie­tes. Der Sie­ger­vor­schlag kam aus den USA und Neu­see­land.

■ Grö­ße mehr als 1,55 Mio. km2 ■ Aus­tra­li­en, Frank­reich und EU

Deutsch­land

Fo­to: dpa

Die Eis­de­cke ist in vie­le Stü­cke zer­bro­chen. Nur spe­zi­el­le Eis­bre­cher kön­nen sich hier den Weg durch die Flu­ten bah­nen

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