Lö­wen stür­men aus dem Kel­ler

tz - - SPORT - CLAUDIUS MAY­ER CM/LK

Den Frust von der See­le ge­schos­sen? Nein, da­mit konn­te Kos­ta Run­jaic nichts an­fan­gen. „Ich freue mich na­tür­lich“, sag­te der 1860-Trai­ner nach dem ers­ten Drei­er seit dem 2:1 in Nürn­berg, dem sechs sieg­lo­se Spie­le folg­ten. „Aber es gab Pha­sen, wo wir ein­fach nicht sou­ve­rän und si­cher wa

ren.“ Tren­nung von sei­ner Frau al­les an­de­re als gut ging, küm­mer­te sich die Christl eben­falls um ihn. „Wo­asst wos“, sag­te sie da­mals zu ihm, „mir fahrn jetzt naus aufd Mo­de­mes­se und su­achen a Frau für di.“

Spie­ler al­ler­dings traf man in den ver­gan­ge­nen Jah­ren nicht mehr im St­überl an. Die­se Zei­ten sind vor­bei. Die Mann­schaft fin­det man jetzt beim Ita­lie­ner um die Ecke. Das al­te Flair ist ein biss­chen da­hin. Christls Herz je­doch hängt nach wie vor fest an den Lö­wen, sie macht sich gro­ße Sor­gen an­ge­sichts der pre­kä­ren Ta­bel­len­si­tua­ti­on und des zu­letzt oft aus­blei­ben­den Er­folgs. Und dann greift sie halt auch mal sel­ber ein. Beim Ge­heim­trai­ning vor dem Po­kal­spiel in Würz­burg ging sie hin­ter zum Fün­fer-Platz und schnapp­te sich Kos­ta Run­jaic.

Da­mit traf der Coach den Punkt. Die sechs To­re (so vie­le wie seit dem 6:2 in Augs­burg 2007 nicht mehr) konn­ten nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass die Mann­schaft vor al­lem de­fen­siv kaum Zweit­li­ga­ni­veau er­reich­te. Im­mer­hin ist die Ta­bel­len­si­tua­ti­on nun halb­wegs ent­schärft. Mit elf Zäh­lern ha­ben die Lö­wen den An­schluss ans Mit­tel­feld ge­schafft.

Auf fünf Po­si­tio­nen hat­te der 1860-Trai­ner sei­ne Mann­schaft ge­gen­über dem Po­kal­spiel in Würz­burg ver­än­dert. Für Ad­lung, Kar­ger, Neu­haus, Mu­go­sa und den gelb­ge­sperr­ten Wit­tek be­gan­nen Ay­cicek, Li­endl, Sto­j­ko­vic und Olic, da­zu gab Ki­li­an Ja­kob sein

Pro­fi­de­büt.Der „Trai­ner, Sie müs­sen die Mann­schaft här­ter an­pa­cken“, for­der­te sie ihn auf. Nach dem Wei­ter­kom­men im Po­kal soll sich Run­jaic bei ihr für den Tipp be­dankt ha­ben. Und auch zu Ha­san Is­ma­ik be­sitzt Christl Es­ter­mann ei­nen gu­ten Draht. Im St­überl hat der jor­da­ni­sche In­ves­tor schon mal ei­ne Ver­samm­lung mit den Fans ab­ge­hal­ten, und als Is­ma­ik vor ei­ni­gen Wo­chen in Mün­chen war, lud er die Christl aufs Ok­to­ber­fest ein. Sie hat vor lau­ter Schreck ab­ge­sagt, im Nach­hin­ein hat sie sich ge­är­gert, dass sie sich nicht ge­traut hat.

Wer das St­überl im kom­men­den Jahr über­nimmt, ist noch of­fen. Der TSV 1860 und die Ha­cker-Pschorr-Braue­rei wer­den wohl ge­mein­sam nach ei­ner Lö­sung su­chen. Zu be­nei­den wird der neue Päch­ter nicht sein. Wer kann schon die Christl er­set­zen? 18-jäh­ri­ge Links­ver­tei­di­ger er­le­dig­te sei­nen Job auf Si­cher­heit be­dacht oh­ne grö­ße­re Aus­set­zer. Der Rest der Par­tie war ein Feh­ler­fes­ti­val son­der­glei­chen. Aue hät­te schon nach sie­ben Mi­nu­ten in Füh­rung ge­hen kön­nen, als Sam­son nach ei­ner Ecke den rech­ten Pfos­ten traf. Zu­dem konn­ten sich die Lö­wen bei Schieds­rich­ter Thor­ben Sie­wert be­dan­ken, der Au­es Se­bas­ti­an Hert­ner in der 43. Mi­nu­te mit Rot vom Platz stell­te. Ei­ne Fehl­ent­schei­dung, Hert­ner hat­te Olic’ Ball nicht mit der Hand auf der Li­nie ab­ge­wehrt, son­dern mit dem Kopf. Micha­el Li­endl war’s wurscht, er be­dank­te sich mit dem Elf­me­ter zum 3:1. Auch den Straf­stoß zum 2:0 (nach Foul an Olic) hat­te der zu­letzt zwei­mal nicht für den Ka­der be­rück­sich­tig­te Ös­ter­rei­cher ver­wan­delt (23.). „Beim ers­ten El­fer hab ich ein biss­chen ge­schwitzt als er rein­ging“, sag­te Li­endl, „der zwei­te war bes­ser. Wenn du zwei­mal nicht im

Ka­der warst, tut so ein Spiel gut. Ich weiß, was ich für ei­ne Qua­li­tät ha­be und wie ich der Mann­schaft hel­fen kann.“

Das kann zur­zeit auch Levent Ay­cicek. Die Füh­rung in der 16. Mi­nu­te ging auf das Kon­to des Tech­ni­kers, der bei sei­nem Frei­stoß von der Straf­raum­gren­ze vom schlecht re­agie­ren­den Au­er Kee­per Da­ni­el Haas pro­fi­tier­te.

Schwe­rer war der Tor­wart­feh­ler vor Au­es zwi­schen­zeit­li­chem An­schluss­tref­fer. 1860-Kee­per Zim­mer­mann box­te bei Kve­sic’ lan­gem Ball ins Lee­re, Pas­cal Köp­ke be­dank­te sich im Rü­cken mit sei­nem sechs­ten Sai­son­tor (28.).

Die gru­se­ligs­ten Sze­nen aus Lö­wen-Sicht spiel­ten sich in der ers­ten Hälf­te der zwei­ten Halb­zeit ab. Sa­scha Möl­ders’ 4:1 (49.) schien nur den Geg­ner zu be­flü­geln. Als Souk­ou in der 55. Mi­nu­te von vier Lö­wen be­staunt zum zwei­ten Tref­fer der Sach­sen ein­netz­te, muss­te man Üb­les be­fürch­ten. In Un- ter­zahl stürz­te Aue die Gast­ge­ber von ei­ner Ver­le­gen­heit in die nächs­te. Erst Ay­ciceks 5:2 (72.) mach­te den De­ckel drauf. Bei Ad­lungs 6:2 (90.) war die Mes­se längst ge­le­sen. „Zur­zeit funk­tio­niert’s ein­fach“, sag­te Dop­pel-Tor­schüt­ze Ay­cicek. „Aber so klar wie das Er­geb­nis war das Spiel ei­gent­lich nicht. Man hat ge­se­hen, dass wir was drauf hat­ten, aber halt noch nicht über 90 Mi­nu­ten.“

So sah’s auch Tho­mas Eichin. Das Fa­zit des Sport­chefs: „Die Lauf­be­reit­schaft hat mir ge­fal­len. Und heu­te hat­ten wir auch das nö­ti­ge Glück, das wir vor­her nicht hat­ten. Was mir nicht ge­fal­len hat, war, wie wir uns nach dem 4:1 ver­hal­ten ha­ben. Da bin ich rich­tig an­ge­fres­sen. Wenn Aue da das drit­te Tor macht, ha­ben wir ei­ne ganz an­de­re Si­tua­ti­on. Des­halb wer­den wir uns jetzt auch nicht in den Ar­men lie­gen und Kar­ne­vals­stim­mung ha­ben.“

Fo­tos: dpa (3), Sam­pics

End­lich klapp­te es mit dem Of­fen­siv­spiel: Möl­ders, Li­endl und Per­de­daj (v. li.) fei­ern den Sieg, Run­jaic ist er­leich­tert Grü­ße an den ver­letz­ten Kol­le­gen: Möl­ders (li.) und Mau­ers­ber­ger mit ei­nem Andrade-Tri­kot

Zwei­fa­cher Tor­schüt­ze und bis­sig im Zwei­kampf: Ay­cicek, hier ge­gen Riz­zu­to

Fo­to: Ima­go

Lö­wenI­ko­ne: St­überl-Wir­tin Christl Es­ter­mann hört zum Jah­res­en­de auf

Fo­to: Ex­ler

Stamm­gast: Wer­ner Lorant im Lö­wen­stü­berl

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.