Was für ein Thea­ter!

tz - - MENSCHEN - ANN-CATHERIN KARG

Was ma­chen Schau­spie­ler, wenn man sie selbst ent­schei­den lässt, was sie ma­chen wol­len? Sin­gen und über­zie­hen. Und so wur­den ges­tern aus ge­plan­ten ein­ein­halb St­un­den zwei­ein­vier­tel und so­mit ei­ne be­son­ders schö­ne Ma­ti­née zum 40. Ge­burts­tag der Freun­de des Re­si­denz­thea­ters. Der Ver­ein mit mitt­ler­wei­le 500 Mit­glie­dern will dem Baye­ri­schen Staats­schau­spiel vor al­lem ei­nes er­mög­li­chen: Ein mehr an so viel wie mög­lich, wie der Vor­sit­zen­de Ste­fan Meiß­ner ver­riet: Mehr ex­pe­ri­men­tel­le Thea­ter­stü­cke wie Schil­ler zum Bei­spiel, in dem das En­sem­ble mit

der Hand- spring Pup­pet Com­pa­ny aus Süd­afri­ka zu­sam­men­ar­bei­te­te und in wo­chen­lan­ger Ar­beit das Pup­pen­spie­len lern­te. Oder Eu­ry­di­ce, in dem je­dem der vier Schau­spie­ler an un­ter­schied­li­chen Sta­tio­nen ge­nau ein Zu­schau­er zu­ge­ord­net wur­de. Fi­nan­zi­ell oh­ne die För­de­rung ein Rie­sen­ver­lust, aber aus künst­le­ri­scher Sicht ein un­ver­zicht­ba­rer Ge­winn. Da­zu För­de­run­gen wie der all­jähr­lich ver­lie­he­ne Kurt-Mei­sel-Preis, span­nen­de Bli­cke hin­ter die Ku­lis­sen und Ge­sprä­che mit In­ten­dant Martin Kušej, den Schau­spie­lern oder Büh­nen­bild­nern. Und na­tür­lich das Her­an­füh­ren von Kin­dern und Ju­gend­li­chen an die Kunst. Wes­halb bis­her über 4000 Kin­der aus fi­nan­zi­ell be­nach­tei­lig­ten Fa­mi­li­en der Be­such von Vor­stel­lun­gen be­zahlt wur­de.

Grund ge­nug al­so für ak­tu­el­le und ehe­ma­li­ge En­sem­bleMit­glie­der, das Er­reich­te zu fei­ern. Mit ei­ner Fest­vor

stel­lung, bei der je­der der Ak­teu­re sich selbst aus­su­chen durf­te, was er zum Bes­ten ge­ben will: So­phie von Kes­sel und Wolf­ram Rup­per­ti san­gen un­ter an­de­rem die Tom und Jer­ry-Ti­tel­me­lo­die Vie­len Dank für die Blu­men und Ich war noch nie­mals in New York, Kath­rin Acker­mann Les feuilles mor­tes von Yves Montand, Mi­che­le Cu­ci­uf­fo New York, Ne­wYor­kun­dCor­ne­lia Fro­boess aus ih­rem Pro­gramm Lie­der­li­ches.

Jan-Gregor Kremp, der im Fern­se­hen Der Al­te ist und von 1993 bis 2000 am Baye­ri­schen Staats­chau­spiel spiel­te, las aus sei­nem Pro­gramm Kremp – ist mir so pas­siert. Und be­schrieb dar­in sei­nen Weg vom Schü­ler, der ei­nen Herrn Re­clam da­für be­wun­der­te, so vie­le Bü­cher ge­schrie­ben zu ha­ben, zum Sha­ke­speare- und Kleist-Lieb­ha­ber, schließ­lich zum lei­den­schaft­li­chen Thea­ter­men­schen, dem die Ab­sur­di­tä­ten der Thea­ter­welt ir­gend­wann aber der­art auf den Geist gin­gen, dass er sich wie­der da­von ver­ab­schie­de­te. An sei­ner Lie­be zur eins­ti­gen Thea­ter­fa­mi­lie hat das aber nichts ge­än­dert, und wie ger­ne er­in­nert er sich noch heu­te an die ewi­ge Ri­va­li­tät mit den ge­gen­über­lie­gen­den Kam­mer­spie­len. „Wie bei den 60ern und den Bay­ern“, sag­te er schmun­zelnd.

Sie­ben Jah­re war Kol­le­ge Thomas Loibl weg, ist seit die­ser Sai­son aber wie­der im Schoß sei­ner Thea­ter­fa­mi­lie an­ge­kom­men. Er kennt auch die Ar­beit am Volks­thea­ter und an den Kam­mer­spie­len, aber ei­nes ver­bin­det al­le Münch­ner Schau­spiel­häu­ser. „Das wahn­sin­ni­ge Pu­bli­kum! Das ist wirk­lich in­ter­es­siert, die Thea­ter sind voll!“Ste­fan Wil­ke­ning, En­sem­ble-Mit­glied von 2000 bis 2011, las aus dem Stück Don Qui­jo­te, mit dem er sei­ne schöns­ten Thea­ter­mo­men­te hat­te. „Manch­mal ha­be ich wirk­lich ge­dacht, ich bin Don Qui­jo­te. Hier ha­be ich mei­ne wun­der­bars­ten Thea­ter­jah­re ver­bracht.“Wie München oh­ne das Re­si­denz­thea­ter wä­re? „Wie Wein oh­ne Al­ko­hol.“Bes­ser als nix, aber weit ent­fernt von gut.

Ex-En­sem­ble-Mit­glied Cor­ne­lia Fro­boess (li.) sang „Ta­ke this waltz“auf der Büh­ne des Re­si­denz­thea­ters

Fotos: Heinz Weiß­fuß

Wun­der­bar: Schau­spie­le­rin So­phie von Kes­sel (li.), die Stü­cke aus dem Lie­der­abend „Wir wol­len es wie­der tun“sang. Am En­de war­fen die Künst­ler Ro­sen ins Pu­bli­kum

In­ten­dant Martin Kušej mit Thomas Loibl (re., „Iwa­now“)

Führ­te durch die Ma­ti­née: C. Bernd Su­cher

Kol­le­gen: Ju­lia­ne Köh­ler mit Ste­fan Wil­ke­ning

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