Mer­kel Watschn von der CSU

Ei­ni­gung auf Nicht-Ein­la­dung: CDU-Che­fin erst­mals nicht da­bei

tz - - ERSTE SEITE -

■ War­um sind die ge­gen­sei­ti­gen Be­su­che der Par­tei­chefs so wich­tig?

Weil sie ei­ne jahr­zehn­te­lan­ge Tra­di­ti­on ha­ben. Mer­kel war von 2000 bis 2015 auf je­dem CSU-Par­tei­tag. Ihr Fern­blei­ben ist al­so durch­aus ein Ta­bu­bruch. Ob See­ho­fer um­ge­kehrt auch nicht zum Tref­fen der Schwes­ter­par­tei im De­zem­ber nach Essen ein­ge­la­den wird bzw. an­reist, ist aber kein Au­to­ma­tis­mus. Für SPD-Chef Sig­mar Ga­b­ri­el zeigt die De­bat­te über ge­gen­sei­ti­ge Ein­la­dun­gen Par­tei­en, de­nen „der Kom­pass für Deutsch­land ver­lo­ren ge­gan­gen ist“. ■ Was war letzt­end­lich ent­schei­dend für Mer­kels Ver­zicht auf ei­ne Ein­la­dung?

An­ge­la Mer­kels Mo­ti­va­ti­on, nach der De­mü­ti­gung im letz­ten Jahr nach München zu kom­men, war ver­mut­lich nicht stark aus­ge­prägt. Horst See­ho­fer pocht ja heu­te noch genau­so wie vor ei­nem Jahr auf die Fest­le­gung ei­ner Ober­gren­ze – ge­nannt wur­de die Zahl 200 000 im Jahr – für den Flücht­lings­zu­zug. Dar­an konn­te we­der Mer­kels re­al exis­tie­ren­de Flücht­lings­po­li­tik noch die Ver­mitt­lungs­vor­schlä­ge an­de­rer CSUGrö­ßen wie Lan­des­grup­pen­che­fin Ger­da Has­sel­feldt und Par­tei­vi­ze Man­fred We­ber et­was än­dern – sie hat­ten Be­zeich­nun­gen wie Kon­tin­gen­te oder Richt­grö­ßen ins Spiel ge­bracht. Es war zu be­fürch­ten, dass Tei­le der Par­tei­tags­de­le­gier­ten strikt auf See­ho­fer-Li­nie ste­hen und den Kurs der Kanz­le­rin ab­leh­nen, wo­mög­lich mit Zwi­schen­ru­fen und Pla­ka­ten auf­tre­ten. Kein gu­tes Bild für ei­nen ge­mein­sa­men Wahl­kampf. ■ Wird es denn ei­nen ge­mein­sa­men Wahl­kampf ge­ben?

Es gab in letz­ter Zeit of­fen­bar Zei­chen der An­nä­he­rung. Der Par­la­men­ta­ri­sche Ge­schäfts­füh­rer der CSU-Lan­des­grup­pe, Max Strau­bin­ger, äu­ßer­te sich den Zei­tun­gen der Fun­ke-Me­di­en­grup­pe ge­gen­über über­zeugt, dass die Uni­on ge­schlos­sen mit Mer­kel als Spit­zen­kan­di­da­tin in den Bun­des­tags­wahl­kampf zie­he. Auch CDU-Vi­ze Ar­min La­schet glaubt „ge­nau die rich­ti­gen Si­gna­le aus München“zu er­ken­nen, dass die Schwes­ter­par­tei­en im Wahl­kampf an ei­nem Strang zu zie­hen. ■ Wann wird sich An­ge­la Mer­kel zu ih­rer Kan­di­da­tur äu­ßern?

Sie sagt: „Zu ge­ge­be­ner Zeit“. Ob sie tat­säch­lich bis Früh­jahr war­ten kann, wird im­mer un­wahr­schein­li­cher. Be­ob­ach­ter glau­ben, dass die Ent­schei­dung zu­sam­men mit ih­rer Kan­di­da­tur zur CDU-Vor­sit­zen­den fällt. Il­se Ai­g­ner ist sich si­cher, dass Mer­kel ge­mein­sam mit See­ho­fer die The­men klärt und sich dann äu­ßert. Uni­ons-Frak­ti­ons­chef Vol­ker Kau­der glaubt, dass Mer­kel das ganz al­lein ent­schei­det: „Sie muss Horst See­ho­fer nicht fra­gen. Aber die bei­den spre­chen na­tür­lich mit­ein­an­der.“ ■ Was wur­de aus der Dro­hung, in Bay­ern wür­den kei­ne Mer­kel-Pla­ka­te ge­klebt?

Die ist of­fen­bar hin­fäl­lig. Ste­phan May­er, lan­des­po­li­ti­scher Spre­cher der Uni­ons-Frak­ti­on, ging ge­gen­über der FAS da­von aus, dass es im Bun­des­tags­wahl­kampf selbst­ver­ständ­lich auch in Bay­ern An­ge­la-Mer­kel-Pla­ka­te und auch Auf­trit­te der Kanz­le­rin ge­ben wird. ■ Hat die Uni­on ei­ne ge­mein­sa­me Li­nie in der Ren­ten­po­li­tik?

Bis jetzt nicht. Die CSU will die Müt­ter­ren­te aus­wei­ten, stößt aber da­mit bei der Schwes­ter­par­tei auf Wi­der­stand. Mer­kel und ein gro­ßer Teil ih­rer CDU hal­ten das für rück­wärts­ge­wandt und ei­ne un­zu­mut­ba­re Be­las­tung der jün­ge­ren Ge­ne­ra­ti­on. Ob es am Frei­tag­abend beim Tref­fen der Uni­ons­spit­zen in die­sem Punkt ei­ne An­nä­he­rung gab, wur­de zu­nächst nicht be­kannt. Auch die SPD lehnt den Aus­bau der Müt­ter­ren­te aus der Ren­ten­kas­se ab. „Ich möch­te nicht, dass un­se­re Auf­ga­ben we­gen der Strei­te­rei­en in­ner­halb der Uni­on lie­gen­blei­ben“, sag­te der SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Thomas Op­per­mann. ■ Wel­che Schwer­punk­te setzt die CSU für den Wahl­kampf?

Die CSU plant Be­schlüs­se ge­gen ein mög­li­ches rot-rot-grünes Bünd­nis. Es müs­se ver­hin­dert wer­den, „dass ei­ne Links­front aus SPD, Grü­nen und Link­s­par­tei nach der Bun­des­tags­wahl­dieMacht­über­nimmt und Deutsch­land run­ter­wirt­schaf­tet“, zi­tiert der Spie­gel aus ei­nem Leit­an­trags-Ent­wurf mit dem Ti­tel „Links­rutsch ver­hin­dern – Da­mit Deutsch­land Deutsch­land bleibt“. In ei­nem wei­te­ren Leit­an­trag sagt die CSU laut Münch­ner Mer­kur dem „po­li­ti­schen Is­lam“den Kampf an. „In den letz­ten Jahr­zehn­ten ha­be „kei­ne an­de­re ideo­lo­gi­sche Be­we­gung welt­weit so viel Ge­walt, Zer­stö­rung und Desta­bi­li­sie­rung her­vor­ge­bracht“.

Gibt es Neu­es zur Nach­fol­ge des Bun­des­prä­si­den­ten

Die GroKo-Par­tei­chefs wol­len nach An­ga­ben aus Uni­ons­krei­sen bald nach dem CSU-Par­tei­tag über ei­nen ge­mein­sa­men Kan­di­da­ten spre­chen. Da­ge­gen will die Bild- Zei­tung er­fah­ren ha­ben, Mer­kel rech­ne nicht mehr mit ei­nem par­tei­über­grei­fen­den Kan­di­da­ten. Da­mit lau­fe die am 12. Fe­bru­ar 2017 fäl­li­ge Wahl des Nach­fol­gers von Joa­chim Gauck auf ei­ne Kampf­ab­stim­mung in der Bun­des­ver­samm­lung hin­aus.

Fotos: dpa

Der Tief­punkt beim CSUPar­tei­tag 2015. Die­ses Jahr be­sucht An­ge­la Mer­kel CSU-Chef See­ho­fer lie­ber nicht

Ein Wahl­kampf mit und für Mer­kel scheint aber mög­lich

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.