Hun­ger­streik am Send­lin­ger Tor

tz - - MÜNCHEN - LMB, PTS

In zwei Pa­vil­lons lie­gen rund drei­ßig Men­schen, ein­ge­packt in Schlaf­sä­cke und De­cken. Flücht­lin­ge ste­hen und sit­zen auf dem Tram­bahn­ron­dell am Send­lin­ger Tor. Am Mon­tag ge­gen 16 Uhr ha­ben sie ih­ren Hun­ger­streik mit 35 Teil­neh­mer be­gon­nen – in­zwi­schen sind es mehr als 65. Und wei­te­re sol­len fol­gen.

Der Pro­test wird auch die­ses Mal von der bun­des­wei­ten Grup­pe „Re­fu­gee Strugg­le for Free­dom“(Flücht­lings­kampf für Frei­heit) or­ga­ni­siert. Be­reits im Sep­tem­ber hat­te die Grup­pe mit 120 Flücht­lin­gen ei­nen Mo­nat lang am sel­ben Platz de­mons­triert. Aber: „Ei­nen Mo­nat hat sich nie­mand für uns in­ter­es­siert, nie­mand hat uns zu­ge­hört“, sagt Spre­cher Ade­el Ah­med. „Der Hun­ger­streik ist für uns die letz­te Stu­fe, die wir ge­hen woll­ten.“

Die Po­li­zei mach­te auch „Per­so­nen des lin­ken Spek­trums als Un­ter­stüt­zer“der Strei­ken­den aus. Hat­ten die­se bei den vor­an­ge­gan­ge­nen Ak­tio­nen stets zu­ge­sagt, auf Hun­ger­streiks zu ver­zich­ten, so stand die­ses Mit­tel dies­mal auf der An­mel­dung.

Als Dro­hung oder als Ver­trau­ens­bruch will Johannes May­er, Spre­cher des Kreis­ver­wal­tungs­re­fe­rats, dies nicht se­hen. „Hun­gern ist ein Mit­tel der frei­en Mei­nungs­äu­ße­rung und lässt sich nicht ver­bie­ten“, sag­te er. Doch so­bald Ge­fahr für Leib und Le­ben der Teil­neh­mer be­steht, müs­se man ein­grei­fen.

Das ge­schah 2013 auf dem Rin­der­markt: 350 Po­li­zis­ten räum­ten ein Flücht­lings­camp, meh­re­re Asyl­be­wer­ber la­gen be­reits im Ko­ma. Im KVR ver­traut man dar­auf, dass die Flücht­lin­ge dies­mal die Auf­la­gen ein­hal­ten. Das Tram­bahn- ron­dell soll bis zum Auf­bau der Bu­den für die MVG-Christ­kindltram Mit­te No­vem­ber ge­räumt wer­den.

Fo­to: Klaus Haag

Mit ei­nem Hun­ger­streik ma­chen Flücht­lin­ge am Send­lin­ger Tor auf ih­re Not auf­merk­sam

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