Jetzt ma­chen sie ihm den Pro­zess

tz - - MÜNCHEN+REGION - J. HEININGER

Vor ei­nem hal­ben Jahr fand die Po­li­zei die Lei­che von Syl­via Z. (†35) in ih­rer Woh­nung in der Klug­stra­ße (Gern) – sie wur­de bru­tal er­sto­chen! Kurz zu­vor sprang ihr Mann und mut­maß­li­cher Mör­der Ro­bin L. (42) aus dem Fens­ter im drit­ten Stock. Er über­leb­te schwer ver­letzt. Die Staats­an­walt­schaft hat jetzt An­kla­ge ge­gen den Nach­hil­fe­leh­rer er­ho­ben.

„Wir ge­hen da­von aus, dass Ro­bin L. sei­ne Ehe­frau heim­tü­ckisch ge­tö­tet hat“, sagt Staats­an­walt Flo­ri­an Wein­zierl zur tz. L. wird nun der Pro­zess we­gen Mor­des aus nie­de­ren Be­weg­grün­den ge­macht.

Al­les deu­tet auf ei­ne Be­zie­hungs­tat hin. An­woh­ner be­rich­te­ten zu­nächst, das Ehe­paar ha­be stets har­mo­nisch zu­sam­men ge­wirkt. Doch hin­ter der Fas­sa­de schien das Glück zu brö­ckeln. Die Mord­kom­mis­si­on fand schnell her­aus, dass Ro­bin L. und Syl­via Z. Be­zie­hungs­pro­ble­me hat­ten. Auch Staats­an­walt Wein­zierl will das nicht aus­schlie­ßen: „Die Be­zie­hung der bei­den wird ein zen­tra­ler Be­stand­teil der Haupt­ver­hand­lung sein.“

Ro­bin L. wur­de nach sei­nem Selbst­mord­ver­such in ei­nem Münch­ner Kran­ken­haus ins künst­li­che Ko­ma ver­setzt. In­zwi­schen sei der mut­maß­li­che Mör­der aber ver­neh­mungs- und pro­zesstaug­lich, be­stä­tig­te Wein­zierl. Ob und in­wie­fern sich der 42-Jäh­ri­ge be­reits zu den An­schul­di­gun­gen ge­äu­ßert hat, will die Staats­an­walt­schaft zum bis­he­ri­gen Zeit­punkt nicht kom­men­tie­ren. „Der ge­naue Ta­ther­gang wirft noch of­fe­ne Fra­gen auf, die in der Ver­hand­lung ge­klärt wer­den müs­sen“, sagt Wein­zierl. Er­schwe­rend kommt hin­zu, dass es für die Auf­klä­rung der Tat bis­lang kei­ne Zeu­gen gibt.

Das ver­meint­li­che Tat­werk­zeug, da war sich die Mord­kom­mis­si­on schnell si­cher, ist ein Kü­chen­mes­ser. Es wur­de im In­nen­hof des Mehr­fa­mi­li­en­hau­ses ge­fun­den. We­ni­ge Me­ter da­ne­ben schlug Ro­bin L. auf dem Bo­den auf. Ei­ne Nach­ba­rin hat­te ihn ent­deckt und den No­t­ruf ge­wählt.

Fest steht: Syl­via Z. wur­de bru­tal er­mor­det. Ei­ne Ob­duk­ti­on er­gab, dass die Be­triebs­wir­tin mit meh­re­ren Mes­ser­sti- chen ge­tö­tet wur­de. Der Tä­ter muss bei dem An­griff sei­ne un­ge­heu­re Wut aus­ge­las­sen ha­ben.

Das Op­fer war kurz vor sei­nem Tod von ei­ner Aus­tra­li­en­rei­se zu­rück­ge­kehrt, woll­te da­nach bei ei­nem neu­en Un­ter­neh­men rich­tig durch­star­ten. Die Da­ten­ana­lys­tin hat­te zu­vor sie­ben Jah­re lang bei ei­nem Te­le­fon­an­bie­ter ge­ar­bei­tet. Ei­ner Freun­din er­zähl­te sie von dem be­vor­ste­hen­den Be­rufs­wech­sel. Doch Ro­bin L. schien et­was da­ge­gen zu ha­ben.

Die Staats­an­walt­schaft spricht von ei­ner „ge­stör­ten Be­zie­hung“. Auch die Mord­kom­mis­si­on hat­te we­ni­ge Ta­ge nach der Tat ent­spre­chen­de Ver­mu­tun­gen. „Es stand zwar kei­ne Tren­nung be­vor, ver­mut­lich gab es aber für den Mann An­halts­punk­te, dass es da­zu kom­men könn­te“, so Mord­kom­mis­si­ons­chef Markus Kraus im April.

L. be­kommt nun die Chan­ce, sich vor Ge­richt zu den Vor­wür­fen zu äu­ßern. Ihm droht le­bens­lan­ge Haft.

F.: Bod­mer

Am 13. April fand die Po­li­zei die Lei­che von Syl­via Z. (†35). Ihr Kör­per wies meh­re­re Stich­ver­let­zun­gen auf

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