St­ei­ne des An­sto­ßes

Ex­per­ten­streit um Ge­fähr­lich­keit der Fahr­bahn­be­gren­zun­gen in Un­ter­schleiß­heim

tz - - MÜNCHEN+REGION - Hans-Joa­cHim ReHg

Die vor­nehms­te Auf­ga­be von Kom­mu­nen ist oh­ne Zwei­fel, Ge­fah­ren von Ge­mein­de­mit­glie­dern ab­zu­wen­den. In Un­ter­schleiß­heim hat die­ses Prin­zip of­fen­bar kei­nen Vor­rang. Denn da ist ganz of­fen­sicht­lich die Ent­wäs­se­rung ei­ner Fahr­bahn wich­ti­ger als der Schutz von Ver­kehrs­teil­neh­mern.

Grund zu die­ser An­nah­me gibt ei­ne Fahr­bahn­be­gren­zung in der Lands­hu­ter Stra­ße. Sie ver­bin­det Wohn- und Ge­wer­be­ge­bie­te und wird auch von Rad­fah­rern häu­fig fre­quen­tiert, da ei­ni­ge der be­lieb­tes­ten Ver­brau­cher­märk­te an der Stra­ße lie­gen. Im Prin­zip kein Pro­blem, da es ent­lang der Fahr­bahn ei­nen kom­bi­nier­ten Fuß­gän­ger- und Rad­weg gibt. Den Grün­strei­fen da­zwi­schen hat die Stadt nun mit stein­be­füll­ten Draht­kör­ben, so­ge­nann­ten Ga­bi­o­nen, be­schwert, die an den Ecken scharf wie St­a­chel­draht sind. Zeit­wei­se ka­men so­gar spitz­kan­ti­ge Fels­bro­cken zum Ein­satz, die zwi­schen­zeit­lich aber wie­der ab­trans­por­tiert wur­den.

Die Hin­der­nis­se sol­len laut Stadt wi­der­recht­li­ches Par­ken ver­hin­dern und die Ent­wäs­se­rungs­funk­ti­on des Grün­strei­fens auf­recht­er­hal­ten. Un­ab­hän­gig da­von, ob nicht schon das dort gel­ten­de Hal­te­ver­bot aus­reicht, um Au­to­fah­rer vom Par­ken ab­zu­hal­ten, sind die Si­cher­heits­be­den­ken gra­vie­rend. Dr. Det­lev Lipp­hard, Re­fe­rats­lei­ter „Stra­ßen­ver­kehrs­tech­nik“beim Deut­schen Ver­kehrs­si­cher­heits­rat, sieht ei­ne ho- he Ge­fahr schwe­rer Ver­let­zun­gen ins­be­son­de­re für Rad­fah­rer so­wohl bei den Fels­bro­cken als auch bei den Draht­ge­flech­ten. Grund­sätz­lich sei­en scharf­kan­ti­ge Hin­der­nis­se im Stra­ßen­raum be­denk­lich. Nied­ri­ge Bü­sche wä­ren auf je­den Fall die bes­se­re Lö­sung, wenn auch pfle­gein­ten­si­ver.

Der Lei­ter des Tech­ni­schen Bau­am­tes in Un­ter­schleiß­heim, Dipl.-Ing. Chris­ti­an Kar­ger kann da­ge­gen in den stein­ge­füll­ten Kör­ben kei­ne er­höh­te Ge­fähr­dung für Rad­ler er­ken­nen, weil ein Si­cher­heits­ab­stand von 50 Zen­ti­me­tern zum Rad­weg ein­ge­hal­ten wor­den sei. Frag­lich ist da nur, wie man in die­sem Zu­sam­men­hang ei­ne Arm­län­ge Ab­stand als si­cher be­zeich­nen kann. Die Ga­bi­o­nen lobt Kar­ger als „kos­ten­güns­ti­ge Lö­sung“.

Die Fra­ge ist nur, wer am En­de die Ze­che be­zahlt? Man muss an die­ser Stel­le nur an den tra­gi­schen Un­fall von For­mel 1-Welt­meis­ter Michael Schu­ma­cher er­in­nern, der trotz Ski-Helm beim Sturz auf ei­nen St­ein schwers­te Ver­let­zun­gen da­von­trug. Hof­fent­lich muss es in die­sem Fall nicht erst zu ei­nem Un­glück kom­men, be­vor die Stadt Un­ter­schleiß­heim zur Ein­sicht ge­langt. Der Deut­sche Ver­kehrs­si­cher­heits­rat hat je­den­falls schon ei­ne gu­te Idee, wie die Fo­tos von der Lands­hu­ter Stra­ße ein­setz­bar sind. Man möch­te sie künf­tig ger­ne bei Vor­trä­gen als „ab­schre­cken­des Bei­spiel“ver­wen­den.

Fo­tos: fkn

Rot in den Un­ter­schleiß­hei­mer Stadt­plan ein­ge­zeich­net: die Lands­hu­ter Stra­ße. Am zu­ge­hö­ri­gen Grün­strei­fen gab es Fels­bro­cken und gibt es im­mer noch Draht­kör­be. Und die sind der An­lass für Är­ger …

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