Wir lie­ben uns bis

tz - - MENSCHEN -

Zu­sam­men auf der Büh­ne sind sie ein Kra­cher, das weiß je­der, der Co­rin­na Bin­zer (49) und Sepp Schau­er (67)schon ein­mal live er­lebt hat. Ent­we­der mit ih­rem Kol­le­gen Hans Schuler in Zwei Ein­ak­ter – Ei­ne Ko­mö­die nach An­ton Tsche­chow, die sie 2003 erst­mals un­ter der Re­gie von Mar­cus H. Ro­sen­mül­ler auf­ge­führt ha­ben, oder im Pro­gramm Stur­mWar­nung mit Heinz-Jo­sef Braun. Am 25. No­vem­ber fei­ern sie mit dem sieb­ten Teil der Stur­mWar­nung Pre­mie­re im Thea­ter Dreh­lei­er und gleich­zei­tig auch ihr 15-jäh­ri­ges Büh­nen­ju­bi­lä­um. „Klar ist das nicht im­mer pu­re Har­mo­nie“, er­zählt der Schau­spie­ler über die Zu­sam­men­ar­beit mit sei­ner Le­bens­ge­fähr­tin, die die Ge­schich­ten rund um den gran­teln­den Tram­bahn­fah­rer Sepp Sturm und sei­ne Frau An­ni selbst ver­fasst. „Ich schrei­be das im­mer al­lei­ne, le­se es ihm erst vor, wenn es fer­tig ist, und er­war­te dann na­tür­lich Be­geis­te­rungs­stür­me“, er­klärt sie die Pro­ble­ma­tik. Oft ent­fährt ihm dann als Ers­tes ein bay­risch-ge­dehnt-di­plo­ma­ti­sches „Jaaa“und Heinz-Jo­sef „Char­ly“Braun ein „Aha“. Ge­mein­sam bas­teln sie dann an den Sät­zen, den Be­to­nun­gen, den Po­in­ten – so lan­ge, bis am En­de je­der zu­frie­den ist mit den Ge­schich­ten und Lie­dern, die den Gäs­ten so be­kannt vor­kom­men, dass sie oft fra­gen, wann sie denn bei ih­nen zu Hau­se ge­we­sen wä­ren. Et­wa, wenn der Sepp sei­ne An­ni fragt, was er an­zie­hen sol­le. „Was du magst“, ant­wor­tet sie, um die Wahl dann mit den Wor­ten „Ach, das hast du jetzt an­ge­zo­gen“, zu kom­men­tie­ren. Und hin­ter­her­zu­schie­ben: „Nimm doch noch ei­nen Pul­li mit, den du magst. Vi­el­leicht den blau­en.“

Ei­ne der sel­te­nen Be­ge­ben­hei­ten, die es so im Hau­se Bin­zer/Schau­er nicht gibt. Denn da ist es der Haus­herr, der stun­den­lang shoppt, wäh­rend sei­ne Frau im Her­ren­be­klei­dungs­ge­schäft an der Bar sitzt und ei­nen Kaf­fee nach dem an­de­ren trinkt. Noch so ei­ne Ma­rot­te ist sei­ne be­son­de­re Lie­be zu Fleisch­wa­ren, die ein cle­ve­rer Metz­ger re­gel­mä­ßig ans Set von Sturm der Lie­be schleppt, wo Schau­er seit elf Jah­ren den Chef-Por­tier Al­fons Sonn­bich­ler spielt. „Der Sepp kann ein­fach nicht Nein sa­gen und bei uns da­heim sind die Ge­frier­fä­cher voll mit Bra­ten.“Ein Über­bleib­sel wahr­schein­lich aus dem frü­he­ren Le­ben ih­res Part­ners, der bis ins Jahr 2000 haupt­be­ruf­lich Wirt war und die Kel­ler­schän­ke im Al­ten Wirt in Grün­wald be­trieb. „Da war das obers­te Prin­zip: es darf nix aus­ge­hen!“ Und ja, na­tür­lich hat sei­ne Le­bens­ge­fähr­tin auch Ma­rot­ten, wenn auch sehr lie­bens­wür­di­ge. Sie nutzt sei­ne Shop­ping­trips, um in Schreib­wa­ren­lä­den nach Post­kar­ten zu su­chen. Je­den Tag braucht sie ei­ne, die sie ih­rem Sepp mor­gens hin­legt. „Sie fan­gen im­mer mit „Lie­ber Ha­se“an und hö­ren mit „Ich lie­be Dich“auf“, ver­rät Co­rin­na Bin­zer. Mitt­ler­wei­le sta­peln sich die ge­sam­mel­ten Lie­bes­be­wei­se in Schu­hund Um­zugs­kar­tons, denn das Gan­ze geht seit über 16 Jah­ren so. So lan­ge, wie die bei­den end­gül­tig und of­fi­zi­ell zu­sam­men sind, nach­dem sie sich eben­so lan­ge im­mer wie­der um­kreist und doch nicht zu­sam­men­ge­fun­den hat­ten. Denn gut fand die Co­rin­na den Sepp schon, als sie 18 war und ihn zu­sam­men mit ih­ren El­tern re­gel­mä­ßig auf der Iberl-Büh­ne ge­se­hen hat. Ir­gend­wann ha­ben sie dann an­ge­ban­delt, sind aus­ge­gan­gen und zum Es­sen, „aber da­mals hat es we­gen dem Al­ters­un­ter­schied noch nicht so ge­passt“, mei­nen bei­de. Ganz aus den Au­gen ver­lo­ren ha­ben sie sich da­nach nie, aber erst 1999, Sepp Schau­er war ge­ra­de frisch ge­trennt und ei­gent­lich noch nicht be­reit für ei­ne neue Lie­be, hat es wie­der ge­funkt. Vier Mo­na­te spä­ter tausch­ten die bei­den ih­re Woh­nungs­schlüs­sel aus und das Zau­dern war end­gül­tig vor­bei. Trotz Al­ters­un­ter­schied von 18 Jah­ren. Ver­hei­ra­tet sind sie bis heu­te nicht, da­für ist Schau­ers Miss­trau­en ge­gen­über die­ser In­sti­tu­ti­on ein­fach zu groß. Was sie in ih­ren Au­gen aber min­des­tens ge­nau­so ver­bin­det, ist et­was, das bei­de „ih­re Ei­gen­tums­woh­nung in Un­ter­ha­ching“nen­nen: Zwei freie Plät­ze in der Ur­nen­wand des Fried­hofs, di­rekt ne­ben dem­je­ni­gen von Co­rin­nas Va­ter.

Sepp be­kommt täg­lich ei­ne Lie­bes-Post­kar­te von sei­ner Co­rin­na. Re.: Schau­er in „Sturm der Lie­be“.

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