Hier wächst der Pfef­fer!

tz - - KULTUR + TV - DO­MI­NIK GÖTTLER

So kann man auch Ge­burts­tag fei­ern. Ant­ho­ny Kie­dis, Jahr­gang ’62, gönnt sich an sei­nem 54. Eh­ren­tag ei­ne Ver­schnauf­pau­se und legt sich auf die schwar­ze Wand aus Ver­stär­kern. Er hat sich schließ­lich ge­nug be­wegt an die­sem Abend in der aus­ver­kauf­ten Olym­pia­hal­le. Wie ein hy­per­ak­ti­ver Ae­ro­bic-Trai­ner hüpf­te und tän­zel­te er über die Büh­ne. Jetzt lässt er die Bei­ne bau­meln, wäh­rend sei­ne Band­kol­le­gen von den Red Hot Chi­li Pep­pers das In­tro zum Raus­schmei­ßer Gi­ve It Away an­stim­men. Ein letz­tes Mal gibt sich die Men­ge der Ener­gie hin, imi­tiert die Fit­ness-Übun­gen ih­res Lieb­lings­trai­ners da oben am Mi­kro und lässt sich vom Funk-Rock der Ka­li­for­ni­er die Glie­der er­wär­men.

Auch nach 33 Jah­ren schaf­fen es die Chi­lis noch mü­he­los, ei­ne Hal­le in kol­lek­ti­ven Be­we­gungs­rausch zu ver­set­zen. Schon beim cha­rak­te­ris­ti­schen Gi­tar­ren­riff vom Ope­ner Can’t Stop hielt es nie­man­den mehr auf den Sit­zen. Mit Da­ni Ca­li­for­nia und Ot­her­si­de feu­ern die Pep­pers so­fort Hit­ma­te­ri­al nach – ein ge­lun­ge­ner Start. Kie­dis’ Stim­me sitzt auch am Ge­burts­tag, Drum­mer Chad Smith und Bass-Ge­nie Michael „Flea“Bal­za­ry sind oh­ne­hin un­an­tast­bar, und das Kü­ken der Band, Josh Kling­hof­fer, frem­delt nicht mehr so wie in den ers­ten Mo­na­ten, als er die un­dank­ba­re Auf­ga­be an­trat, den ei­gent­lich un­er­setz­ba­ren John Fru­sci­an­te an der E-Gi­tar­re zu er­set­zen.

Trotz­dem hat die­ser Abend mit ei­ner der größ­ten Rock­bands der Ge­gen­wart auch sei­ne Län­gen. Vor al­lem im Mit­tel­teil der Set­list kehrt Be­lie­big­keit ein. Das liegt am neu­en Ma­te­ri­al. Das elf­te Al­bum The Ge­ta­way ist lei­der we­nig auf­re­gend. Mit viel Pop und we­nig Rock flie­ßen die neu­en Stü­cke vor sich hin. Der Ret­tungs­an­ker ist häu­fig Fleas fun­ki­ge Bass­li­ne. Oder die fas­zi­nie­ren­de Licht­show, bei der sich bun­te LEDs von der De­cke wie ein leuch­ten­der Tep­pich auf und ab be­we­gen. Schließ­lich braucht es aber doch die al­ten Kra­cher, um das Pu­bli­kum wie­der auf­zu­we­cken. Suck my Kiss, Ca­li­for­ni­ca­ti­on, Un­der the Bridge oder By the Way. Hits ha­ben die Chi­lis wahr­lich ge­nug.

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