„Ich bin ein ech­ter Sof­tie“

tz - - PANORAMA - IN­TER­VIEW: DIERK SIN­DER­MANN

Kaum ist er selbst Va­ter, singt er für Kin­der. Al­ler­dings hat Jus­tin Tim­ber­la­ke (35) kein Al­bum für Kids her­aus­ge­bracht – zu­min­dest noch nicht. Vor­erst kön­nen ihn Klein und Groß im Ani­ma­ti­ons-Mu­si­cal sin­gen hö­ren. Re­por­ter Dierk Sin­der­mann traf den Mu­si­ker und Schau­spie­ler.

Sie ha­ben seit letz­ten April ei­nen Sohn. Wie läuft es mit dem klei­nen Si­las?

Jus­tin Tim­ber­la­ke: Ich muss zu­ge­ben, dass Va­ter­schaft zum Fürch­ten ist. Weil du zum Teu­fel kei­ne Ah­nung hast, was du tust. Du musst al­les selbst raus­fin­den. Auf der an­de­ren Sei­te lässt mich mein Kind die Welt in ei­nem völ­lig neu­en Licht se­hen – ei­nem hel­le­ren und viel schö­ne­ren. Es ist bes­ser als ich es mir je­mals aus­ge­malt ha­be. Und es hat aus mir ei­nen bes­se­ren Men­schen ge­macht. Wie geht das? Tim­ber­la­ke: Als Va­ter rea­li­siert man, dass man frü­her nicht im­mer das Bes­te aus sich her­aus­ge­holt hat. Ich ha­be be­schlos­sen, noch mehr Mög­lich­kei­ten zu nut­zen, die mir im Le­ben ge­bo­ten wer­den.

Was be­deu­tet für Sie Glück?

Tim­ber­la­ke: Für mich gibt es kein grö­ße­res Glück, als mit mei­nem Sohn zu­sam­men zu sein. Und na­tür­lich auch mit mei­ner rest­li­chen Fa­mi­lie. Je­der Tag ist ei­ne neue Her­aus­for­de­rung. Man bleibt mehr denn je auf dem Bo­den. Weil man je­den Tag als El­tern Feh­ler macht. Da­mit das Ego bloß nicht zu groß wird.

Wenn Sie auf Ih­re ei­ge­ne Kind­heit und Er­zie­hung zu­rück schau­en, was ha­ben Sie fürs Le­ben mit­be­kom­men?

Tim­ber­la­ke: Mei­nen Dri­ve. Mei­ne Mut­ter hat mich als Kind ziem­lich ge­pusht, was

mir nichts aus­ge­macht hat. Für sie gab es kei­ne Grau­zo­ne. Wenn man sich für et­was ent­schlos­sen hat­te, zog man das voll bis zum En­de durch. Die­se Ein­stel­lung hat mir im Le­ben sehr ge­hol­fen.

Sie lei­hen ei­nem übel­ge­laun­ten Troll die Stim­me. Was ver­dirbt Ih­nen per­sön­lich die Lau­ne?

Tim­ber­la­ke: Al­les was an­fällt, be­vor ich mor­gens mei­nen Kaf­fee hat­te. Dann bin ich un­aus­steh­lich. Und der Ver­kehr in Los An­ge­les bringt mich auch re­gel­mä­ßig in Ra­ge.

Sind Sie aber sonst von Na­tur aus ein glück­li­cher Mensch?

Tim­ber­la­ke: Das ist ei­ne wirk­lich gu­te Fra­ge. Ich weiß es ehr­li­cher­wei­se nicht. Wir ge­hen al­le im Le­ben durch Pha­sen, in de­nen wir hap­py sind. Und durch an­de­re, in de­nen wir Din­ge eher zy­nisch se­hen. Im­mer­hin be­mer­ke ich es, wenn ich auf mei­nem Zy­ni­ker-Trip bin. Das ist ein An­fang. (lacht)

Wann sind Ih­nen das letz­te Mal die Trä­nen ge­kom­men?

Tim­ber­la­ke: Ich bin ein ech­ter Sof­tie – es müs­sen nur die rich­ti­gen Um­stän­de zu­sam­men tref­fen. Zum Bei­spiel wenn ich se­he, wie mein Sohn die klei­nen Din­ge des Le­bens lernt. Dann öff­nen sich die Schleu­sen. (lacht)

Au­ßer Ih­rem Klei­nen und Ih­rer Fa­mi­lie, oh­ne wen oder was kön­nen Sie nicht le­ben?

Tim­ber­la­ke: Ein­deu­tig Mu­sik. Sie zu hö­ren, zu sin­gen – das brau­che ich ein­fach. Ich könn­te mir kei­nen Tag oh­ne Mu­sik vor­stel­len. Die Kin­der­zim­mer er­ober­ten die bun­ten Troll­fi­gu­ren als Spiel­zeug in den 70er Jah­ren – jetzt sind sie auf der Ki­n­o­lein­wand zu se­hen. Die ha­ben im­mer ein Lied auf den Lip­pen – bis auf Mie­se­pe­ter Branch. Jus­tin Tim­ber­la­ke spricht ihn in der Ori­gi­nal­fas­sung und stürmt mit sei­nem Ti­tel-Song

die Charts.

Wie fühlt es sich an, vor Tau­sen­den von Fans auf der Büh­ne ste­hen?

Tim­ber­la­ke: Ich füh­le mich frei. Oder frei­er als ich es sonst bin.

Ih­re Hol­ly­wood-Kar­rie­re läuft mo­men­tan auf Hoch­tou­ren. Le­gen­de Woo­dy Al­len hat sie zu sei­nem neu­es­ten Star er­ko­ren . Wie ha­ben Sie das ge­schafft?

Tim­ber­la­ke (grinst): Ich weiß im­mer noch nicht, wie ich ihn so aus­trick­sen konn­te. Ich darf in sei­nem neu­en Film mit­spie­len. Als Ret­tungs­schwim­mer in den 50er Jah­ren.

Stimmt es ei­gent­lich , dass man bei Al­len für sei­ne Rol­le nie vor­spre­chen muss?

Tim­ber­la­ke: Das stimmt. Es war to­tal sur­re­al. Es geht da­mit los, dass man kein Dreh­buch be­kommt. Al­so geht man völ­lig un­vor­be­rei­tet zum Tref­fen mit ihm. Er hat zu­sam­men mit mir ei­nen Dia­log ge­le­sen. Dann bin ich wie­der ge­gan­gen und ha­be ge­war­tet. Ich bin sehr stolz, mit solch ei­nem ge­nia­len Fil­me­ma­cher ar­bei­ten zu dür­fen.

Gibt es et­was, was Sie noch er­rei­chen wol­len?

Tim­ber­la­ke: Ja, end­lich mal ge­nug Schlaf zu be­kom­men (lacht). Aber ich ha­be be­reits rea­li­siert, dass man sich das als El­tern eh ab­schmin­ken muss. Ich bin un­glaub­lich stolz und glück­lich über mei­ne Kar­rie­re – dass sie schon so lan­ge so gut läuft. Wich­tig ist, dass man nicht still­steht und auch mal neue Din­ge pro­biert. Zum Bei­spiel? Tim­ber­la­ke: Auf je­den Fall will ich in Zu­kunft mehr Fil­me dre­hen, die auch für Kin­der ge­eig­net sind. Ich will, dass mein Sohn mich öf­ter auf der Lein­wand se­hen kann. Und wer weiß, vi­el­leicht neh­me ich bald auch ein Al­bum mit Kin­der­lie­dern auf.

Trolls Can’t Stop The Fee­ling!

Fo­tos: rts/Ins­ta­gram

Jus­tins größ­tes Glück: Seit 2012 ist er mit Jes­si­ca Biel (34) ver­hei­ra­tet. Sohn Si­las kam im April 2015 zur Welt

Die Büh­ne ist sei­ne Welt. Oh­ne Mu­sik könn­te Jus­tin Tim­ber­la­ke nicht le­ben

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